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Babbel steht offenbar als Nachfolger fest: Stanislawski scheitert an Hoffenheimer Kultur

zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 - 20:15

Sinsheim (RPO). Mit der Entlassung von Holger Stanislawski bei 1899 Hoffenheim ist der fünfte Trainerwechsel der laufenden Bundesliga-Saison perfekt. Der als Sympathie- und Hoffnungstäger angetretene Coach ist in Hoffenheim an der Klubkultur gescheitert.

Holger Stanislawski kam mit dem Image des liebenswerten Piraten aus St. Pauli - doch schon im ersten Sturm lässt der allmächtige Dietmar Hopp seinen Trainer bei 1899 Hoffenheim über die Planke laufen. Nach rund acht Monaten beendete der Mäzen das Experiment mit seinem Sympathieträger vom Kiez, der das sterile Bild des Retortenvereins aufpeppen sollte. "Stani" muss nach dem Pokal-Aus gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth (0:1) gehen.

Babbel soll Freitag unterschreiben

Zurück bleibt ein Klub in der Krise, der ein chaotisches Bild abgibt und anscheinend mit Markus Babbel als Nachfolger verhandelt. Am Freitag soll der frühere Hertha-Trainer bereits vorgestellt werden. "Ich gehe davon aus, dass wir morgen einen Vertrag unterschreiben", sagte Manager Ernst Tanner am Donnerstagabend der "Rhein-Neckar-Zeitung" (Freitagausgabe). Der Klub lud am Donnerstagabend zu einer Pressekonferenz am Freitag (11.30 Uhr) in die Geschäftsstelle in Zuzenhausen ein, auf der der Nachfolger des entlassenen Holger Stanislawski vorgestellt werden soll.

In der Pressemitteilung äußerte sich auch 1899-Mäzen Dietmar Hopp erstmals zur Entlassung von Stanislawski, der am Morgen nach dem Pokal-Aus gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth gehen musste. "Ich bedaure sehr, dass die Mission von Holger Stanislawski zu diesem Zeitpunkt bereits beendet ist. Ich glaube nach wie vor, dass es die richtige Entscheidung war, ihn zur TSG zu holen, und ich verstehe die Enttäuschung über seinen Abschied sehr gut, denn auch für mich ist er menschlich einfach außergewöhnlich", sagte der Milliardär: "Gleichwohl war ein Negativtrend seit dem Herbst unverkennbar, und die Mannschaft machte zunehmend einen verunsicherten Eindruck. Ich hoffe, dass der neue Trainer das Ruder wieder herumreißen kann und die Köpfe der Spieler freikriegt, damit die TSG wieder in ein ruhigeres Fahrwasser kommt."

"Wir schätzen Holger Stanislawski als Menschen und als fachkundigen Trainer", betonte 1899-Manager Ernst Tanner noch am Donnerstag in der offiziellen Trennungsmitteilung. Aber auch, in aller Härte: "Nach einem langen, konstruktiven Gespräch mit ihm sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, die Zusammenarbeit im Interesse aller Beteiligten zu beenden. Die jüngsten sportlichen Entwicklungen waren hierfür ausschlaggebend."

"Es ist schwer, eine Linie zu erkennen"

An Stanislawski gesägt hatte zuletzt vor allem Mäzen Dietmar Hopp, der sich immer kritischer äußerte und damit das Meinungsbild in den oberen Etagen des Vereins prägte. "Es ist schwer, eine Linie zu erkennen. Bei Ralf Rangnick war zu sehen, dass er ein Pressing spielte", hatte der 71 Jahre alte Milliardär im Vorfeld der Pokalbegegnung gekrittelt. Zudem fragte sich Hopp, ob "die Spieler die Köpfe frei haben" oder "die Kraft fehlt". Das war schon das finale Urteil.

Bereits kurz nach dem Spiel gegen Fürth verweigerte Tanner Stanislawski - im Gegensatz zu den Spielern - die Rückendeckung. Ja, man habe eine "kämpfende Mannschaft" gesehen. Aber: "Unterm Strich ist wenig Produktives aufs Tor gekommen." Es war nicht das erste Mal, dass sich zwischen den Zeilen heraushören ließ, dass das Verhältnis zwischen Stanislawski und der Führungsriege irreparabel beschädigt war.

Das Verhältnis zur Mannschaft dagegen war wohl intakt. "Meine Enttäuschung ist groß, vor allem, weil wir als Mannschaft mit Ergebnissen dafür sorgen wollten, dass wir weiter zusammenarbeiten können", sagte Abwehrspieler Andreas Beck. "Diese Bringschuld haben wir nicht erbracht."

Fans stehen hinter "Stani"

Auch der offensichtlich große Zuspruch der Hoffenheimer Fans für Stanislawski konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. Vor der Partie am Mittwoch hatten die Hoffenheimer Anhänger mit Sprechchören und Spruchbändern Stanislawski ihre Unterstützung zukommen lassen, nach der Begegnung forderten sie den Trainer lautstark auf, vor die Kurve zu treten. Stanislawski ging einige Schritte auf den Anhang zu, um dann doch winkend und mit enttäuschtem Blick abzudrehen. Es war sein Abschiedsgruß.

"Natürlich freut es einen, wenn die Zuschauer ein Gespür für die Situation haben", sagte Stanislawski. Der Kommentar von Manager Tanner fiel dagegen deutlich sachlicher aus: "Das zeigt halt, dass die Fans den Stani gern haben." Sichtlich schwer war Stanislawski im Sommer 2011 der Abschied vom FC St. Pauli, dem Klub seines Herzens, gefallen. Der Abgang in Hoffenheim ist weit weniger sentimental verlaufen.

Im Kraichgau bleibt ein Klub zurück, der sich nicht nur aus sportlicher Sicht auf unruhige Zeiten einstellen muss. Selbst das Verhältnis zwischen Mannschaft und Teilen der Fans scheint gestört. "Im DFB-Pokal ist oft eine bessere Stimmung als im Bundesliga-Alltag, weil die meisten Dauerkartenbesitzer da nicht kommen", sagte Kapitän Andreas Beck angesichts der Magerkulisse von nur 14.000 Zuschauern.

Der Anhang selbst zeigte sich von der Entlassung Stanislawskis am Donnerstag entsetzt. "Die Fans werden darauf mit Sicherheit eine Reaktion zeigen, schon beim nächsten Spiel in Bremen. Und spätestens beim nächsten Heimspiel wird man die Fans sehr deutlich hören. Wir Fans sind uns huntertprozentig einig, wir sind alle dermaßen durch den Wind", sagte Thomas Schmitz-Günther vom Dachverband der Hoffenheim-Fans.

Ob die Hoffenheimer unter Markus Babbel wieder in ruhigeres Fahrwasser segeln können, wird sich zeigen. Sondierungsgespräche sollen bereits geführt sein.

Quelle: sid

 
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