1. Bundesliga 16/17
| 11.04 Uhr

Schaaf in Hannover, Kurt in Berlin
Die Neuen in der Bundesliga – Wintertransfers im Check

Die Wintertransfers der Bundesligisten
Die Wintertransfers der Bundesligisten FOTO: dpa, geb nic
Düsseldorf. Eine Ewigkeit dauert in der Bundesliga ziemlich genau 14 Jahre. Diese Zeit bemisst sich an der Verweildauer von Trainern bei Werder Bremen. Otto Rehhagel und Thomas Schaaf brachten so eine Ewigkeit bei Werder zu. Ewige Trainer tun sich bei anderen Klubs schwer, sie bleiben dort meist nicht sehr lange. Rehhagel flog bei den Bayern nach nicht einmal einer Spielzeit raus, Schaaf trat bei Eintracht Frankfurt nach einer Saison zurück. Nun versucht er es noch einmal. Er ist der prominenteste Neue bei Hannover 96. Und er soll den Abstieg vermeiden. Von Robert Peters

Dabei soll Hugo Almeida (31) helfen. Schaaf kennt den portugiesischen Stürmer aus Bremer Zeiten. Das hat er mit Christian Schulz gemeinsam, der ebenfalls zu Schaafs Werder-Kader gehörte. Wahrscheinlich teilt der Trainer die Ansicht von Schulz, Almeida habe "einen Schuss wie ein Pferd". Derartige Urgewalt könnte wichtig werden. Zweifel an Almeidas Fitness werden bewusst ignoriert.

Vielleicht kann er dennoch für Schlagzeilen sorgen. Sinan Kurt (19) hat das schon getan. Zum ersten Mal, als er sich für stolze 1,1 Millionen Euro von Bayern München abwerben ließ. Sein Klub Borussia Mönchengladbach war nicht besonders amüsiert. Die Bayern letzten Endes aber auch nicht. Im vergangenen Sommer trat Kurt nämlich noch einmal ins Licht der Öffentlichkeit. Mit ein paar Kumpels charterte er im Urlaub einen Helikopter, weil er unbedingt schnell mal von Cannes nach St. Tropez reisen musste. Er kam daraufhin nicht einmal mehr im Regionalligakader der zweiten Münchner Mannschaft zum Zuge. Bei Hertha BSC versucht er einen Neuanfang. Er ist jetzt ungefähr da, wo er vor zwei Jahren in Mönchengladbach war.

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Sein alter Klub hat eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Er spielt inzwischen in einer Liga mit anderen Europapokal-Bewerbern und kann sich erstaunliche Ablösesummen leisten. Im Winterschlussverkauf kamen Jonas Hofmann (23/Borussia Dortmund/acht Millionen) und Martin Hinteregger (23/RB Salzburg/2,5 Millionen Euro Leihgebühr). Hinteregger soll den Mönchengladbacher Spektakel-Fußball als Verteidiger vor zu viel Gegentor-Spektakel bewahren. Hofmann gilt als eines der großen Talente auf der offensiven Außenbahn. Er träumt davon, zum Auftakt seinen alten Kollegen von Borussia Dortmund "weh zu tun". So böse ist das Berufsfußballer-Leben.

Schalke greift für Schöpf tief in die Tasche

Alessandro Schöpf (22) kennt es bislang eher aus der zweiten Reihe. Bei Bayern München konnte er sich als junger Kerl nicht durchsetzen, beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg gehört die Offensivkraft zu den prägenden Figuren des vergangenen Halbjahres. Schalke 04 hat den Österreicher für fünf Millionen Euro verpflichtet. Er gilt als bescheidener Knabe. Lediglich zum Einstand in der Schalker Kabine ließ er sich zu lauten Tönen hinreißen. Er sang "Hey Baby" von DJ Ötzi.

Über die Gesangskunst von Filip Mladenovic (24) ist noch nichts überliefert. Dafür wissen die Verantwortlichen beim 1. FC Köln, dass sie einen begabten linken Verteidiger verpflichtet haben. Er gilt als Vertretung für Nationalspieler Jonas Hector und möglicherweise als dessen Nachfolger, wenn die Engländer im Sommer das dicke Scheckbuch auspacken.

Aussichten auf einen Transfer nach England hat Kevin Großkreutz (27) wahrscheinlich nicht. Nach einem von seltsamen Pannen begleiteten Ausflug zu Galatasaray hat er beim VfB Stuttgart angeheuert. In Istanbul durfte er nicht spielen, weil Transferfristen verpasst worden waren. Und er hatte so schreckliches Heimweh, dass er fast jedes Wochenende nach Dortmund flog. Das soll er nun nicht mehr machen. Sein Trainer Jürgen Kramny setzt auf Großkreutz. Sicher mehr als Bundestrainer Joachim Löw. Der hat seinem ehemaligen Schützling gerade öffentlich die Leviten gelesen und eine Zukunft des Dortmunders in der Nationalelf kategorisch ausgeschlossen. Er habe "nur begrenzt Verständnis dafür", wie Großkreutz "mit seiner Karriere umgegangen ist". Der Spieler muss beweisen, dass diese Laufbahn nicht schon zu Ende ist. Eine Ewigkeit Zeit wie Schaaf in Bremen hat er nicht.

Quelle: RP
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