1. Bundesliga 15/16 Bundesliga
| 16.36 Uhr

Fehlentscheidungen und Respektlosigkeit
Verhältnis zwischen Trainern und Schiris am Tiefpunkt

Schiedsrichter vs. Trainer: Verhältnis am Tiefpunkt
Roger Schmidt und Felix Zwayer werden wohl keine Freunde mehr. FOTO: afp, PST
Der Fall Roger Schmidt hat verdeutlicht, dass das Verhältnis zwischen Trainer und Offiziellen auf der einen sowie den Schiedsrichtern auf der anderen Seite sehr stark belastet ist.

Das Urteil von Karl-Heinz Rummenigge über die Bundesliga-Schiedsrichter war vernichtend. Grundsätzlich habe er "noch nie so eine Quantität an Fehlern" der Unparteiischen erlebt wie in dieser Saison, sagte der Vorstandsvorsitzende von Rekordmeister Bayern München. Peng, das saß!

Die harsche Kritik vom Branchen-Primus an den Leistungen der deutschen Referees ist symptomatisch für das vergiftete Verhältnis der Schiedsrichter-Gilde auf der einen sowie Trainern und Funktionären auf der anderen Seite. Der Eklat um Leverkusens Chefcoach Roger Schmidt, der am Sonntag einen Innenraumverweis durch Schiri Felix Zwayer (Berlin) ignorierte und damit eine Spielunterbrechung provozierte, bedeutete einen einmaligen Vorgang in 53 Jahren Bundesliga-Historie. Dass Rummenigge Verständnis für das Verhalten des Bayer-Trainers aufbrachte, ist da schon fast selbstverständlich.

"Nicht länger akzeptabel"

DFB-Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel hat dagegen der "Tiefpunkt einer leider erheblich negativen Entwicklung erlebt, die mich sehr nachdenklich stimmt". Der einstige Fifa-Referee hat festgestellt, "dass sich das Verhalten gegenüber Schiedsrichtern, Assistenten und Vierten Offiziellen deutlich verändert hat. Es ist respektloser geworden, in einer Art und Weise, die nicht länger akzeptabel ist", betonte er auf dfb.de.

Fandel appelliert an den Profifußball, seiner Vorbildfunktion nachzukommen: "Sonst zerstören wir unsere Fußballkultur." Mit Blick auf den Amateurbereich befürchtet Fandel das Schlimmste. "Die Grenze dessen, was noch als akzeptabel gilt, wird immer mehr verschoben", sagte der Konzertpianist aus Kyllburg: "Das hat unmittelbaren Einfluss auf das Verhalten der Trainer und Spieler auf den Amateurplätzen in Deutschland und damit auf die Arbeit der Schiedsrichter abseits des Profibereichs. Das muss jeder wissen. Wie bisher kann es nicht weitergehen."

Twitter-Reaktionen: "Das Biest in Rudi Völler ist nicht zähmbar"

Fandel sieht die Schiedsrichter als Sündenböcke in der Öffentlichkeit. Zwayer erhielt derweil durch die Bank von seinen Kollegen größtes Lob für die Traute, auch vor einer Spielunterbrechung nicht zurückzuschrecken. "Respekt Felix Zwayer ... unfassbar respektloses Verhalten von Schmidt und Völler ... wo bleibt die Vorbildfunktion?", twitterte beispielsweise Ex-Spitzen-Referee Markus Merk.

"Unsportlichkeit der übelsten Sorte"

"Ich finde es respektlos dem gesamten Fußball gegenüber", hatte Sky-Experte Peter Gagelmann über die Aktion von Schmidt gesagt. Der ehemalige Schweizer Weltklasse-Schiri Urs Meier sprach von einer "Unsportlichkeit der übelsten Sorte".

Rudi Völler: Ausraster und Sprüche

Interessant ist, dass allerdings nicht der Bayer-Übungsleiter Schmidt, sondern Markus Weinzierl (FC Augsburg) laut einer Umfrage der "Bild" unter Schiedsrichtern die größte Nervensäge bei den Bundesliga-Trainern ist. Über Weinzierl sagte ein Bundesliga-Unparteiischer, der namentlich nicht genannt wurde: "Zusammen mit Manager (Stefan, d. Red.) Reuter bearbeitet er uns permanent. Weinzierl macht das viel mit ironischen Bemerkungen, übt unglaublichen Druck aus." Platz zwei im Nervensägen-Ranking geht an Schmidt.

Der 48-Jährige, dem eine Strafe seitens des DFB-Sportgerichts droht, hatte einen Tag nach dem Eklat seinen Fehler eingestanden, bat allerdings auch um Würdigung der Umstände. "Ich werde die Strafe, wenn sie im Maße ist, auch so akzeptieren. Ich habe mich falsch verhalten, das ist mir hundertprozentig klar, aber es gab auch Fehler auf dem Platz, die am Ende entschieden haben, wer drei Punkte kriegt. Deswegen sollte man das aus allen Blickwinkeln beurteilen", hatte Schmidt am Montag bei "Sky Sport News HD" erklärt.

Und was sagt Interims-DFB-Präsident Rainer Koch (57) zu den Vorfällen in der BayArena? "Ich rege an, dass sich die Fußball-Trainer ein Beispiel an Handball, Basketball oder Eishockey nehmen. Dort werden die Entscheidungen der Schiedsrichter grundsätzlich respektiert. Szenen wie in Leverkusen wären da undenkbar", behauptete der Jurist aus Poing in der "Bild".

(areh/sid)
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