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Staatsanwaltschaft stellt "ein Fülle" von Beweismaterial sicher: Schmiergelder: 1860-Präsident verhaftet

zuletzt aktualisiert: 09.03.2004 - 16:44

München (rpo). Offenbar sind beim Bau des neuen Münchner Fußballstadions Schmiergelder geflossen. Am Dienstagmorgen durchsuchten Beamte deshalb die Geschäftsräume der Bundesligavereine TSV 1860 München und FC Bayern. 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser nebst Sohn wurden verhaftet. Der Münchner Oberbürgermeister sprach von einem "schwer zu verkraftenden Vorgang" und verurteilte Wildmoser.

Wegen Korruptionsverdachts im Zusammenhang mit dem Neubau des Münchner Fußballstadions ist der Präsident des TSV 1860 München, Karl-Heinz Wildmoser, festgenommen worden. Nach Durchsuchungen in Vereinsräumen und Privatwohnungen wurde gegen den "Löwen"-Chef und dessen Sohn Haftbefehl erlassen, wie ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) sagte. Es bestehe der Verdacht der Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung.

Der Leiter der Münchner Staatsanwaltschaft, Christian Schmidt-Sommerfeld, bestätigte auf einer Pressekonferenz, dass ein Betrag von insgesamt 2,8 Millionen Euro unter anderem an den Präsidenten des TSV 1860 München, Karl-Heinz Wildmoser, und an dessen Sohn geflossen ist. Das Geld stamme von der Baufirma Alpine. Schmidt-Sommerfeld betonte, es sei eine Fülle an Beweismaterial sichergestellt worden. Ob Wildmoser auf Kaution frei gelassen werde, hänge davon ab, ob die Haftgründe Verdunkelungs- und Fluchtgefahr ausgeräumt werden können.

Wildmosers Sohn ist Geschäftsführer der Allianz Arena München Stadion GmbH, die Vertragspartnerin von Alpine ist. Aber auch Wildmoser selbst war den Ermittlungen zufolge an der Auftragsvergabe an die Firma beteiligt. Schmidt-Sommerfeld betonte, der Präsident des TSV 1860 München komme deshalb als Mittäter insbesondere für den Tatbestand der Bestechlichkeit in Betracht. Gegen den Sohn wird auch wegen Untreue ermittelt. Grund ist die vermutete Erhöhung des Baupreises infolge der Geldzahlungen. Schmidt-Sommerfeld verwies darauf, dass hierfür ein Strafmaß von bis zu fünf Jahren möglich sei. Bei Wildmoser gehe es neben möglicher Bestechlichkeit auch um den Vorwurf der Beihilfe zur Untreue. Hierfür sei ein Strafmaß von bis zu drei Jahren und acht Monaten möglich. Ferner wird wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt.

Insgesamt vier Festnahmen

Insgesamt habe es vier Festnahmen gegeben, sagte der LKA-Sprecher weiter, ohne sich näher über die beiden anderen Personen zu äußern. Insgesamt seien 24 Objekte in München, Österreich und der Schweiz durchsucht worden. Am Vormittag liefen noch Durchsuchungen in den Geschäftsräumen der Baufirma Alpine, die Hauptauftragnehmerin der neuen Münchner "Allianz Arena" ist. Auch beim FC Bayern, der als Geschädigter gilt, suchten die Ermittler nach Beweismaterial. Das Landeskriminalamt (LKA) betonte allerdings, die Verantwortlichen beim FC Bayern seien lediglich als Zeugen involviert.

Wildmoser und sein Sohn sollen der Baufirma die geheime Information aus dem Ausschreibungsverfahren gegeben haben, dass die Auftraggeber eine Maximalsumme von 280 Millionen Euro akzeptieren würden. Alpine habe ein entsprechendes Angebot eingereicht und den Zuschlag erhalten. Ein Prozent der Auftragssumme seien in der Folge an Wildmoser und dessen Sohn geflossen.

1860 München sieht sich von dem Bestechungsskandal um das neue Stadion nicht betroffen. Der Bundesligist betonte, die Ermittlungen gegen Wildmoser und seinen Sohn richteten sich weder gegen den Verein noch gegen die GmbH. Sportdirektor Dirk Dufner sagte, er gehe davon aus, dass sich die Vorwürfe gegen Wildmoser als unwahr erweisen werden. Er fügte hinzu: "Die Ära Wildmoser ist nicht zu Ende." Die Handlungsfähigkeit des Vereins sei durch die Vizepräsidenten weiter gewährleistet.

Münchens Oberbürgermeister Ude zu den Ermittlungen

Nach Ansicht von Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sind die Geldflüsse nicht anders zu erklären, als dass im Ausschreibungsverfahren interne Informationen an das Unternehmen weitergegeben wurden.

Aus den Ermittlungen gehe hervor, dass Alpine im Ausschreibungsverfahren genau gewusst habe, "wie teuer es sein darf und wie billig es sein muss, um den Zuschlag zu erhalten". Der Oberbürgermeister nannte es einen "schwer zu verkraftenden Vorgang", wie Wildmoser aus finanziellen Interessen heraus das Ansehen des Fußballs, des Stadionprojekts und auch Münchens selbst "derartig schädigt".

Bayerns Sportministerin und TSV-Aufsichtsratsmitglied Monika Hohlmeier (CSU) betonte, die Nachricht von dem Skandal habe sie "sehr überrascht" und mache sie "sehr betroffen". Sie gehe davon aus, dass der Aufsichtsrat einberufen werde, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.

Pflege der bestehenden sowie zukünftigen Beziehungen

Die "Allianz Arena", in der 2006 die Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet werden soll, wird von den beiden Münchner Bundesligavereinen TSV 1860 und FC Bayern gebaut. Hauptsponsor ist der Versicherungsriese Allianz, der sich angeblich für einen dreistelligen Millionenbetrag die Namensrechte für 15 Jahre gesichert hat. Stadt, Land und Bund sorgen gemeinsam für den Ausbau der Verkehrsanbindung.

Die Baufirma Alpine gilt als eines der größten Bauunternehmen Europas. Das ursprünglich aus Österreich stammende Unternehmen war in den neunziger Jahren an zahlreichen Prestigeprojekte beteiligt, etwa am Bau des Potsdamer Platzes in Berlin. 2002 erhielt die Firma den Zuschlag, die Allianz Arena in München als Generalunternehmer zu bauen.

Auf ihrer deutschen Internet-Seite unterstreicht Alpine ihr "Verantwortungsbewusstsein und die Wertevorstellungen der Geschäftsführung" sowie ihr "Ethikmanagement". Zu den Grundsätzen zählten insbesondere die Pflege der bestehenden sowie zukünftigen Beziehungen im geschäftlichen und persönlichen Umfeld.


 
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