1. Bundesliga 17/18
| 17.56 Uhr

Supercup in Dortmund
BVB und Bayern suchen ihre Form

Bayern - Neapel: die Bilder des Spiels
Bayern - Neapel: die Bilder des Spiels FOTO: dpa, geb fdt
Dortmund. Der Supercup als Krisengipfel: Sowohl Gastgeber Borussia Dortmund als auch Rekordmeister Bayern München haben eine schwache Vorbereitung hinter sich. Am Samstagabend kämpfen beide um den ersten Titel der Saison. Von Robert Peters

Die großen Bayern sind nervös. Weil sie auch ihr Testspiel-Leben wegen lukrativer Werbeverträge in großer Öffentlichkeit ausbreiten, hat der fußballinteressierte Teil der Menschheit miterlebt, wie es peinliche Niederlagen in Serie setzte. Das führt zu Reaktionen, wie sie normalerweise erst im Laufe einer Saison zu hören sind. Sie klingen wie klare Signale für eine ausgewachsene Krise. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge stellte nach der 0:3-Niederlage gegen den FC Liverpool im "Audi-Cup" fest: "Wir müssen jetzt schnell die Kurve kriegen." Und dem Trainer Carlo Ancelotti schrieb er gleich den wesentlichen Job vor dem Supercup-Spiel bei Borussia Dortmund  20.30 Uhr/ZDF) ins Auftragsbuch. "Ich hoffe", sagte der Ober-Bayer, "dass der Trainer schnell die richtigen Rezepte findet."

So viel konkrete Anforderung ist neu für Ancelotti. Er hat sich zu Beginn des erstaunlichen Gerumpels durch die Vorbereitungsspiele noch über aufgeregte Münchner Wegbegleiter amüsiert, die ihn gleich über den zunehmenden Druck befragten. "Wenn ich jetzt schon Druck hätte, wäre ich zu Saisonbeginn tot", sagte er nach dem 0:4 gegen den AC Mailand im chinesischen Shenzen. Wie schräg er die Frage fand, verriet die linke Augenbraue, die ein ordentliches Stück die Stirn hinauf wanderte. Auch seine demonstrative Gelassenheit erlebt heute Abend im ehemaligen Westfalenstadion eine Belastungsprobe.

BVB hat Probleme mit dem neuen System

Zum Glück für die Bayern hat der Gegner vor dieser ersten ernsthafteren Partie der Saison ebenfalls noch keine Topform nachweisen können. Pokalsieger Borussia Dortmund findet sich erst langsam ins System des neuen Trainers Peter Bosz. Der Holländer pflegt den traditionellen niederländischen Stil des 4-3-3. Und er möchte, dass seine Mannschaft bei Ballverlusten eine Jagd nach dem Spielgerät veranstaltet, wie es sie zuletzt unter dem Vor-Vorgänger Jürgen Klopp in Westfalen zu bewundern gab. Klopp führte dem Dortmunder Anhang die Feinheiten und die Schönheiten des Gegenpressing vor. Bosz hat den sehr konkreten Lehrsatz ausgerufen, dass jeder verlorene Ball innerhalb von fünf Sekunden zurückerobert werden müsse.

Das erfordert enormen läuferischen Aufwand. Und es erfordert einen engen mannschaftlichen Zusammenhang, damit die fröhlich attackierten gegnerischen Abwehrspieler die anstürmenden Dortmunder nicht mit einem simplen langen Pass einfach überspielen können. Das Einüben solcher Strukturen braucht Zeit. Bosz sieht sein Team allerdings bereits auf einem guten Weg. Mario Götze hat ihm das im Gespräch mit dem Fachmagazin "Kicker" bestätigt. "Wir haben in den vergangenen Wochen schon einiges von dem angenommen, was er fordert", versicherte der Nationalspieler, "ich glaube, wir haben den Kader und die Qualität, den Spielstil von Peter Bosz umzusetzen." Das glauben die Vorgesetzten des neuen Fußballlehrers beim BVB ebenfalls. Und anders als die Kollegen in München neigen sie trotz teils äußerst mäßiger Vorstellungen im Testspiel-Programm noch lange nicht zu mahnenden Bemerkungen. Auch bei den Fans ist von Unruhe nichts zu spüren. Sie haben die offizielle Vereinssicht übernommen, nach der es zunächst mal um einen Prozess gegenseitiger Annäherung von Mannschaft und Trainer geht.

Ob der Anhang weiter so gnädig gestimmt ist, wenn es heute Abend eine Niederlage gegen die Bayern setzt, ist trotzdem eine offene Frage. Für beide Teams geht es zum ersten Mal in der neuen Spielzeit ums Ergebnis. Für Dortmund wäre ein Erfolg eine Bestätigung für den neuen Weg. Bei den Bayern würde er eine sehr unruhige Woche vor der ersten DFB-Pokalrunde verhindern. Und Ancelotti müsste sich nicht schon vor Meisterschaftsbeginn Sorgen um die Gesundheit machen.

Quelle: RP
 
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