Bayer Leverkusen: Trainer Dutt bleibt ein Fremder bei Bayer
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 24.01.2012 - 10:00Leverkusen (RP). Robin Dutt wirkte seltsam teilnahmslos, als die Sprache auf mögliche Verstärkungen kam. Bis zum 31. Januar hat Bayer Leverkusen – wie ja alle anderen Klubs der Fußball-Bundesliga – die Möglichkeit, seinen Kader zu ergänzen. Vereinschef Wolfgang Holzhäuser hatte ganz zart angekündigt, dass der auch noch in der Champions League beschäftigte Klub auf dem Transfermarkt aktiv werden wird: "Sollte sich kurzfristig eine sinnvolle und auch für uns bezahlbare Verstärkung von außen anbieten, dann werden wir sicher auch noch nachlegen."
Nach dem schmeichelhaften 3:2-Sieg zum Rückrundenauftakt gegen den FSV Mainz 05 beteiligte sich Dutt an der öffentlichen Diskussion um Verstärkungen nicht. Während andere Kollegen entweder auf Schwachstellen im Aufgebot hinweisen oder sich schützend vor den Bestand an Spielern stellen, verhält sich Dutt passiv. Sportdirektor Rudi Völler und sein für das "Kadermanagement" (Dutt) zuständige Team werden mit Blick auf die bis in den Mai dauernde Saison schon das Richtige tun, gab er zu verstehen.
Nicht nur in diesem Zusammenhang wirkt Robin Dutt nach sieben Monaten in Leverkusen wie ein Fremder. Auch mit den speziellen Ansprüchen des Publikums ist er noch nicht vertraut. Er wunderte sich darüber, dass die Zuschauer nach dem Abpfiff pfiffen, obwohl die Mannschaft doch gewonnen und sogar den Rückschlag von zwei Gegentreffern binnen drei Minuten verarbeitet hatte. "Die Reaktion der Zuschauer hier ist neu für mich", sagte Dutt und schob eine Portion Sarkasmus hinterher: "Wir arbeiten an der Serie von zehn 3:0- oder 4:0-Siegen. Und schaffen wir das, wird es auch für uns Applaus geben."
Das Leverkusener Publikum ist verwöhnt. Es erinnert sich gern an die ein Jahrzehnt zurückliegenden goldenen Jahre mit Emerson und Zé Roberto, Bernd Schneider und Michael Ballack. Diese Erinnerung erklärt auch die Pfiffe bei Ballacks Auswechslung nach einer Stunde. Viele sehen in dem Ex-Nationalspieler noch die gute, alte Zeit. Die Pfiffe richteten sich nicht gegen den schwachen Ballack, den Sportchef Völler schon zur Halbzeit vom Platz genommen hätte, sondern gegen Trainer Dutt.
Der Coach hat augenscheinlich nicht begriffen, dass es ungeschickt ist, sich auf die Bank zurückzuziehen, wenn er den "Capitano" auswechselt und ihm nicht brüderlich die Hand reicht. Die überwunden geglaubte Diskussion um das Verhältnis zwischen dem Trainer, der nie als Profi spielte, und dem ehemaligen Weltstar flammt damit wieder auf.
Dutt dürfte sich an früheren Geburtstagen entspannter zurückgelehnt haben. Heute wird er 47 Jahre alt.
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