Neue Wettskandal-Enthüllung: St. Pauli bleibt gelassen
zuletzt aktualisiert: 23.01.2011 - 18:51Köln/Hamburg (RPO). Der FC St. Pauli gerät im Fußball-Wettskandal in Erklärungsnot, verfolgt die neue Enthüllung um seine mögliche Verwicklung jedoch weiter gelassen.
"Wir sind da unaufgeregt. Wir stehen mit der DFL und der Staatsanwaltschaft in Kontakt. Ansonsten werden wir das Thema weder kommentieren noch bewerten", sagte Teammanager Christian Bönig dem SID. Auch Sportchef Helmut Schulte betonte bei Sky: "Wir können nicht jede neue Veröffentlichung kommentieren. Wir wissen, dass sich der Kontrollausschuss des DFB und die Staatanwaltschaft Bochum mit diesem Thema beschäftigen."
Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet, laut Aussage des Wettpaten Marijo C. seien drei Zweitliga-Partien der Hamburger von Spielern manipuliert gewesen. Seit den Enthüllungen des ehemaligen St.-Pauli-Profis Rene Schnitzler bestanden bereits Verdachtsmomente bei fünf Begegnungen der Hanseaten aus dem Jahr 2008. Marijo C. nannte eine bisher noch nicht in den Fokus gerückte Partie: St. Paulis Heimspiel am 11. Mai 2008 gegen Alemannia Aachen (0:2). Damit erhöht sich die Gesamtzahl der umstrittenen Spiele der Hamburger auf sechs.
Marijo C. nannte zudem die Auswärtspartien beim FSV Mainz 05 am 18. Mai (1:5) und am 23. November 2008 (2:2). Das geht nach Spiegel-Informationen aus dem Protokoll eines Verhörs vom 2. Dezember 2010 hervor, bei dem Marijo C. im Bochumer Polizeipräsidium sechseinhalb Stunden lang über seine kriminellen Machenschaften bei Fußballwetten redete.
Den Stein ins Rollen gebracht hatte der frühere Zweitliga-Profi Schnitzler, der Anfang November 2010 in einem Gespräch mit dem Magazin Stern zugab, von einem Wettpaten insgesamt mehr als 100.000 Euro Bestechungsgeld angenommen zu haben. Dafür habe er 2008 fünf Spiele seines damaligen Vereins St. Pauli manipulieren sollen.
Es handelt sich neben den Auswärtsspielen beim FSV Mainz 05 um Zweitliga-Duelle mit Hansa Rostock, dem FC Augsburg und dem MSV Duisburg. Schnitzler bestreitet, die Spiele manipuliert zu haben. Er habe das Geld im Kasino verspielt.
Fünf Spieler sollen involviert sein
Marijo C. behauptet, fünf Spieler des FC St. Pauli seien in die Schiebungen involviert gewesen. Er selbst habe sich an zwei der drei vermeintlich manipulierten Begegnungen beteiligt - in zwei Fällen mit Wetteinsätzen, in einem Fall mit Bestechungsgeld in Höhe von 50.000 Euro.
Am 24. Februar soll vor dem Landgericht Bochum der Prozess gegen Marijo C. und weitere fünf Mitglieder einer Bande mutmaßlicher Fußball-Wettbetrüger beginnen. Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bochum, die am 29. Dezember fertiggestellt wurde und insgesamt 287 Seiten umfasst, soll Marijo C. von Juni 2008 bis zu seiner Verhaftung im November 2009 europaweit 46 Fußballspiele verschoben haben und sein Insiderwissen über die gekauften Begegnungen beim Wetten genutzt haben.
Allein auf einem Wettkonto in London, das die Fahnder entdeckten, sollen drei der Beschuldigten in knapp einem Jahr 32 Millionen Euro umgesetzt haben. Mutmaßlicher Gewinn laut der Anklageschrift: 3,5 Millionen Euro.
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