Mitgliederversammlung beim HSV: Tag der Abrechnung mit Ex-Boss Hoffmann
zuletzt aktualisiert: 15.01.2012 - 10:57Hamburg (RPO). Der Tag wird lang, das ist klar. Für die Mitgliederversammlung am Sonntag hat der Hamburger SV vorsorglich bis Mitternacht den Saal 1 des Kongresszentrums reserviert. Sicher ist sicher. Und nach Lage der Dinge wird der Tag nicht nur lang, sondern auch turbulent.
Im Mittelpunkt der zu erwartenden emotionalen Debatten steht der ehemalige Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann. Unter Punkt zwölf der Tagesordnung ist dessen Entlastung aufgeführt. Aber es ist längst nicht mehr ausgeschlossen, dass ihm diese verweigert wird. Das hat es in der fast 125 Jahre währenden Vereinsgeschichte noch nie gegeben.
Im vergangen März musste Hoffmann gehen - und seitdem rüsten seine Gegner zur großen Abrechnung. Der Vorwurf: Vereinsschädigendes Verhalten. Nach Jahren mit Überschüssen in Millionenhöhe wies die Klub-Bilanz für das am 30. Juni 2011 abgelaufene Geschäftsjahr ein Minus von 4,87 Millionen Euro auf.
Zweifelhaftes Finanzgebaren
Zudem steht sein zweifelhaftes Finanzgebaren auf dem Prüfstand. Der zwölfköpfige Aufsichtsrat hatte Hoffmanns achtjährige Amtszeit nach dessen Ausscheiden juristisch unter die Lupe genommen - mehrere Fragen bleiben nach Informationen des Hamburger Abendblatts seitdem ungeklärt. Hat der Klub hohe Summen an Berater gezahlt, ohne eine konkrete Leistung zu erhalten?
Konkret geht es um eine Image-Beratung für Hoffmann auf Klubkosten in Höhe von 89.000 Euro, Honorare an den Spielerberater Roman Grill (30.000 Euro) und den "Beinahe-Sport-Chef" Urs Siegenthaler (500.000 Euro). Kurios sind auch die Zahlungen an einen Spielerberater im Zusammenhang mit dem geplatzten Transfer des Brasilianers Vagner Love von ZSKA Moskau. Obwohl der Transfer des Stürmers im Januar 2010 zum HSV gescheitert war, zahlte der Klub dem Berater 70.000 Euro, gewährte zudem ein Darlehen von 30.000 Euro.
Außerdem soll Hoffmann zwei Freunden als Berater in der Sponsorenakquise sowie im Arena-Management engagiert haben. Hoffmann droht im schlimmsten Fall eine Schadensersatzklage wegen Veruntreuung von Vereinsgeldern.
Hoffmann gibt sich gelassen
"Die Mitglieder haben das Recht, genau über das vergangene Geschäftsjahr informiert zu werden", sagte Hoffmanns Nachfolger Carl-Edgar Jarchow, "wenn es Nachfragen gibt, werden wir sie beantworten." Und der Aufsichtsratsvorsitzende Otto Rieckhoff teilte mit: "Der Aufsichtsrat hat die Aufarbeitung nach einer juristischen Bewertung abschließend beraten, er hat Beschlüsse zum weiteren Vorgehen und zur Kommunikation in der Mitgliederversammlung getroffen." Darüber werde am Sonntag ausführlich Bericht erstattet. Hoffmann selber blickt den Debatten gelassen entgegen. "Ich habe stets im Interesse des Vereins gehandelt und mir nichts vorzuwerfen", sagte er der Zeitung Die Welt (Samstag).
Zündstoff birgt auch die Wahl des Vorstandsmitglieds für die Belange der Mitglieder. Bisher vertritt dort Oliver Scheel die Belange der "Supporters" (mehr als 60.000 Mitglieder). Doch eine Opposition innerhalb der mächtigen Fan-Abteilung ist unzufrieden mit Scheels Arbeit und wirft ihm Klüngelei vor.
"Wahrscheinlich ist es das Normalste der Welt, dass vor einer Wahl und einer Mitgliederversammlung einige kritische Stimmen lauter werden", sagte Supporters-Chef Ralf Bednarek. Mit Hockey-Olympiasieger Christian "Büdi" Blunck stellt sich ein prominenter Konkurrent der Kampfabstimmung.
Der Sonntag wird für alle Beteiligten lang und turbulent. Die vergangene Mitgliederversammlung vor fast genau einem Jahr dauerte übrigens acht Stunden und 50 Minuten. Nicht ausgeschlossen, dass dieser Rekord gebrochen wird.
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