Trainersuche beginnt: Stevens bietet sich beim HSV an
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 20.09.2011 - 10:56Hamburg/Düsseldorf (RP). Der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga ersetzt den bisherigen Cheftrainer Michael Oenning durch seinen Assistenten Rodolfo Cardoso. Doch der soll die Mannschaft nur übergangsweise leiten. Gleich nach dem Trainerwechsel brachte sich ein alter Bekannter ins Gespräch.
Seinen Einstand als Übergangstrainer gibt der Argentinier Rodolfo Esteban Cardoso heute Abend. Zur Wiedereröffnung des Kurt-Wabbel-Stadions tritt der Hamburger SV um 19.25 Uhr beim Regionalligisten Hallescher FC an. Es könnte gleichzeitig sein Ausstand sein. Denn der ehemalige Mittelfeldspieler soll schnell wieder weichen, nachdem ihn der HSV gestern als Nachfolger für den beurlaubten Trainer Michael Oenning vorgestellt hatte.
Als Kandidaten werden unter anderem der frühere HSV-Coach Huub Stevens, DFB-Trainer Horst Hrubesch und der frühere Hamburger Spielmacher Thomas von Heesen gehandelt. Natürlich gibt es auch Spekulationen über einen Zusammenhang zwischen Lothar Matthäus' Entlassung in Bulgarien und dem Bedarf des HSV.
Stevens (57) bot sich gestern selbst an. Der "Hamburger Morgenpost" sagte er: "Ich bin frei. Jeder kann mich anrufen. Ich hatte eine wunderbare Zeit in Hamburg und habe den HSV ein Stück weit in mein Herz geschlossen. Ich wäre auch gerne geblieben, wenn das mit meiner Frau nicht gewesen wäre (Ehefrau Toos leidet unter Morbus Crohn, einer in Schüben verlaufenden Darmkrankheit). Jetzt fühle ich mich hervorragend und bin bereit für neue Aufgaben. Ob in Hamburg oder woanders, weiß ich nicht." Am 8. April war Stevens bei Red Bull Salzburg entlassen worden.
Egal, wer den Job an der Elbe übernimmt: Der 31. Trainer in der seit 1963 währenden Bundesliga-Geschichte der Hansestädter steht vor einer überaus schwierigen Aufgabe. Franz Beckenbauer, der 1982 seine Bundesliga-Karriere als Aktiver beim HSV beendete, sagte am Sonntagabend in der Sendung "Sky 90": "Ich kenne keinen Trainer auf der Welt, der dem HSV helfen könnte. Ein neuer Trainer müsste ein Zauberer sein – vielleicht kann ein Zauberer vom Circus Krone oder Circus Sarrasani helfen. Ein normaler Mensch hätte kurzfristig keine Chance."
Die Mannschaft steht mit nur einem Punkt am Tabellenende. Seit Oennings Amtsantritt gewann sie nur eins von 13 Spielen: Es war sein erstes, das 6:2 am 19. März gegen den 1. FC Köln. Das Team ist komplett verunsichert, wie sich am Samstag in der Partie gegen Borussia Mönchengladbach zeigte, als ihr nur ein Torschuss gelang. Viele Argumente für eine Weiterbeschäftigung lieferte Oenning nicht. HSV-Idol Uwe Seeler sprach sich am Sonntagabend indirekt für einen Trainerwechsel aus: "Die Mechanismen sind automatisch, wenn man nicht absteigen will."
Der einzige seit Gründung der Bundesliga durchgängig in der Klasse vertretene Klub gibt ein katastrophales Bild ab. Sportdirektor Frank Arnesen sagte am Samstag: "Wir arbeiten diese Niederlage intern auf, und dann wird Michael Oenning auch zum Spiel in Stuttgart neben mir im Flugzeug sitzen und wieder mit zurück nach Hamburg kommen. Das kann ich klar sagen. Er ist unser Plan A, B und C." Gestern erklärte der Däne: "In den letzten zwei Tagen nach der Niederlage gegen Mönchengladbach und nach vielen intensiven Gesprächen sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass wir diese Entscheidung treffen mussten."
Arnesen steht wegen seiner Personalpolitik in der Kritik. Dem Team mangelt es an erfahrenen Profis. Die fünf Nachwuchsspieler, die er vom FC Chelsea mitbrachte, brachten den Verein bislang nicht weiter. Für große Sprünge auf dem Transfermarkt fehlt aber das Geld. Der frühere Vorstandschef Bernd Hoffmann hinterließ einen Schuldenberg, der noch über viele Jahre abgetragen werden muss.
Wir haben die möglichen Trainerkandidaten für Sie zusamengestellt.
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