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Fans auf den Barrikaden: Sicherheitsdebatte: Ein Euro für Ordner?

zuletzt aktualisiert: 18.03.2010 - 09:58

Frankfurt/Main (RPO). Stehplatzverbot, Ausschluss der Gäste-Anhänger und Sicherheits-Euro: Mit drastischen Maßnahmen wollen der Deutsche Fußball-Bund (DFB), Politik und Polizei die Krawalle in der Bundesliga in den Griff bekommen - die Fans fühlen sich in Sippenhaft genommen und gehen auf die Barrikaden.

"In der Kindererziehung bestraft man auch nicht mehr die ganze Klasse, wenn ein Schüler sich falsch verhalten hat. Die Forderungen der Polizeigewerkschaft um Herrn Wendt nach einem Verbot der Stehplätze sind totaler Humbug", sagte Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), die 44 Fanprojekte in Deutschland betreut. "Das erinnert an ratlose Pädagogik - frei nach dem Motto: Ihr wart böse, dann nehme ich euch euer Lieblingsspielzeug weg."

Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) fordert einen Sicherheits-Euro, die Polizei erwägt ein Stehplatz-Verbot. Vorwürfe vonseiten der Anhänger musste sich am Mittwoch auch der DFB gefallen lassen. Denn der Verband will nach italienischem Vorbild bei brisanten Partien wie am Freitag zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach in Zukunft die Gäste-Fans aussperren. DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn erklärte, dass dies derzeit in Absprache mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) ebenso wie eine Reduzierung des Ticketkontigents für Auswärts-Mannschaften geprüft werde.

"Im Grunde drückt sich dadurch nur Ratlosigkeit aus. Für den ganzen Fußball wäre das ein Rieseneinschnitt. Wenn es grundsätzlich ein Verbot für Gästefans gebe, dann würde der Fußball um etwas beraubt", sagte Goll, der auch die Forderung nach personalisierten Eintrittskarten für reinen Populismus hält.

"Diese personifizierten Tickets werden von den Fans als reine Schikane gesehen. Denn sie haben einfach keinen Nutzwert. Die gewaltbereiten Fans sind ohnehin bekannt, und die Täter wie in Berlin oder Nürnberg wurden auch schnell überführt. Wozu also personalisierte Tickets?"

Sowohl die Forderungen nach einem Stehplatzverbot als auch die Planspiele um die personalisierten Tickets kamen wieder einmal von Rainer Wendt, dem Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Dass Stehplätze abgeschafft werden sollen, ist insbesondere auch Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ein Dorn im Auge. Denn beim BVB verhalten sich 24.000 Stehplatz-Besucher bei den Heimspielen vorbildlich.

"Das ist Unfug und populistisch", sagte Watzke und kritisierte Wendt direkt: "Wenn ich sehe, dass er sich wie ein Innenminister aufspielt und zu allem seinen Senf dazu gibt, platzt mir der Kragen. "

Die DFL wehrt sich nach den Ausschreitungen in Berlin am vergangenen Samstag unterdessen gegen die Einführung eines von der Politik geforderten Sicherheits-Euros. "Die ständige Überprüfung und Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen sind ein Teil unseres Tagesgeschäfts. Dafür ist eine zusätzliche Geld-Diskussion nicht hilfreich. Das Thema Gewalt ist sehr komplex und vor allem auch ein gesellschaftliches Problem. Der Fußball wird mit konkreten Vorschlägen auf die Politik zugehen", sagte DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus.

Der Ligavorstand wird sich nach Angaben von Hieronymus auf der nächsten Sitzung intensiv mit dem Thema Sicherheit befassen. Zuvor hatte der baden-württembergische Innenminister Rech gefordert, dass die Fans beim Kauf der Eintrittskarten einen zusätzlichen Euro bezahlen sollten, um die Ordnungsdienste finanziell besser ausstatten zu können. "Ich bin überzeugt, dass die Fans, die ein friedliches Spiel erleben wollen, bereit sind, diesen Euro zu zahlen", sagte Rech.

Quelle: SID/chk

 
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