Übersetzungsfehler verursachte Falschmeldung: Schalkes Annan – "Söldner" wider Willen
VON JANNIK SORGATZ - zuletzt aktualisiert: 22.02.2011 - 12:25Düsseldorf (RPO). Als der Kaufrausch von Felix Magath Ende Januar seinen Höhepunkt erreichte, gehörte ein junger Mann zu den wenigen Einkäufen, über die der Schalker Anhang nicht die Stirn runzelte: Anthony Annan, 24 Jahre alt und WM-Teilnehmer für Ghana. Doch dann machte einige Tage später die Meldung die Runde, der Afrikaner habe gar nicht zu Schalke wechseln wollen – was so nicht stimmte. Ein Blogger und ein Übersetzer deckten den Fehler nun auf.
Den Stein ins Rollen hatte das Portal "fussballtransfers.com" gebracht, das ein paar Aussagen des Schalker Neuzugangs zitierte, übersetzt aus dem Norwegischen. So sollte Annan einem norwegischen Online-Dienst namens "fotbal" – der Ghanaer kam von Rosenborg Trondheim – gesagt haben: "Ich war schon überrascht, als ich kurz vor Transferschluss ins Flugzeug nach Deutschland gesetzt wurde." Er sei von einem Wechsel zum FC Sevilla ausgegangen.
Während die Medien die Aussagen verbreiteten, wurde Torsten Wieland skeptisch. Der Schalke-Fan aus Duisburg widmet sich auf dem "Königsblog" seinem Lieblingsverein. Den zitierten Online-Dienst "fotbal" fand er nirgends. In einem Fan-Forum war Uwe Englert, Präsident des Fanclubs "Isar-Schalker", bei seiner Suche erfolgreicher. Er fand heraus, dass ein Reporter der Regionalzeitung "Adresseavisen" das Interview mit Annan auf dem Flughafen von Trondheim geführt hatte. Es erschien unter anderem in der "Aftenposten", Norwegens führender Tageszeitung. Englert, der als Übersetzer für skandinavische Sprachen arbeitet, hatte wenig Mühe, die Aussagen Annans korrekt wiederzugeben.
In Wirklichkeit herrschte Freude
Der defensive Mittelfeldspieler hatte sich in Wirklichkeit gefreut, kurz vor dem Ende der Transferperiode noch in Deutschland untergekommen zu sein. In der korrekten Übersetzung des norwegischen Originals sagte der 24-Jährige: "Es war schon schwierig, dass Berater und Leute um mich herum die ganze Zeit immer nur von Sevilla sprachen. Ich rechnete schon gar nicht mehr damit, hier wegzukommen, als Sevilla schließlich nein sagte. Aber ich war dann positiv überrascht, als ich mich kurz vor dem Ende der Transferperiode ins Flugzeug nach Deutschland setzen sollte."
Ohne das Wort "positiv", das "fussballtransfers.com" zunächst ausließ, machte Annans vermeintliche Aussage in der Tat einen enttäuschten Eindruck. Dabei erzählte er obendrein in einem Video, wie sehr ihn sein Debüt im Derby gegen Dortmund beeindruckt habe: "Es ist unglaublich, vor mehr als 80.000 Zuschauern spielen zu dürfen." Übersetzungsprobleme dürfte es an dieser Stelle keine gegeben haben – das Interview wurde auf Englisch geführt.
Raul ist ein "toller Mensch"
Dass der ghanaische Nationalspieler etwas enttäuscht gewesen sei, nicht in der spanischen Liga gegen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi spielen zu können, wurde korrekt übermittelt. Doch gleichzeitig sprach Annan in einem beigefügten Video sichtlich begeistert von seinem neuen Mitspieler Raul, "ein klasse Spieler und ein toller Mensch". Die Bundesliga lobte er für ihr hohes Tempo und ihr hohes Maß an Professionalität. Unterm Strich passte das so gar nicht zum Bild vom vermeintlichen "Fußball-Söldner", der gegen seinen Willen im Ruhrgebiet gelandet war.
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