Köln hofft auf Comeback: So kann Podolski es packen
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 17.01.2012 - 07:18Köln (RP). Der Nationalspieler hat seine Verletzung offenbar überwunden. Er absolvierte schon zwei Trainingseinheiten mit der Mannschaft des 1. FC Köln. Heute soll ein ernster Test folgen – und am Samstag ein Einsatz in Wolfsburg.
Er war der prominenteste Patient der Fußball-Bundesliga zu Beginn des neuen Jahres. Aber rechtzeitig zum Auftakt der Rückrunde am Samstag in Wolfsburg scheint Lukas Podolski die Folgen seiner Knöchelverletzung, die er beim Hallenkick mit Freunden erlitten hatte, überwunden zu haben. Heute will Kölns Trainer Stale Solbakken insbesondere für Podolski den Ernstfall proben. Ein Spiel der ersten Mannschaft gegen die Reserve über zweimal 30 Minuten soll den Charakter eines echten Tests haben. Deshalb sollen beide Teams wie in einem Wettkampfspiel Trikots tragen und nicht nur Trainingskleidung.
Schon zweimal hat Podolski, mit 14 Treffern und fünf Torvorlagen bester Akteur des FC in dieser Saison, wieder am normalen Training der Mannschaft teilgenommen. Gestern ging der 26-Jährige bereits wieder in die Zweikämpfe, als wäre nie etwas gewesen mit dem linken Fuß – jenem Körperteil, mit dem er, wie er selbst sagt, alles auf dem Spielfeld macht. In der Rückrunde hofft der Kölner Publikumsliebling mit dem FC jene Punkte wettzumachen, die das Team vor der Winterpause "liegengelassen" habe. Dabei sollen Podolski und Milivoje Novakovic wieder ein Stürmerduo alter Klasse sein. Poldi und Nova als Garanten für den Klassenerhalt – vielleicht sogar für eine Verbesserung auf Rang sieben, der in Reichweite ist? Nach viermonatiger Verletzungspause konnte der Slowene während des Trainingsaufenthalts in Portugal das komplette Arbeitspensum absolvieren.
Nach der bisher besten Halbserie seiner Laufbahn kann 2012 für Podolski das wichtigste Jahr seiner Karriere werden. Bei der EM in Polen und der Ukraine will er mit der Auswahl des DFB den Titel gewinnen – und damit Mitglied einer Nationalmannschaft sein, die mit diesem Triumph als eine neue goldene Generation in die deutsche Fußballgeschichte eingehen könnte. Zudem muss Podolski die Weichen für seine Zukunft stellen und sich entscheiden, ob er über 2013 hinaus beim 1. FC Köln bleibt oder doch noch einmal den Schritt zu einem Großklub und womöglich ins Ausland wagt.
Für Günter Netzer, Meisterspieler der goldenen Mönchengladbacher Ära in den 70er-Jahren, ist Podolski kein Spieler für einen großen europäischen Verein. "Schon bei seinem Engagement beim FC Bayern München hat er Durchschlagskraft und Behauptungswillen vermissen lassen", sagte Netzer der "Bild am Sonntag". Der 67-Jährige dürfte mit der Einschätzung exakt richtig liegen. Podolski, so scheint es, benötigt das vertraute Umfeld, um sich wohlzufühlen und Klasseleistungen abrufen zu können. Allenfalls ein Engagement in nicht allzu weiter Entfernung von Köln wäre für ihn attraktiv. Ende vergangenen Jahres war der Torjäger vorübergehend mit Schalke 04 in Verbindung gebracht worden.
Zu Hause fühlt sich Podolski auch in der Nationalmannschaft. Joachim Löw hat für ein entsprechend familiäres Klima vor allem in Phasen gesorgt, als der Offensivmann bei seinem Klub im Formtief steckte. Bei bisher allen Turnieren (WM 2006 und 2010, EM 2008) zahlte dieser mit guten bis starken Leistungen für das Vertrauen des Bundestrainers zurück. Auch deshalb hat er von allen Spielern der aktuellen Nationalmannschaft nach Miroslav Klose (113 Einsätze) die meisten Länderspiele bestritten (95).
Dazu passt gut das Urteil eines anderen großen deutschen Fußballers. Podolski käme eine Führungsrolle im DFB-Team zu, sagt Bayerns langjähriger Nationaltorwart Oliver Kahn. Der Kölner Angreifer macht keinen Hehl daraus, dass ihn diese Wertschätzung ein wenig stolz macht. Netzers Worte nimmt er da vielleicht nicht ganz so schwer.
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