1. Bundesliga 16/17
| 13.19 Uhr

Darmstadt gegen Frankfurt
Das brisante Hessenderby

Fotos: Eintracht-Chaoten zündeln und randalieren nach Derby-Pleite
Fotos: Eintracht-Chaoten zündeln und randalieren nach Derby-Pleite FOTO: dpa, brx
Darmstadt . Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt treffen im Hessenderby der Bundesliga aufeinander. Dabei geht es längst um viel mehr als nur drei wichtige Punkte gegen den Abstieg.

Darmstadt 98 gegen Eintracht Frankfurt - das war vor ein paar Monaten bestenfalls etwas für Nostalgiker, die sich noch an einige wenige Duelle vor mehr als 30 Jahren erinnern konnten. Am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) spielen beide Vereine wieder gegeneinander, aber auf einmal ist dieses Hessenderby eines der brisantesten Spiele der gesamten Bundesliga-Saison.

Es geht um die Frage, welcher der beiden Nachbarn womöglich absteigen muss und wer drinbleiben darf in Liga eins. Die Eintracht ist zwar immer noch Vorletzter, hat aber seit dem vergangenen Wochenende nur noch fünf Punkte weniger als der Aufsteiger.

Die Polizei steht vor einem Großeinsatz

Es geht, beinahe noch mehr, um Fragen der Sicherheit. Denn weil die Frankfurter Fans nach einem wenig weitsichtigen Urteil des DFB-Sportgerichts nicht ins Stadion am Böllenfalltor dürfen, befürchten viele, dass rund 3000 dieser Anhänger irgendwo anders in der Stadt randalieren könnten. Die Polizei steht vor einem Großeinsatz.

Und so geht es nicht zuletzt auch um die Frage, wie weit der Staat angesichts solcher Befürchtungen gehen darf. Stadt Darmstadt und Polizei verhängten zunächst ein 36-stündiges Innenstadtverbot für Frankfurter Fans. Diese höchst umstrittene Entscheidung wurde schon am Donnerstagabend vom Verwaltungsgericht wieder gekippt. Doch die Stadt Darmstadt will dennoch daran festhalten.

So ist dieses Derby schon völlig aus den Fugen geraten, bevor es überhaupt angepfiffen wird. Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch ist Rechtsanwalt von Beruf, er hat in dieser Woche gleich mehrfach mit dem Kopf geschüttelt. "Für mich ist es rätselhaft, woher der Hass in der Szene kommt", sagte er der "FAZ". Es gebe ja zwischen beiden Klubs "keine große Derby-Geschichte. Es ist schade, dass man sich als Verein mit diesen Dingen auseinandersetzen muss."

Die Eintracht ist kraft ihrer Vergangenheit ein Klub, der sich immer noch für größer hält, als er eigentlich ist. Die Darmstädter dagegen machen sich gern noch kleiner, als sie sind. Eine eigentlich nie existierende Rivalität zwischen den Vereinen ist von einigen Fans erst künstlich aufgebaut und dann immer weiter eskaliert worden. Während des Hinspiels (1:0 für die "Lilien") brannten im Frankfurter Fanblock Darmstädter Fahnen. Dies und das Urteil des Sportgerichts haben die Stimmung so aufgeheizt, wie sie jetzt ist.

"Wir wollen nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen"

Beiden Klubs gebührt das Verdienst, diese Stimmung nicht noch weiter geschürt zu haben. "Es ist am besten, wenn wir uns mit Äußerungen zurückhalten. Wir wollen nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, es ist schon genug Zündstoff drin", meinte Frankfurts Marco Russ.

Das gilt allein schon in sportlicher Hinsicht. Man stelle sich vor: Die Eintracht verliert am Samstag. Sie müsste dann ihrem kleinen Nachbarn dabei zusehen, wie der einen dann fast schon sicheren Ligaverbleib feiern würde, während die eigenen Chancen darauf nur noch theoretisch wären. Eine größere Demütigung ist aus Frankfurter Sicht kaum vorstellbar.

Ein anderes Szenario ist aber: Die Eintracht gewinnt in Darmstadt, verlässt zumindest vorerst ihren direkten Abstiegsplatz und zieht die "Lilien" wieder ganz tief unten hinein. Auch sie haben registriert, dass sie bei einem ungünstigen Verlauf doch noch etwas zu verlieren haben in dieser bislang so grandiosen Saison. 31 Spieltage standen sie nie auf einem Abstiegsplatz. Doch Präsident Fritsch warnte im "Darmstädter Echo": "Wir sehen die Zielfahne, aber jeder weiß, dass das noch nichts hilft. Man muss auch über die Ziellinie drüber."

(spol/dpa)
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