1. Bundesliga 16/17
| 19.18 Uhr

Auf- und Absteiger im Olympia-Kader
Die Finalisten von Rio im Realitätscheck

Das Arbeitsprotokoll der Olympia-Kicker
Das Arbeitsprotokoll der Olympia-Kicker FOTO: dpa, kno
Düsseldorf. Vor Olympia wurde in der Bundesliga viel über die Abstellung von Spielern diskutiert. Die Klubs  befürchteten Nachteile für den Saisonauftakt. Nach dem Saisonstart lässt sich konstatieren, dass sich der Ausflug nach Rio nicht für alle Spieler gelohnt hat. Von Moritz Thienen

Die Erst- und Zweitligisten machten sich Sorgen um die Leistungsfähigkeit ihrer Spieler aufgrund der unterbrochenen Sommervorbereitung im Verein. Letztlich einigten sich Klubs und DFB darauf, dass von jedem Verein maximal zwei Spieler abgestellt wurden. Ebenfalls klar war, dass keine Spieler aus dem EM-Kader für Olympia nominiert werden sollten.

Die deutsche Mannschaft gewann so auch ohne einige spielberechtigte Top-Talente am Zuckerhut die Silbermedaille. Zahlreiche Akteure, vor dem Turnier in Brasilien der Öffentlichkeit nahezu gänzlich unbekannt, nutzten die Bühne und spielten sich ins Rampenlicht. Nicht nur bereits bekannte Profis wie Julian Brandt und Max Meyer betrieben erfolgreich Eigenwerbung. Auch Spieler wie Serge Gnabry, Lukas Klostermann und Jeremy Toljan empfahlen sich durch gute Leistungen für noch höhere Aufgaben. 

Die Saison ist noch jung, aber nach sechs Erstliga- und acht Zweitligaspielen zeichnen sich doch schon klare Entwicklungen bei den ehemaligen Schützlingen von Horst Hrubesch in der Heimat ab.

Große Hoffnungen ruhten vor dem Turnier naturgemäß auf den gestandenen Bundesligaspielern Timo Horn (1. FC Köln), Lars und Sven Bender (Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund) sowie Matthias Ginter (Borussia Dortmund), der sich seit dem Sommer 2014 Weltmeister nennen darf, obwohl er beim WM-Turnier lediglich die Rolle des Zuschauers einnahm. Die Routiniers unter den Talenten enttäuschten ihren Trainer Horst Hrubesch nicht und führten das Team ins Finale.

Ebenfalls im Blickfeld standen drei besonders talentierte Spieler des Kaders, die sich ebenfalls schon vor Olympia auf höchstem Niveau bewährt hatten: Brandt, Meyer und Davie Selke. Alle drei Spieler galten vor dem Turnier als Leistungsträger und bestätigten diesen Eindruck auch in Brasilien. Nach dem Turnier haben aber alle drei eins gemeinsam – sie suchen noch nach ihrer Top-Form.

Brandt spielt fast immer – Selke häufig nur Ersatz

Brandt bekommt bei Bayer Leverkusen das volle Vertrauen von Trainer Roger Schmidt geschenkt und absolvierte bisher acht von neuen Pflichtspielen, verpasste lediglich das DFB-Pokalspiel in Hauenstein. An die teils überragenden Leistungen in der Rückrunde knüpfte er bislang noch nicht vollständig an. Auch Meyer durfte für Schalke 04 immerhin schon acht Mal ran, allerdings meist nur als Joker. Viel schlechter läuft es dagegen für Selke, der es für den starken Aufsteiger RB Leipzig erst auf drei Einsätze, davon nur einen von Beginn an, bringt. Sein Problem: Die interne Konkurrenz bei den Sachsen ist groß. Auffällig ist auch, dass Selke bisher nur in Auswärtsspielen zu Teileinsätzen unter dem neuen Trainer Ralph Hasenhüttl kam.

Ein echter Aufsteiger der noch jungen Spielzeit ist dagegen der Neu-Bremer Serge Gnabry. Der beim FC Arsenal ausgemusterte Offensivspieler, der bereits zwei Tore und eine Torvorlage beigesteuert hat, macht häufig den Unterschied im sonst eher mauen Angriffsspiel von Werder Bremen.

Jeremy Toljan, in der vergangen Saison unter Julian Nagelsmann bereits einer der Shooting-Stars bei 1899 Hoffenheim, agiert im Verein mittlerweile auf der Position im rechten Mittelfeld, wo er sich noch eingewöhnen muss. Dass er aber spielt, zeigt seine Wertschätzung im Klub. Sein Hoffenheimer Mannschaftskollege Niklas Süle ist in Hoffenheim in der Innenverteidigung unumstrittener Stammspieler und bestätigt sein tolles Olympia-Turnier mit guten Leistungen in der Bundesliga und ist damit ebenso einer der Gewinner des Kaders von Rio in der Heimat.

Ganz anders verläuft die Entwicklung natürlich bei den verletzten Spieler. Zu dieser Kategorie gehören Sven Bender und Lukas Klostermann (RB Leipzig), der bei den Olympischen Spielen durchstartete und auch zu Beginn der Bundesliga-Saison voll überzeugte.

Den Super-GAU erlebten Bender und sein Verein Borussia Dortmund. Der Defensiv-Allrounder verletzte sich im Olympia-Finale am Knöchel und verpasste bis jetzt alle Pflichtspiele der Schwarz-Gelben. Auch Benders Zwillingsbruder Lars hat bei Bayer Leverkusen in der Anfangsphase der Saison immer wieder mit physischen Problemen zu kämpfen, kommt aber reglmäßig zum Einsatz. Leipzigs Klostermann, dem als rechter Außenverteidiger in dieser Saison durchaus der Durchbruch zum A-Nationalspieler zugetraut wurde, riss sich das Kreuzband und fällt nun ein halbes Jahr aus. Sehen Sie in unserer Bilderstrecke, welche Spieler nach den Olympischen Spielen in der Heimat Fuß fassen konnte und für wen der Brasilien-Trip eher ein Rückschritt war.

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