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Analyse zu Borussia Dortmund: Tempo, Teamgeist, Torgefahr

VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 02.12.2011 - 08:40

Dortmund (RP). Der Deutsche Meister ist richtig gut in Fahrt gekommen. Vor dem Spitzenspiel beim Überraschungs-Verfolger Borussia Mönchengladbach hat die westfälische Borussia acht Mal in Folge nicht mehr verloren. Die Mannschaft hat zu den Tugenden des Meisterjahres zurückgefunden.

Die neue Saison fing genauso an, wie die alte aufgehört hatte. Mit ausgelassenen Tänzen vor der Gelben Wand der Südtribüne im Dortmunder Stadion. Dort hatte der Deutsche Meister seinen Titel mit den Fans gefeiert, dort schien er seinen Lauf fortzusetzen. Der Hamburger SV wurde nach einer zumindest phasenweise atemberaubenden Vorstellung mit 3:1 geschlagen.

Und so mancher wähnte den Titelträger bereits auf dem Durchmarsch. Dazu ist es dann doch nicht gekommen. Aber nach einem kurzen Durchhänger ist die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp vor dem Bundesliga-Spitzenspiel (Samstag, 15.30 Uhr im Live-Ticker) bei Borussia Mönchengladbach wieder da, wo ihre Fans sie am liebsten sehen: auf Platz eins. Acht Mal in Folge blieb der Meister ungeschlagen, sieben Siegen stand nur ein Unentschieden (1:1 in Stuttgart) gegenüber.

Den Rückweg an die Tabellenspitze ebnete vor allem der 1:0-Erfolg in der Münchner Arena vor zwei Wochen. Da erlebte das Publikum einen ganz neuen BVB. Wenig war vom jugendlichen Überschwang, vom rastlosen Berennen des gegnerischen Strafraums zu sehen, vom Dortmund der Meistersaison. Es ging eher unterkühlt zur Sache. Mario Götze, die 19-Jährige Jahrhundert-Begabung, nutzte eiskalt eine der wenigen Torgelegenheiten.

Darüber hinaus begnügte sich der Meister, seinen erklärten Herausforderer im Titelkampf aus dem Spiel zu nehmen. "Wir werden mit taktischen Mitteln versuchen, den Gegner auf unser Niveau herunterzuziehen", hatte Klopp vorher gesagt, "auf Augenhöhe können wir die Bayern schlagen." Das war natürlich eine charmante Unterschlagung der eigenen Qualitäten.

Klopp hat darin Erfahrung. Im Meisterjahr wurde er nicht müde, die "harte Arbeit" in jedem Spiel zu preisen. Kaum einmal vergaß er den Hinweis, "dass wir noch lange nicht so weit sind, die Gegner aus den Schuhen zu kombinieren". Und er setzte das Wort Meisterschaft so lange auf den Index, bis auch letzte rechnerische Zweifel ausgeräumt waren. Wie er seine Mannschaft und deren Leistungsfähigkeit wirklich einschätzt, verrät er nicht. "Wir arbeiten für den Sieg, als wenn es kein Morgen gäbe", erklärt er gern.

Tatsächlich ist die körperliche Fitness ein wesentlicher Grund für die dauerhafte Anwesenheit der Borussia in den oberen Regionen der Bundesliga-Tabelle. Klopps Mannschaft läuft in der Regel ein paar Kilometer mehr als ihr Gegner, und sie beherrscht die jüngste Modedisziplin im Spitzenfußball, "das Umschaltspiel", wie sehr wenige Teams in Deutschland.

"Diese Mannschaft kann so spielen wie wir, wenn wir in guter Form sind", sagte Arsenal Londons Trainerassistent Patrick Rice voller Anerkennung. Das Dortmunder Tempo überfordert die nationale Konkurrenz in aller Regel. Und anders als beim Gastspiel in München, als Klopp den prominenten Gastgeber mit einer völlig veränderten Taktik überraschte, sind Geschwindigkeit und Begeisterung die tragenden Säulen des Dortmunder Spiels.

Die junge Mannschaft kann ihren Stil nur durchsetzen, wenn jeder Spieler mit der Hingabe, die Klopp an der Außenlinie vorlebt, seinen Job erfüllt. Deshalb hätte es den Dortmunder Erfolg ohne praktizierten Teamgeist nie gegeben. Wenn man den Spielern glauben darf, dann ist der außergewöhnliche Zusammenhalt nicht nur ein Bestandteil der Taktik. "Wir sind wirklich eine richtige Mannschaft, die auch privat etwas zusammen unternimmt", beteuert Verteidiger Mats Hummels, den die Dortmunder Siegesserie der vergangenen Saison in die Nationalmannschaft gespült hat – neben Götze und den zeitweise weit über den eigenen Möglichkeiten auf der Erfolgswelle surfenden Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz.

Nicht einmal der Wechsel seines in der zurückliegenden Saison überragenden Mittelfeldspielers Nuri Sahin zu Real Madrid hat den BVB aus dem Tritt gebracht. Nach 14 Spielen hat er 29 Tore erzielt und nur neun kassiert. Allein München (34:8) ist in dieser Hinsicht besser. Und Kevin Großkreutz hat bereits nach dem furiosen Saisonstart gegen Hamburg dem Rekordmeister die erste Kampfansage erteilt: "Wir sind so jung, wir haben viel Luft nach oben und können noch viel besser werden." Die Konkurrenz stellt sich das lieber nicht vor.

Quelle: RP/chk/rm


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