1. Bundesliga 16/17
| 14.55 Uhr

Mahnende Worte in Richtung Sender
DFL-Boss Seifert erhöht Druck auf TV-Partner

Niersbach erscheint beim Neujahrsempfang der DFL
Niersbach erscheint beim Neujahrsempfang der DFL FOTO: dpa, ade jai
Frankfurt/Main. Nach den Horror-Monaten, in denen die Skandale im Spitzensport "Wunden gerissen" und "Narben" hinterlassen haben, startet der deutsche Profifußball in ein wegweisendes Jahr 2016 – und erhöht gleich den Druck.

"Wir tun alle gut daran, uns wieder daran zu erinnern, dass nicht wir den Sport gemacht haben, sondern er uns", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL), bei dem die Fifa-Krise, die WM-Affäre und der Terror von Paris immer noch allgegenwärtig waren.

2015 sei "ein schweres Jahr" gewesen, auch und insbesondere für den deutschen Fußball, sagte der DFL-Boss: "Vieles wirkte irritierend, manches auch verstörend. Diese Narben werden vielleicht wieder aufbrechen und noch lange schmerzen. Alle Verantwortlichen sind gefordert, die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen."

Für die DFL geht es dabei um Milliarden. 2016 soll der neue TV-Vertrag abgeschlossen werden, Seifert hob im festlichen Palais Thurn und Taxis mahnend den Zeigefinger in Richtung der Interessenten. "Unser Ziel, dass die Bundesliga Weltklasse sein soll, müssen unsere Medienpartner kennen", sagte er: "Wer nicht bereit ist, in die Bundesliga zu investieren, kann auf Dauer kein Medienpartner sein."

"Medienvertrag der Premier League nicht zu erreichen"

Seifert machte allerdings noch einmal deutlich, dass er die Bundesliga nicht komplett umkrempeln möchte, um höhere Einnahmen zu generieren. "Die DFL strebt den bestmöglichen Abschluss an. Der Medienvertrag der Premier League ist aber nicht zu erreichen", sagte der Geschäftsführer: "Wir werden die Bundesliga nicht in ihren Grundfesten erschüttern, um einem Umsatzphantom hinterher zu jagen."

Nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes könnte es künftig aber gravierende Änderungen bei der Bundesliga-Berichterstattung im Fernsehen geben. So ist der Privatsender RTL offenbar stark daran interessiert, der ARD die "Sportschau" abzujagen und die Berichterstattung im Free-TV zu übernehmen.

Auch die DFL selbst plant Änderungen, um mehr Geld zu generieren. So sieht ein Szenario vor, den Rechte-Inhabern künftig viel mehr exklusive Inhalte zu garantieren. Die Bundesligisten hoffen darauf, bei den Verhandlungen über die TV-Rechte ab der Saison 2017/18 erstmals die Milliarden-Schallmauer durchbrechen zu können. Die Premier League wird ab der kommenden Saison 3,2 Milliarden Euro pro Spielzeit kassieren.

Rauball hofft auf erfolgreiche EM

Dass mehr Geld nicht mehr sportliche Qualität bedeutet, soll bestenfalls die Europameisterschaft im Sommer zeigen. "Sportlich hoffe ich, dass es für unsere Mannschaft so weit wie eben möglich geht und wir eine blendende Rolle spielen", sagte DFB-Interimschef und Ligapräsident Reinhard Rauball, der auch die Anschläge während des Länderspiels Ende 2015 in Paris ansprach: "In Frankreich erwarte ich, dass es eine friedliche Veranstaltung wird, frei von Angriffen von außen."

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maiziere, der in Frankfurt/Main zu Gast war, sei "ganz sicher, dass Frankreich alles unternimmt, damit die EM sicher, friedlich und fröhlich stattfinden" werde. "Wir dabei in bewährter Manier alles tun, um Frankreich dabei zu unterstützen. Die Begeisterung ist geblieben."

Für mehr positive Schlagzeilen beim arg krisengeschüttelten Weltverband Fifa soll nach Wunsch des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino auf den Präsidentenstuhl rücken. "Ich werde dem DFB-Präsidium empfehlen, Gianni Infantino als den Kandidaten zu wählen, den wir unterstützen wollen", sagte Rauball am Dienstag. Die DFB-Spitze trifft sich am Mittwoch (20. Januar) in Frankfurt/Main.

Infantino, einer von fünf Kandidaten am 26. Februar in Zürich, sei "einer, der das Geschäft von der Pike auf kennt", sagte Rauball beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL): "Er ist aus einer neuen Generation und vernetzt wie kaum ein Zweiter in der Branche." Allerdings schränkte der Jurist auch ein: "Wir haben nur eine von 209 Stimmen."

(sid)
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