1. Bundesliga 16/17
| 12.46 Uhr

Milliarden-Poker
TV-Rechte im Fokus: Traum von "englischen Verhältnissen"

Übersicht: Das kosten die TV-Rechte der Bundesliga seit 1965
Übersicht: Das kosten die TV-Rechte der Bundesliga seit 1965 FOTO: dapd, dapd
Die Deutsche Fußball Liga startet am Dienstag festlich ins neue Jahr - und 2016 wird nicht ganz einfach. Es geht um Machtkämpfe und Milliarden.

Es geht um Milliarden - und alle wollen sie haben. Beim traditionellen Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Dienstag im Frankfurter Palais Thurn und Taxis (ab 11.30 Uhr) wird zwischen Stehtischen und festlichem Menü vor allem über ein Thema debattiert: Wie weit sind die DFL-Macher um Geschäftsführer Christian Seifert mit dem neuen Mega-TV-Vertrag, der ab 2017 irgendwie alle zufriedenstellen muss? Von "englischen Verhältnissen" wird die Bundesliga allerdings in jedem Fall nur träumen können.

"Wir brauchen mehr Geld - nicht nur Bayern München, sondern die gesamte Bundesliga", hatte unlängst Karl-Heinz Rummenigge gefordert. Und mehr Geld heißt nicht nur für den Vorstandschef des Rekordmeisters (viel) mehr als die bis zu 850 Millionen Euro, die in der laufenden Saison aus den Medienerlösen in die Klub-Kassen fließen. Zum Vergleich: In der englischen Premier League werden ab der kommenden Spielzeit 3,2 Milliarden Euro verteilt.

Ausschlaggebend für den nächsten großen Millionen-Sprung (vor zehn Jahren gab es insgesamt nur rund 425 Millionen Euro) wird auch eine Entscheidung des Bundeskartellamts sein. Die Wettbewerbshüter in Bonn prüfen immer noch die offensichtlich von einigen Interessenten geforderte Einführung einer sogenannten "No Single Buyer Rule", also einer Vorschrift, dass nicht nur ein großer Rechteinhaber die Exklusivrechte erhalten darf. Auf der Insel profitierte die Liga von einem gnadenlosen Bieter-Wettstreit der TV-Riesen British Telecommunications und Sky, die sich nun die Rechte teilen.

Die TV-Einnahmen der Bundesliga-Klubs

Das Kartellamt befinde sich "nach wie vor im konstruktiven Dialog mit der DFL", teilte die Behörde auf SID-Anfrage mit. Wann die Prüfung des Vermarktungsmodells abgeschlossen sein wird, könne derzeit nicht abgeschätzt werden. Erst im Anschluss kann die offizielle Ausschreibung beginnen. In der werden aller Voraussicht nach auch "unpopuläre" Maßnahmen (Seifert) enthalten sein. Auch weitere Modifizierungen des Spieltags (maximal fünf zusätzliche Montagsspiele und fünf zusätzliche Sonntagsspiele pro Saison) vor allem zugunsten der Europapokal-Starter wird diskutiert.

In Deutschland hat noch kein Konkurrent für Pay-TV-Rechteinhaber Sky den Hut in den Ring geworfen. "Die Bundesliga und die 2. Bundesliga gehören zu den Kernrechten der Sport1 GmbH und spielen eine entsprechend wichtige Rolle im Programm", sagte Olaf Schröder, Vorstand Sport der Constantin Medien AG sowie Vorsitzender der Geschäftsführung der Sport1 GmbH, wo derzeit die 2. Liga und am Sonntag eine Bundesliga-Zusammenfassung läuft, dem SID: "Mit Blick auf die nächste Rechteperiode ist es unser Ziel, den Status quo mindestens zu halten. Sollten sich darüber hinaus weitere Möglichkeiten bieten und sollten diese finanziell vertretbar sein, wären wir natürlich auch daran interessiert."

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sprach schon im Herbst von der "größten Schlacht, die man je erlebt hat". Er glaube, dass "es so viele Markteilnehmer wie noch nie geben wird, die sich für diese Rechte interessieren", sagte Balkausky im ZAPP-Interview. Dies gilt aber hauptsächlich für den Markt hinter dem Pay-TV.

Das bekommen die europäischen Top-Ligen

Wachstumspotenzial sieht die Liga weiterhin vor allem im Ausland - und fordert dafür gute Werbung. "Die internationale Vermarktung bleibt eines der wichtigsten wirtschaftlichen Wachstumsfelder für die Zukunft. Deshalb ist es unerlässlich, dass die Vereine weltweit noch mehr Präsenz zeigen - zum Beispiel in Form von Auslandsreisen", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball der Bild-Zeitung.

Der Jurist, in Personalunion Präsident von Borussia Dortmund und Interimschef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wird auch in einem zweiten Spannungsfeld 2016 eine Hauptrolle spielen. Noch vor der EURO 2016 soll ein neuer DFB-Präsident gewählt werden. Der vorschnelle Vorschlag der Amateure, DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel schnellstmöglich zu befördern, stieß im Profifußball zunächst auf heftigen Gegenwind. Zwar haben sich inzwischen die Wogen etwas geglättet, noch ist der Tag der Wahl aber auch nicht gekommen.

(sid)
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