Machtkampf bei Bayern München: Toni oder van Gaal - einer muss gehen
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 16.11.2009 - 12:30Düsseldorf (RPO). Rekordmeister Bayern München kommt nicht zur Ruhe. Zur sportlichen Krise gesellen sich interne Probleme. Besonders brisant: das Verhältnis zwischen dem kritisierten Trainer Louis van Gaal und Weltmeister Luca Toni.
Schon vor dem Amtsantritt des Niederländers im Sommer wurde darüber spekuliert, ob der italienische Star-Stürmer in das taktische Konzept von van Gaal passen würde, zumal die Bayern in Mario Gomez und Ivica Olic zwei namhafte Konkurrenten für die Offensive verpflichteten. Der Aufstieg von Talent Thomas Müller und der spätere Zukauf von Arjen Robben verschärften den Kampf um die Stammplätze im Bayern-Angriff abermals.
Anfangs verletzt, fand der nicht gerade pflegeleichte Egozentriker Toni keinerlei Beachtung vom neuen Übungsleiter. Für die Diva, in den vergangenen zwei Spielzeiten treffsicherster Bayern-Angreifer, eine völlig neue Erfahrung, auf die er zunächst leicht beleidigt reagierte. Das Verhältnis der beiden Platzhirsche litt weiter, als Disziplin-Fanatiker van Gaal im Trainingslager darauf bestand, dass Toni sich zum gemeinsamen Mittagessen umziehen musste, da er das falsche T-Shirt angezogen hatte.
Gegensätze ziehen sich nicht immer an
Schon damals war klar: Der lässige Italiener und der strenge Niederländer - das passt nicht. In der Folgezeit wurde es still um Toni. Van Gaal ließ den lange verletzten Star links liegen, dieser trainierte hart, um den physischen Rückstand aufzuarbeiten und kickte sogar zwei Mal in der von Mehmet Scholl trainierten Zweitvertretung der Bayern in der 3. Liga. Dennoch beorderte van Gaal Toni erst Mitte Oktober erstmals in die Startformation der Bayern.
Der Italiener spielte daraufhin regelmäßig und es sah so aus, als ob sich die beiden zu einer Zweckgemeinschaft zusammenraufen würden. Doch dann kam die Auswechslung Tonis gegen Schalke - und der vorzeitige Abgang des Italieners, der dafür vom Vorstand zur Kasse gebeten wurde. 10.000 Euro Geldstrafe musste Großverdiener Toni, der sich umgehend für sein Fehlverhalten entschuldigte, berappen.
Kritik am Coach
Doch wer damit rechnete, dass nun ein Schlussstrich unter die Privat-Fehde zwischen Stürmer und Trainer gezogen wurde, wurde umgehend enttäuscht. Auf seiner Internetseite griff der italienische Weltmeister seinen Trainer an und gab ihm die Schuld für die vorangegangene Aktion. Seine Flucht aus dem Stadion sei das Resultat der "Zermürbung von vier langen Monaten voller Entbehrungen und Unverständnis mit dem aktuellen Trainer", schrieb Toni.
Van Gaal, der schon vor dem 1:1 gegen Schalke durch zwei Niederlagen in der Champions League gegen Girondins Bordeaux stärker unter Druck geriet, wackelt mittlerweile bedrohlich. Toni hat die Situation erkannt und geht im Machtkampf aufs Ganze. Im Winter wird wohl einer der Streithähne den Klub verlassen. Toni oder van Gaal - es kann nur einen geben.
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