Top-Spion des DFB: Siegenthaler wird neuer HSV-Sportchef
zuletzt aktualisiert: 16.02.2010 - 20:20Hamburg (RPO). "Top-Spion" Urs Siegenthaler wird neuer Sportchef beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV. Am Dienstagabend stimmte der Aufsichtsrat des Vereins der Berufung des 62 Jahre alten Schweizers zu. Siegenthaler wird sein Amt bei den Hanseaten am 1. August 2010 antreten. Er erhält einen Drei-Jahres-Vertrag bis 30. Juni 2013.
"Die Perspektive, meine Vorstellungen und Erfahrungen einmal bei einem Bundesligaverein - noch dazu bei einem so traditionsreichen wie dem HSV - einbringen zu dürfen, hat mich sofort fasziniert", sagte Siegenthaler und Aufsichtsrats-Chef Horst Becker war voll des Lobes: "Wir haben in Urs Siegenthaler den idealen Sportlichen Leiter für den HSV gefunden. Er ist als Spielanalytiker hoch geachtet, verfügt nach seiner langjährigen Karriere als Profi, Trainer und Unternehmer über enorme Erfahrung auf unterschiedlichen Ebenen sowie über internationale Kontakte und hat seine Teamfähigkeit beim DFB unter Beweis gestellt."
Damit ist die schier endlose Suche nach einem Nachfolger für Dietmar Beiersdorfer beendet, dessen Vertrag nach Differenzen mit Klubboss Bernd Hoffmann am 23. Juni 2009 aufgelöst worden war.
Siegenthaler wird allerdings nicht als dem Trainer vorgesetzter "Manager" beim HSV arbeiten. Mit der Verpflichtung des 62-Jährigen ändert der Klub gleichzeitig seine sportliche Führungsstruktur. Trainer Bruno Labbadia, der bereits seit seiner Verpflichtung im Sommer praktisch auch als Sportchef arbeitete, behält seine Machtfülle. Den satzungsgemäß für die sportliche Leitung vorgesehenen Vorstands-Posten soll Marketing-Frau Katja Kraus mitübernehmen.
Siegenthaler soll die Neuorganisation des Nachwuchsbereiches in die Hand nehmen, eine Spiel-Philosophie mitentwickeln und durch seine glänzende Vernetzung im internationalen Fußball auch Stars und Talente entdecken und zum HSV lotsen.
"Urs Siegenthaler besitzt erstklassige Kenntnisse über den internationalen Spielermarkt. Für eine Sportchef-Rolle ist genau diese Vernetzung sehr wichtig. Er wäre bestimmt eine gute Wahl für den HSV", hatte der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld, der einst mit Siegenthaler in Basel zusammenspielte, zuvor erklärt. Nationalspieler Marcell Jansen kennt Siegenthalers Arbeitsweise aus eigener Erfahrung: "Seine Analysen sind super, Urs ist ein sehr positiver Mensch, der seine Arbeit extrem genau und gut macht".
Seit Wochen hatte der HSV hinter den Kulissen seinen "Transfercoup" in der Führungsebene vorbereitet. "Siegenthaler hat mich schon vor längerer Zeit angesprochen", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, "wir freuen uns, wenn Kräfte, die wir in der Nationalmannschaft installiert haben, bei Bundesligisten auf Interesse stoßen. Wir haben Siegenthaler die freie Wahl der Entscheidung gelassen - unter der Voraussetzung, dass er bis nach der WM zur Verfügung steht."
Jetzt sucht er eine neue Herausforderung. Gleichzeitig verlässt damit das erste prominente Mitglied aus dem Funktionsteam um Bundestrainer Joachim Löw und Bierhoff den DFB. Dabei hatte Löw im Streit um seine Vertragsverlängerung noch am 8. Februar erklärt: "Wir haben gesagt, dass wir nur alle gemeinsam verlängern - das gilt auch für Hansi Flick, Andi Köpke und Urs Siegenthaler."
Seit dem 13. Mai 2005 ist Siegenthaler für den DFB in der ganzen Welt unterwegs. Er beobachtet die Mannschaften, auf die Deutschland trifft. Der ehemalige Profi des FC Basel und der Young Boys Bern gilt als einer der besten Analytiker überhaupt. 1978 erwarb Siegenthaler sein Trainer-Diplom an der Sporthochschule in Köln, der frühere Abwehrspieler war auch schon Co-Trainer der Nationalmannschaft der Schweiz.
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