Für Fach ist noch nicht Weihnachten: Seuchenjahr: Sammer kritisiert Rosicky und Kehl
zuletzt aktualisiert: 15.12.2003 - 11:33Mönchengladbach (rpo). Bislang hat BVB-Trainer Matthias Sammer seine Spieler in Schutz genommen. Damit ist es jetzt vorbei. Nach der Niederlage gegen Gladbach übte der Coach scharfe Kritik an den Leitwölfen Rosicky, Kehl und Koller. Für die "Fohlen" geht es dagegen bergauf. Holger Fach reicht das allerdings nicht.
Angesichts der schlechtesten Auswärtsbilanz seit 20 Jahren ist für die Stars von Borussia Dortmund die Schonzeit zu Ende. Nachdem BVB-Trainer Matthias Sammer wochenlang nach jedem Rückschlag seine Mannschaft in Schutz genommen hatte, übte er nach der 1:2 (1:1)-Niederlage im Borussen-Duell auf dem Mönchengladbacher Bökelberg offen Kritik an den Leitwölfen in seinem seit fünf Punktspielen sieglosen Team. "Wer soll es denn machen, wenn nicht die Erfahrenen?", fragte Sammer und forderte von seinen verbliebenen Führungsspielern auch mal "einen I-Punkt".
Mangelhaftes Abwehrverhalten von Kehl und Koller
Jan Koller und Sebastian Kehl bekamen für mangelhaftes Abwehrverhalten bei den Gegentoren ihr Fett weg, und Spielmacher Tomas Rosicky geriet wegen fehlender Vollstrecker-Qualitäten in Sammers Visier. Koller, der seinen Job mit dem achten Saisontor zum zwischenzeitlichen 1:1 (12.) erfüllte, hätte sich bei Gladbachs Siegtreffer durch Sladan Asanin (83.) an die Zuordnung halten sollen. Kehl kassierte einen Rüffel für seine zaghafte Abwehrarbeit gegen den überragenden Gladbacher Bernd Korzynietz vor dem 1:0 (11. ). "So etwas sollte in der Bundesliga nicht passieren", maulte Sammer und vermutete, dass Kehl nach bereits zwei Platzverweisen in der laufenden Saison "etwas gehemmt" und mit einer Blockade in den Zweikampf gegangen war.
Rosicky schließlich ärgerte seinen Chef, weil er wie schon bei der Niederlage bei Hansa Rostock (1:2) beim Stand von 1:1 eine Riesenchance zur Führung vergab. "Ein Spieler mit seinen Fähigkeiten darf so einen Ball auch mal reinmachen. Und wenn er mit der Kritik nicht umgehen kann, dann haben wir ein Problem", sagte Sammer, nahm den Tschechen aber auch gleich wieder ein wenig in Schutz: "Er ist ja auch noch jung."
Einer der Alten sprach nach der insgesamt sechsten Auswärtspleite hintereinander Klartext. "Den Kontakt zur Spitze haben wir schon lange verloren. Wir stehen enorm unter Druck und mit dem Rücken zur Wand. Wir müssen jetzt am Mittwoch zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern richtig Gas geben, um das Jahr noch mit einem Erfolgserlebnis abzuschließen", sagte der 37-jährige Stefan Reuter.
2003 nur einen Auswärtssieg
Der BVB steht nach 16 Spielen noch hinter dem "kleinen" Revier-Nachbarn VfL Bochum auf Rang sechs - und damit nicht auf einem Uefa-Cup-Platz. Dazu sind die Schwarz-Gelben in der Champions-League-Qualifikation (gegen Brügge), im Uefa-Cup (gegen Sochaux) und im DFB-Pokal (gegen Gladbach) schon gescheitert. Im Kalenderjahr 2003 gab es auswärts nur einen Sieg - wie zuvor nur 1968 und 1983.
Dagegen sind die "Fohlen" nach dem vierten Sieg in den letzten fünf Pflichtspielen weiter im Aufwind. Drei Punkte beträgt der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, dazu steht die Borussia im DFB-Pokal im Viertelfinale gegen den MSV Duisburg - und Trainer Holger Fach unmittelbar vor einer vorzeitigen Vertragsverlängerung. An den Weihnachtsurlaub wollte der Ex-Profi aber noch keinen Gedanken verschwenden. "Haben wir schon etwas erreicht?", fragte er nach dem Spiel in die Journalistenrunde. "Nur eine gute Ausgangsposition für das Spiel am Mittwoch bei 1860 München."
Auf jeden Fall stimmt das Selbstvertrauen wieder. "Wie wir in den letzten Wochen aufgetreten sind, brauchen wir vor keiner Mannschaft Angst zu haben", sagte Korzynietz.
Meier: Klose wird erstmal nicht verpflichtet
Dortmunds Manager Michael Meier hat unterdessen mitgeteilt, dass Nationalstürmer Miroslav Klose vom abstiegsbedrohten Ligakonkurrenten 1. FC Kaiserslautern in der Winterpause nicht verpflichtet wird.
"Vorne brauchen wir nichts", erklärte Meier und reagierte damit auf Signale aus Kaiserslautern, wonach der vom BVB umworbene Torjäger schon im Januar zur Borussia wechseln könne. Dann aber für deutlich mehr als die vertraglich festgeschriebenen fünf Millionen Euro, die Klose nach Saisonende kosten wird.
Kloses Vertrag bei den Pfälzern läuft erst am 30. Juni 2005 aus. Die Transferrechte liegen bei der Lottogesellschaft Rheinland-Pfalz. In den vergangenen Wochen hatten unter anderem Dortmund, Werder Bremen und der VfB Stuttgart Interesse an dem Angreifer bekundet.
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