Vier Punkte hinter Platz eins: Schalke sieht sich nicht als Bayern-Jäger
zuletzt aktualisiert: 30.10.2011 - 11:14Gelsenkirchen (RPO). Sechs Siege in sieben Pflichtspielen, eine disziplinierte Einheit und Platz zwei hinter Spitzenreiter Bayern München – nach der Rückkehr von Huub Stevens hängt der königsblaue Himmel bei Schalke 04 derzeit voller Geigen. Doch der knorrige Fußball-Lehrer aus den Niederlanden ist stets bodenständig, eine Philosophie, die er auch nach dem beeindruckenden 3:1 (1:0)-Sieg des DFB-Pokalsiegers gegen 1899 Hoffenheim propagierte.
"Man muss auch realistisch sein. Ich sage: Bayern München ist uns meilenweit voraus. Dahinter ist alles möglich. Wir sind glücklich über die Momentaufnahme", sagte Stevens . Dabei hatte er durchaus Freude an der wohl stärksten Saisonleistung seiner Mannschaft, die nach der Führung durch das Billard-Tor von Raul (28.) und dem Ausgleich von Vedad Ibisevic (63.) Charakter zeigte. Klaas-Jan Huntelaar belohnte mit einem Doppelpack (73. Foulelfmeter, 76.) die Courage.
"Die Mannschaft hat nach dem Rückschlag kühlen Kopf bewiesen. Sie hat gefightet, als sie fighten musste. Sie hat gespielt, wenn sie spielen konnte. Eine starke Leistung gegen einen starken Gegner", sagte Sportdirektor Horst Heldt.
Stevens sorgt für gutes Klima
Heldts Entscheidung, Stevens als Nachfolger des an einem Erschöpfungssyndrom leidenden Ralf Rangnick zu holen, entpuppt sich immer mehr als Volltreffer. Die Stürmerstars Raul und Huntelaar ziehen Youngster wie Julian Draxler regelrecht mit. Stevens schafft es, Problemtypen wie Jermaine Jones wieder für Schalke zu begeistern. Der US-Nationalspieler, einst auf dem Absprung, ist derzeit nicht wegzudenken. Und Benedikt Höwedes findet sich immer besser auf der rechten Verteidigerposition zurecht - gut für Jogi Löw.
"Der Trainer sorgt für gute Stimmung im Training, wir haben ein gutes Klima. Er gibt einem das Gefühl, dass jeder Spieler wichtig ist. Das gibt Selbstvertrauen. Wir haben englische Wochen vor uns, da wird jeder Spieler gebraucht", sagte Höwedes. Der Kapitän lebt auch das vor, was Stevens postuliert: Demut und Respekt. "Bayern-Jäger wäre zu hoch gegriffen", sagte er zur Situation. "Wir spielen erfolgreich - und auch attraktiv."
Huntelaar schaut von Spiel zu Spiel
Auch den anderen Spielern waren große Parolen nicht zu entlocken. "Als Bayern-Jäger würde ich uns nicht betiteln", sagte Draxler, der beim 2:0 im Pokal in Karlsruhe gefehlt hatte und geschwächt ein sehr gutes Spiel machte. Torjäger Huntelaar, jetzt mit zehn Bundesliga-Toren und 21 Treffern in 18 Pflichtspielen dekoriert, meinte mit einem Lächeln: "Ich gucke nicht auf die Bayern. Wir müssen immer auf das nächste Spiel gucken. Wenn wir erfolgreich bleiben, kommt der Druck von alleine."
Sein Landsmann sprach Huub Stevens förmlich aus der Seele. Nie die Bodenhaftung verlieren. Auch in seiner ersten Amtszeit hatte Stevens damit richtig gelegen, Uefa-Cup-Sieg 1997 oder zwei DFB-Pokal-Erfolge zeugen davon. "Wir alle glauben an unsere Stärken, ob erfahren oder nicht. Das gibt Selbstvertrauen. Und Realismus hilft dabei. Aber bitte keine Überheblichkeit, das passt nicht zu Schalke", erklärte er.
Als Tüpfelchen auf dem "I" darf man für Stevens nun die Entwicklung auf der Torhüterposition sehen: Lars Unnerstall gibt dem Team nach der Verletzung von Ralf Fährmann den nötigen Rückhalt. Er wird auch am Donnerstag in der Europa League gegen AEK Larnaka im Tor stehen. "Wenn er so hält, habe ich eine Veranlassung, was zu ändern?", fragte Stevens.
Nach der Schalker Luxussituation sucht Kollege Holger Stanislawski noch. Er haderte mit den Schwankungen seines Teams. Gutes Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (1:0), schwaches auf Schalke. Fünf Siege, ein Unentschieden, fünf Niederlagen. "Das wird eine lange Videositzung. Die Mannschaft kann sich eineinhalb Stunden ansehen, was sie fabriziert hat", sagte der Coach.
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