Finne geht ins zweite Jahr: Sami Hyypiä – der Oldie der Bundesliga
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 05.08.2010 - 09:42St. Gallen/Leverkusen (RP). Der Abwehrchef von Bayer Leverkusen, Sami Hyypiä, ist mit 36 Jahren der älteste Feldspieler in der Bundesliga. Zu alt findet er sich nicht. Er geht ins zweite Jahr beim Werksklub.
Sami Hyypiä sitzt im Lounge-Bereich des Hotels "Säntispark" in St. Gallen, streicht sich übers Kinn und grinst. Wahrscheinlich hatte er die Frage erwartet. "Ja", sagt der Abwehrchef von Bayer Leverkusen, "ich weiß, ich habe gesagt, ich würde in der neuen Saison nur noch deutsch reden. Aber irgendwie scheine ich im Urlaub doch nicht so viel Lust gehabt zu haben, in die Bücher zu gucken." Umso mehr Lust verspürt der mit 36 Jahren älteste Feldspieler der Liga auf sein zweites Jahr in Deutschland. Von einem Ausklingen der Karriere ist beim blonden Finnen nichts zu spüren.
In fast jedem Training steht Hyypiä irgendwann mit seinem Trainer zusammen. Dann, wenn andere Kollegen sich zwischen den Übungen mit einem Getränk erfrischen. Jupp Heynckes schätzt die Meinung des 103-maligen Nationalspielers. "Der Sami hat so viel erlebt, es ist doch gut, wenn wir miteinander reden", sagt er. Und Hyypiä scherzt: "Vielleicht unterhalten wir uns auch nur so viel auf dem Platz, weil ich mich zu wenig bewege."
Gerade weil Heynckes weiß, was er am langjährigen Liverpool-Profi hat, verordnet er ihm seit Mitte der vergangenen Rückrunde immer wieder Pausen. "Sami" muss nicht jede Einheit mitmachen – auch nicht im einwöchigen Trainingslager, das Bayer 04 in der Vorwoche vor den Toren St. Gallens bezogen hatte. Für den Fußball-Enthusiasten Hyypiä ist so etwas im ersten Moment manchmal schwer einzusehen. "Ich fühle mich fit genug, jedes Spiel zu spielen, aber wenn der Trainer das anders sieht, ist es okay", sagt der achtfache finnische Fußballer des Jahres.
Seit in Michael Ballack ein weiterer Akteur aus der Premier League nach Leverkusen gewechselt ist, "blüht der Sami noch ein Stückchen mehr auf", hat Sportdirektor Rudi Völler festgestellt. "Die beiden sitzen oft zusammen und erzählen sich etwas auf Englisch", sagt Bayers Sportdirektor.
Hyypiä selbst sieht im Ballack-Transfer ein positives Zeichen für die anstehende Serie. "Ich bin glücklich, dass der Club in der Lage war, ihn zu verpflichten", sagt er, "Michael weiß, was es braucht, um Titel zu gewinnen." Mit ihm verfüge das Team nun über einen guten Mix aus Jung und Alt. Ein Mix, der gegen Ende der Vorsaison fehlte, als Bayer erst die Tabellenführung und schließlich die Champions-League-Plätze verspielte. "Jeder von uns muss aus diesen Spielen lernen. Es ist schade, dass wir nicht stark genug waren, oben zu bleiben", erklärt der Finne.
Die Leverkusener Fans hatten den oft schweigsam wirkenden Abwehrspieler schon wenige Wochen nach seinem Wechsel im Sommer 2009 in ihr Herz geschlossen. Ein "Kultspieler" sei er, finden viele, die im Stadion denselben Gesang mit seinem Namen anstimmen, den auch jeder Liverpool-Fan auswendig kennt. "Natürlich freut mich das", sagt Hyypiä – und fügt mit einem neuerlichen Lächeln hinzu: "Irgendwie muss ich einiges richtig gemacht haben."
Im Oktober wird er 37, ein Alter in dem sonst nur Torhüter über eine Fortsetzung der Karriere nachdenken. Ist es also seine letzte Saison als Profi? "Ein Jahr ist in meinem Alter eine lange Zeit", sagt Hyypiä. Er werde rechtzeitig entscheiden, wie es mit ihm weitergeht. Dass er nach seiner Laufbahn den Trainerschein machen wird, steht aber heute schon fest. Neulich wollte sein Ex-Verein Liverpool ihn als Co-Trainer zurück an die Anfield Road holen. Ein Angebot, dass den Finnen natürlich interessierte. Es kam nur mindestens ein Jahr zu früh.
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