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| 18.49 Uhr

Poker um TV-Rechte
Bundesliga bleibt im Free-TV – nur wo?

Rückblick: Die TV-Rechte in der Bundesliga seit 1965
Rückblick: Die TV-Rechte in der Bundesliga seit 1965 FOTO: dapd, dapd
Frankfurt/Main. Im Milliardenpoker um die TV-Rechte bleibt der traditionelle Fußball-Vorabend am Samstag offenbar unangetastet. Laut des Fachmagazins "kicker" hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) in Absprache mit den Wettbewerbshütern vom Bundeskartellamt von einer Beschneidung des Free-TV-Angebots Abstand genommen – in Millionen deutschen Wohnzimmern soll auch künftig 90 Minuten lang frei empfangbarer Bundesliga-Fußball laufen. Die Frage ist nur: Wo?

Neben der ARD, deren Sportschau seit 55 Jahren zu den absoluten TV-Institutionen gehört, wird aller Voraussicht nach auch RTL (von 1988 bis 1992 Rechteinhaber) in den Bieterwettstreit einsteigen. Auch vom US-Medienriesen Discovery, der in Deutschland mit dem Sender Eurosport vertreten ist, ist die Rede. Der Olympia-Rechteinhaber gehört aber auch zu den Kandidaten für die Pay-TV-Pakete. Für die DFL kann der Wettbewerb eigentlich nur Vorteile haben.

Für das offizielle Ziel "Eine Milliarde plus x" für die Gesamtvermarktung (In- und Ausland) müssten für die Rechte ab der Saison 2017/18 bis zur Spielzeit 2020/21 auch die Einnahmen aus dem Free-TV-Bereich steigen. Von den 673 Millionen Euro, die in der kommenden Saison für die nationalen TV-Rechte an die Klubs fließen, zahlt die ARD dem Vernehmen nach rund 100 Millionen – im neuen TV-Deal sollten es schon mindestens 30 Millionen Euro mehr pro Jahr sein. In die heiße Phase tritt das Wettbieten in den kommenden Wochen ein.

"Wir bewerten derzeit das Angebot und die Stellungnahmen" der interessierten Bieter, teilte ein Sprecher des Kartellamts dem Sport-Informations-Dienst mit: "Ziel ist es, das Verfahren möglichst bald abzuschließen." Die Marktbefragung ist seit Montag formal abgeschlossen, (weitere) Verzögerungen soll es nicht geben. Bis zum Anpfiff der EM 2016 in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) sollen die TV-Rechte vergeben werden.

Fehlende Olympia-Rechte könnten die Sportschau retten

Zuletzt war berichtet worden, die DFL wolle alternativ zum traditionellen Samstagabend ein Rechtepaket für die zusammenfassende Berichterstattung über 45 Minuten ausschreiben, um im Gegenzug den Rechteinhabern auf dem Pay-TV-Markt mehr Exklusivität zu verschaffen und damit auf diesem Sektor höhere Einnahmen zu erzielen. Um die Sportschau zu promoten, hatte die ARD, die nach der Olympia-Pleite gegen Discovery stark unter Zugzwang steht, in den vergangenen Monaten eine Werbeoffensive bei den Bundesligisten gestartet. Wie viel Geld der DFL die Tradition am Ende wert ist, ist offen. Allerdings dürfte die ARD gerade wegen der verlorenen Olympia-Rechte über ordentlich Rücklagen verfügen.

Im Pay-TV-Bereich zeichnet sich für die Vergabe der Kernpakete ein Duell zwischen Sky und der Telekom ab. Mit Amazon und/oder Discovery könnten aber noch weitere Big Player einsteigen. Ebenfalls entgegen der im Juli 2015 bekannt gewordenen Pläne sollen statt der ursprünglich acht Rechtepakete maximal nur sechs zur Ausschreibung kommen.

Diese könnten den Fans dann noch mehr Einblicke gewähren. Offenbar sieht ein Szenario vor, den Rechte-Inhabern künftig deutlich mehr exklusive Inhalte zu garantieren. Dazu gehören unter anderem Exklusiv-Interviews unter der Woche mit Spielern und Trainern sowie spezielle Angebote für Rechte-Inhaber aus dem Ausland.

Als weiteres Detail sind Interviews mit den Trainern schon bei der Ankunft des Teambusses am Stadion geplant – und nicht wie bisher erst beim Aufwärmen der Mannschaften am Spielfeldrand. So könnte der übertragende Sender früher mit seiner Berichterstattung beginnen.

Nur leicht verändert werden soll in diesen der Spielplan. "Im Kern wird sich nicht so schrecklich viel ändern", hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zuletzt mit Blick auf die Anstoßzeiten geäußert: "Aufgrund des Terminplans der Europa League wird es aber nicht nur an fünf Sonntagen drei Spiele geben. Es wird zehn Spiele mehr geben, fünf am Sonntag, fünf am Montag. In der 2. Liga wird es am Freitag ein Spiel weniger geben, das wird auf den Samstag verlegt."

Auch mit Blick auf die englische Premier League, wo die Klubs ab der kommenden Saison 3,2 Milliarden Euro kassieren, sollen zudem die Auslandserlöse steigen. Dafür dürften die Klubs auch weiterhin Trainingslager weit entfernt der Heimat buchen, um die Liga auch in den letzten Ecken der Welt bekannt zu machen.

(sid)
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