Kleine Feier im Hause Völler: "Tante Käthe" feiert seinen 50.
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 13.04.2010 - 07:30Leverkusen (RP). Heute feiert er Geburtstag – ohne rauschende Party. Denn trotz seiner großen Erfolge als Spieler und Trainer ist der nationale Sympathieträger Rudi Völler auf dem Boden geblieben. Ihm ist nur wichtig, er selbst zu bleiben.
Völler sitzt in einer Loge der BayArena und knuspert am Hörnchenrest seines Schokoladeneises, als die Frage nach dem Stolz aufkommt. Worauf ist er stolz, abseits aller sportlichen Erfolge und der schier grenzenlosen Popularität bei seinen Landsleuten? Völler schmunzelt. "Ich bin stolz, dass ich kein Tattoo besitze. Dass ich diesen Trend nicht mitgemacht habe." Als er den überraschten Blick des Fragestellers sieht, fügt er hinzu: "Schreiben Sie das ruhig."
Heute feiert Völler seinen 50. Geburtstag – ohne rauschende Party. Mit seiner Familie und guten Freunden will er am Abend ein wenig feiern. "Ich stehe oft genug im Mittelpunkt", sagt Völler. Das stimmt. Eigentlich überall, wo er geht und steht.
Der Handwerkersohn aus dem hessischen Hanau, dessen Vornamen Fans seit jeher mit einem kaugummiartigen Dehnungs-U verkünden, ist ein nationaler Sympathieträger, der selbst dem "Kaiser" Franz Beckenbauer Konkurrenz macht. "Ich habe kein Problem mit meiner Popularität", sagt Völler. Es sei ihm nur wichtig, er selbst zu bleiben.
Rudi Völler
Geboren 13. April 1960
Geburtsort Hanau
Größe 1,80 Meter
Spitzname „Tante Käthe“ Position Stürmer Stationen als Spieler: Kickers Offenbach (77-80), TSV 1860 München (80-82), Werder Bremen (82-87), AS Rom (87-92), Olympique Marseille (92-94), Bayer Leverkusen (94-96)
Einsätze in der Nationalelf: 90 Spiele, 47 Tore (82-94)
Stationen als Trainer: Deutsches Nationalteam (2000-04), AS Rom (08/04-09/04, Bayer Leverkusen (09/05-10/05)
Selbst das Alter scheint ein Fan des Bayer-04-Sportdirektors zu sein. Wo andere ergrauen, haben sich seine zur Marke stilisierten Locken mit dem akkuraten Mittelscheitel in Richtung eines erhabenen Weiß verfärbt. Mit Dreitagebart ähnelt er ein wenig dem Schauspieler Maximilian Schell. "Tante Käthe" nennen sie ihn, weil seine Mähne als Stürmer früher noch etwas länger und deutlich wuscheliger war.
Wie 1990 im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion, im Achtelfinale der Weltmeisterschaft gegen Holland, als ihm Gegenspieler Frank Rijkaard in die Frisur spuckte. Der argentinische Schiedsrichter schickte beide mit Rot vom Platz, und das Kommentatoren-Duo Heribert Faßbender ("Schickt diesen Mann in die Pampa!") und Karl-Heinz Rummenigge ("Der Rudi hat nichts Böses getan") war außer sich.
Einige Tage später schrie Völler seine Freude in den römischen Nachthimmel hinaus, als Lothar Matthäus den WM-Pokal für Deutschland emporhielt. Rom war zu dieser Zeit seine Heimat. Seit 1987, als er aus Bremen in die italienische Serie A gewechselt war und – natürlich – zum Publikumsliebling avancierte. Noch heute verehren sie ihn in der Ewigen Stadt, wo er seine Frau Sabrina kennenlernte.
90 Mal lief er für Deutschland auf und erzielte dabei 47 Tore. Völler ist Ehrenbürger seiner Heimatstadt, die schon zu Lebzeiten eine Sportanlage nach ihm benannte. Der gelernte Bürokaufmann besitzt das Bundesverdienstkreuz und einen Bambi. Doch in seiner Jugendstilvilla im Leverkusener Stadtteil Quettingen steht keine seiner Auszeichnungen repräsentativ im Regal. "Ich bin keiner, der stark in Erinnerungen schwelgt", sagt Völler.
2000 brauchte ihn Fußball-Deutschland dringend. Weil Christoph Daum wegen der Kokain-Affäre als Bundestrainer ausfiel, sprang "Rudi" als Teamchef ein. Zwei Jahre später wurde er mit seiner Mannschaft in Japan und Südkorea überraschend Vizeweltmeister, und die Heimat sang den Ohrwurm "Es gibt nur einen Rudi Völler" zur Melodie von "Guantanamera". Seine Wutrede nach einem Länderspiel in Island 2003 im ARD-Studio steigerte seine Beliebtheit eher noch.
Doch wen verehrt der Verehrte selbst? "Helmut Schmidt finde ich genial. Bei Talkshows mit ihm bleibe ich immer hängen", sagt Völler. Völler, der politische Mensch, der nach eigener Aussage an Wahlabenden die Hochrechnungen verfolgt und als seinen bisher letzten Kinofilm den "Baader-Meinhof-Komplex" sah, "weil ich diese Zeit ja bewusst erlebt habe".
Momentan erlebt Völler mit Bayer 04 den Saisonendspurt in der Bundesliga. Vier Spiele muss die Werkself noch Platz drei verteidigen, der zur Qualifikation für die Champions League berechtigt. "Da noch herauszufallen, wäre schon eine Enttäuschung", sagt Völler. Leverkusens Trainer Jupp Heynckes ("Rudi ist für den Klub ungemein wichtig") hat für Völler noch einen Rat parat. Mit 50 solle er sich bei Niederlagen nicht mehr so sehr ärgern.
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