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Seit zehn Jahren gibt es die Zusatz-Schiedsrichter: Streitpunkt vierter Offizieller

zuletzt aktualisiert: 22.01.2013 - 16:54

Düsseldorf (RPO). Vor zehn Jahren stand in der Fußball-Bundesliga erstmals ein vierter Offizieller zwischen den Trainerzonen. Das Konzept schien sich lange bewährt zu haben. Doch gerade der Schiedsrichternachwuchs bereitet den Fußballlehrern Sorgen.

Ist er Blitzableiter, Streitschlichter oder Reizfigur? Geht es um den vierten Offiziellen, sind sich nicht nur die Bundesliga-Trainer in einem Punkt einig. "Den vierten Mann halte ich für eine richtige Einrichtung", sagt Jürgen Klopp stellvertretend für viele, fügt jedoch hinzu: "Wenn es der Richtige ist, dann ist es eine perfekte."

Der Chefcoach vom deutschen Fußball-Meister Borussia Dortmund spricht damit die Sorgen seiner Kollegen an: Der vierte Mann – vor zehn Jahren erstmals aufgeboten – ist gut, aber er sollte nicht zu jung sein. "Es hat sich bewährt, lassen wir die ein oder andere überzogene Reaktion von unerfahrenden Schiedsrichtern außer Acht", pflichtet auch Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser dem BVB-Coach bei.

Klopp will erfahrene Leute

Klopp ist an der Seitenlinie kein Unbekannter, einer der aus seinen Emotionen keinen Hehl macht. Regelmäßig dient er dem vierten Unparteiischen als "Diskussionspartner", allerdings fühlt er sich von manch jungem Offiziellen in seinem Gefühlsleben eingeschränkt. "Wir Trainer sind der Meinung, dass Konflikte von erfahrenen Schiedsrichtern aufgrund der größeren Lebenserfahrung klar besser wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden können als von ganz jungen Burschen", sagt Klopp.

Die Schiedsrichter-Funktionäre haben auf diese Entwicklung registriert, wollen aber nicht alles tolerieren. "Verständnis für Emotionen – völlig klar, solange es sich auf Spielsituationen bezieht", sagt Herbert Fandel, Chef der Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Es war daher kein Zufall, dass der erfahrene Thorsten Kinhöfer (44) beim Duell zwischen Mainz 05 und dem SC Freiburg eingesetzt wurde. 05-Trainer Thomas Tuchel und Freiburgs Christian Streich sind für ihren Wort- und Gestenreichtum bekannt.

Beim DFB hat ein Umdenken eingesetzt. Fandel und seine Kollegen erkennen, dass die Situation schwieriger wäre, "wenn ein ganz junger Zweitliga-Schiedsrichter zwischen den Bänken steht". Zufall ist es daher nicht, dass eine Frau regelmäßig als vierter Mann eingesetzt wird. Die 33-jährige Bibiana Steinhaus wird für ihre beruhigende Art geschätzt, am 13. Spieltag wurde sie gar in drei Bundesliga-Spielen eingesetzt, unter anderem beim Trainer-Duell zwischen Klopp und Tuchel. Steinhaus verfügt über eine hohe soziale Kompetenz, kann klare Ansprachen halten, hält sich jedoch stets an die Regeln.

Die sind klar definiert. Der vierte Mann ist Beobachter statt Moderator, er hat lediglich einzuschreiten, sollte ein Trainer versuchen, das Schiedsrichtergespann aktiv zu beeinflussen. "Wenn jemand wild gestikulierend und schreiend auf den vierten Offiziellen zuläuft, dann muss dieser Trainer den Innenraum verlassen", erklärt Fandel. Gerade in der Hinrunde der laufenden Saison hat das erstaunlich viele Trainer getroffen. Bereits fünf Trainer wurden auf die Tribüne verwiesen, so viele wie in der gesamten letzten Saison.

Dabei hatte sich die Zahl der Roten Karten für Trainer nach der Einführung des vierten Offiziellen am 25. Januar 2003 zunächst auf ein bis zwei pro Saison reduziert. Allerdings wissen auch die Trainer, wie Freiburgs Christian Streich, dass die Referees allein keinen Kulturwandel herbeiführen können. "Es liegt natürlich auch an uns Trainern", gibt er zu.

Quelle: dpa/seeg/csi

 
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