1. Bundesliga 17/18
| 08.00 Uhr

Jahrhunderttor wird 40
Klaus Fischers Fallrückzieher für die Ewigkeit

Die Karriere des Klaus Fischer
Die Karriere des Klaus Fischer FOTO: dpa, au nic
Dortmund. Vor 40 Jahren glückte Klaus Fischer ein Fallrückzieher für die Ewigkeit. Am Mittwoch blickte auch der ehemalige Weltklassestürmer darauf zurück.

Klaus Fischer lag wie ein Käfer auf dem Rücken und jagte vergeblich den Ball. Statt im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund seinen legendären Fallrückzieher an einer eigens dafür angefertigten Scheibe erfolgreich nachzustellen, schlug der 67-Jährige serienweise Luftlöcher. "Der Ball hängt zu weit oben", lamentierte der einstige Torjäger. Das konnte ihm die gute Laune aber nicht verderben. Fischer hat seine Fußball-Geschichte bereits geschrieben, am Donnerstag wird sein Jahrhunderttor 40 Jahre alt.

Am 16. November 1977 ging beim 4:1 im Länderspiel in Stuttgart gegen die Schweiz alles sehr schnell. Rüdiger Abramczik startete in der 59. Minute einen seiner gefürchteten Läufe auf der rechten Seite und flankte in den Strafraum. Fischer stieg hoch, nahm den Ball im Strafraum quer in der Luft liegend an und drosch ihn ins Gehäuse. Tor des Monats, Tor des Jahres, Tor des Jahrzehnts und schließlich sogar Tor des Jahrhunderts. Die Ehrungen nahmen kein Ende.

"Das ist schon eine besondere Gabe", sagte Klaus Fischer am Mittwoch in Dortmund mit stolzem Blick, "neben hartem Training braucht man auch das entsprechende Talent." Das hatte Fischer. Es war schließlich nicht sein einziger Fallrückzieher, der sein Ziel fand. Auch im WM-Halbfinale am 8. Juli 1982 glückte ihm gegen Frankreich ein solcher Coup zum 3:3 in der Verlängerung.

"So einen Fallrückzieher kann nicht jeder", sagte Fischer dem SID und verriet das Erfolgsrezept: "Die Flanke muss immer von rechts kommen, damit es klappt." So wie auch 1977 und wie seitdem in dieser Form nicht mehr. Auch Fischer selbst wartet auf einen Nachahmer. "Es wäre schön, wenn ein aktueller Spieler nachziehen würde." Wen er dazu für fähig hält? Keine Antwort.

Klaus Fischer nur auf seine Fallrückzieher zu reduzieren, würde ihm bei weitem nicht gerecht werden. "Das macht mich zwar stolz", sagte Fischer immer wieder, verwies aber stets darauf: "Ich habe in meiner Karriere 268 Tore erzielt." Damit ist er bis heute zweitbester Bundesliga-Torschütze hinter Gerd Müller (365).

Über 1860 München landete er 1970 bei Schalke 04, wo er elf Jahre tätig war und zum Führungsspieler reifte. Dunkel schwebt über seiner Karriere der Bundesliga-Bestechungsskandal von 1971. Schalke kassierte für eine 0:1-Heimniederlage gegen die abstiegsbedrohte Arminia aus Bielefeld 40.000 Mark. "Was waren wir dumm, ein Spiel für 2300 Mark pro Mann zu verlieren. Wir bekamen doch schon 2000 Mark Siegprämie", sagte Fischer, dessen Sperre später von lebenslang auf ein Jahr reduziert wurde.

Erst am 27. April 1977 durfte Fischer seinen Einstand in der Nationalelf feiern, am Ende hatte er 45 Länderspiele auf dem Konto - und seine Fallrückzieher.

(ems/sid)
 
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