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WDR-Sportchef Steffen Simon: Sportschau: "Die Leute wollen Fußball sehen"

zuletzt aktualisiert: 25.05.2011 - 16:42

Köln (RPO).Über die Ruder-WM im Sommer in Slowenien redet Steffen Simon gerne. Meistens kopfschüttelnd. Denn sie ist momentan sein Lieblingsbeispiel, um zu erklären, dass die Sportverbände schuld sind an sinkenden TV-Quoten in den olympischen Sportarten und der Fußball-Monokultur.

WDR-Sportchef Steffen Simon.  Foto: ddp, ddp
WDR-Sportchef Steffen Simon. Foto: ddp, ddp

"Die populärste Entscheidung bei der WM ist der Männer-Achter. Und wann findet das Finale statt? Am Donnerstag um 13.09 Uhr. Und am Sonntag? Da rudern die leichten Zweier. Da kann ich nur zum perfekten Timing gratulieren", sagt der WDR-Sportchef mit bitterer Ironie.

Für den TV-Moderator ist die Logik gegen schlechte TV-Quoten ganz simpel. "Wenn die Verbände es schaffen, dass ihre eigenen Mitglieder ihre Sportart gucken, dann wird auch mehr übertragen", sagte Simon im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Wenn aber keiner guckt, dürfen sich die Verbände nicht wundern, wenn Sendezeiten verloren gehen."

"In der Sportschau muss wieder drin sein, was draufsteht" hatte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), gefordert und damit die Diskussion um die sportliche Vielfalt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen pünktlich zum 50. Geburtstag der Sportschau angeheizt.

"Thomas Bach weiß, dass der Anteil des Fußballs im Ersten in den letzten Jahren nie mehr als 22 Prozent betragen hat", kontert Steffen Simon, als WDR-Sportchef für die Sportschau verantwortlich: "Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir nur Fußball zeigen, weil es schlicht nicht wahr ist. Diese Vorwürfe sind haltlos."

Recht haben beide. Bach und Simon. Der TV-Mann, weil jede Sportsendung in der ARD eine Sportschau ist und die stundenlangen Wintersport-Übertragungen die Statistik dominieren. IOC-Vizepräsident Bach, weil er und die Zuschauer mit "Sportschau" den Sendeplatz meinen. Samstag 18 Uhr. "Das ist der am meisten gelernte Sport-Sendeplatz im deutschen Fernsehen", sagt Steffen Simon entsprechend stolz. Fügt aber auch hinzu: "Da wollen die Leute Fußball sehen."

Die Gefahr durch eine Internet-Variante der Sportschau schätzt Simon deswegen eher gering ein: "Die User haben gelernt, im Internet kleine Video-Schnipsel zu gucken, wann immer sie wollen. Bislang ist es aber nicht gelernt, sich zu einer bestimmten Zeit für einen Live-Stream vor den Rechner zu setzen."

Die Zukunft der Sportschau am Samstag entscheidet sich im nächsten Jahr, wenn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Bundesliga-Rechte ab 2013 vergibt. Simon: "Wir werden alles für die Verlängerung der Rechte tun, die Bundesliga hat oberste Priorität. Die einzige Option ist dabei die Sportschau vor 20 Uhr, und das weiß die DFL auch."

Als die Sportschau Premiere feierte, war Thomas Bach übrigens sieben Jahre alt. Die Sendung dürfte dem heutigen DOSB-Präsidenten gefallen haben. Fußball fand nicht statt. Es war Sommerpause am 4. Juni 1961.

Quelle: SID/sgo

 
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