Zweifel und Druck vor Bundesliga-Debüt: Thomas Kraft will keine Rensing-Kopie sein
zuletzt aktualisiert: 15.01.2011 - 12:14München (RPO). Leichte Zweifel, gewisses Risiko, großer Druck: Für Torwart Thomas Kraft steht bei seinem Debüt als Nummer eins bei Bayern München sehr viel auf dem Spiel. Wenn der 22-Jährige am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker)seinen ersten Ball aufs Tor bekommt, werden alle ganz genau hinschauen.
Ist der junge Kraft, der in Wolfsburg Routinier Jörg Butt (36) ablöst, der riesigen Herausforderung beim deutschen Fußball-Rekordmeister nicht gewachsen, droht ihm das gleiche Schicksal wie Michael Rensing. Der war vor knapp einem Jahr als Stammkeeper beim FC Bayern gescheitert, danach in der Versenkung verschwunden und ist nun nach monatelanger Vereinssuche beim 1. FC Köln untergekommen.
"Ich habe sehr großes Vertrauen darin, dass Kraft mit dem Druck im Tor umgehen kann. Er hat sich in den letzten Monaten in vielen Bereichen im Torwartspiel weiterentwickelt und ich denke, dass wir mit Kraft im Tor weiterkommen", sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal zu seiner spektakulären Entscheidung, die ein Risiko birgt - nicht nur für Kraft.
Doch ein Scheitern des jungen Torwarts will beim FC Bayern trotz einiger Skepsis bei Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Christian Nerlinger niemand in Betracht ziehen. Schon gar nicht Kraft selbst. "Ich spiele nicht Fußball, um nur irgendwo zweiter oder dritter Torwart zu sein", sagte der 22-Jährige schon vor Monaten selbstbewusst.
In dieser Woche durfte Kraft, der erst drei Pflichtspieleinsätze für die Bayern absolviert hat, gar nicht sprechen. Eine am Mittwoch geplante Pressekonferenz mit "Krafti" oder "Protz", so seine Spitznamen, wurde kurzerhand umbesetzt. Der Druck auf den ehrgeizigen Mann aus Kirchen in Rheinland-Pfalz, der mit 16 zum FC Bayern wechselte, sollte nicht noch größer werden.
Kahn und Lehmann skeptisch
Zumal sein Debüt von leisen Zweifeln begleitet wird. "Es kann sein, dass er überragend hält. Aber es kann auch nicht funktionieren, wenn er mit dem Druck noch nicht zurechtkommt. Darin liegt das Risiko. Bei Butt weißt du, was er kann. Er ist erfahren, kann mit der Situation umgehen", meinte der dreimalige Welttorhüter Oliver Kahn in einem Bild-Interview.
Auch Kahns jahrelanger Rivale Jens Lehmann sieht Gefahren. "Ich habe in meiner Karriere nie erlebt, dass ein junger Torwart mit einer jungen Abwehr funktioniert", sagte der Sky-Experte. Vor Kraft werden in der Innenverteidigung Breno und Holger Badstuber (beide 21) spielen.
Nationalspieler Philipp Lahm hat in Kraft aber "volles Vertrauen". Die Mannschaft würde "hinter dieser Entscheidung stehen. Thomas hat es durch seine Trainingsleistungen verdient. Er ist ein relativ kompletter Torwart", betonte der Nationalspieler, der auch keine Bedenken in Bezug auf seine jungen Abwehrkollegen hat: "Wir haben genügend Qualität. Das ist keine Frage von alt oder jung."
Kraft hat nun die Chance, nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Denn eines scheint klar: Selbst bei überragenden Leistungen des Keepers soll im Sommer Schalkes Nationaltorhüter Manuel Neuer nach München wechseln. Für diesen Fall machte Kraft zuletzt schon einmal deutlich, den FC Bayern verlassen zu wollen, um bei einem anderen Klub die Nummer eins zu werden.
Dies ist Michael Rensing nun gelungen. Bei den Bayern war er zunächst von Jürgen Klinsmann und dann auch von van Gaal ausgemustert worden. Nachdem sein Vertrag im Sommer 2010 in München ausgelaufen war, stand er monatelang ohne Verein da - ehe der 26-Jährige kurz vor Weihnachten in Köln bis zum Saisonende unterschrieb. Für Rensing ist es fast schon die letzte Chance, in der Bundesliga doch noch Fuß zu fassen. Entsprechend spricht er von einer "riesigen Herausforderung". Dies trifft ganz besonders auch auf Kraft zu...
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