St. Paulis Trainer im Interview: Stanislawski: "Die Spieler duzen mich"
VON GIANNI COSTA FÜHRTE DAS GESPRÄCH - zuletzt aktualisiert: 08.09.2010 - 19:08Hamburg (RP). Holger Stanislawski beschreibt sich als "liebenswerten Diktator". Der Trainer des FC St. Pauli macht jeden Spaß mit, kann aber auch laut und deutlich werden. Im Gespräch mit unserer Redaktion zeigt der Neuling unter den Bundesliga-Trainern seine zahlreichen Facetten.
Herr Stanislawski, Sie haben vor vier Jahren als Interimstrainer von St. Pauli in der Regionalliga begonnen und spielen jetzt mit dem Klub in der Bundesliga. Haben Sie die rasante Entwicklung schon realisiert?
Stanislawski Mal so, mal so. Wir sind in den letzten Jahren mit Siebenmeilen-Stiefeln die Ligen hoch gerast. Manchmal muss ich mich noch selbst kneifen, aber überwiegend habe ich es realisiert.
Was ist das Besondere an St. Pauli?
Stanislawski Diese Frage kann man nicht beantworten. Das Besondere an St. Pauli muss man spüren und aufsaugen. Wer einmal im Stadion war und den Stadtteil erlebt hat, ist wie von einem Virus befallen.
Was ist ihr Lieblingsort in Hamburg?
Stanislawski Hagenbecks Tierpark. Ich liebe Tiere und kann in ihrer Umgebung gut entspannen.
Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann mal den HSV zu trainieren?
Stanislawski Diese Frage stellt sich mir zur Zeit nicht.
War Ihnen als Spieler immer klar, dass sie mal Trainer werden wollen?
Stanislawski Eigentlich wollte ich Reha- und Präventionstrainer werden. Den Job des Cheftrainers habe ich ursprünglich nicht angepeilt gehabt. Nach der Beurlaubung von Andreas Bergmann in meiner Zeit als Manager ging es aber nicht anders. Und dann hatten wir auch noch Erfolg. Inzwischen weiß ich, dass es der richtige Schritt war.
Felix Magath gilt auf Schalke als Alleinherrscher, wie sieht ihr Führungsstil aus?
Stanislawski Ich beschreibe mich gern als liebenswerten Diktator. Auf der einen Seite mache ich jeden Spaß mit, wenn es passt. Aber es kann auch mal richtig krachen.
Wann platzt Ihnen als Chef der Kragen?
Stanislawski Situationsabhängig. Wie gesagt, es kann auch mal laut werden. Aber ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen Spielern. Sie duzen mich, es gibt auch mal den einen oder anderen Spaß in meine Richtung. Aber sie wissen auch genau, wann das geht und wann nicht.
Welche Eigenschaften sollte ein Trainer im Optimalfall auf sich vereinen?
Stanislawski Er muss seine Linie immer beibehalten und seiner Philosophie treu bleiben. Dennoch muss ein Trainer lernwillig und offen für Neues sein.
Was ist mit St. Pauli langfristig möglich?
Stanislawski Erst einmal wollen wir die Klasse halten und ein paar Große ärgern. Alles andere wird man sehen.
Am übernächsten Wochenende steigt das Derby in Hamburg. Wie können Ihrer Meinung nach Ausschreitungen der Fangruppen, wie zuletzt wiederholt geschehen, dieses Mal verhindert werden?
Stanislawski Man darf diesen Krawallmachern einfach keine Bühne geben und ihnen auch kein Gehör schenken. Sie bilden eine Minderheit, die die positiven Fans in Mitleidenschaft ziehen. Hamburg hat genug Platz für zwei Bundesliga-Vereine nebeneinander.
Reden Sie auch mit Ihrer Frau über Fußball? Ist sie bei den Spielen immer dabei oder bleibt sie lieber im Hintergrund?
Stanislawski Sicher. Sie ist seit 1993 immer dabei. Nicht auswärts, aber bei jedem Heimspiel. Wir sprechen viel über Fußball, auch mal über die Aufstellung. Und wenn mal einer ihrer Lieblinge nicht zum Einsatz kommt, gibt es auch mal Saures (lacht).
Bei der Aufstiegsfeier am Ende der vergangenen Saison haben Sie vor der Fankurve am Millerntor einen durchaus ambitionierten Freudentanz präsentiert – ganz im Stil von Michael Jackson. Sind Sie auch privat ein guter Tänzer?
Stanislawski Naja, also ich beherrsche die alte Schule. Disco Fox, Foxtrott und eben so die gängigen Sachen. Ein bisschen kann ich mich noch bewegen.
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