1. Bundesliga 17/18
| 16.18 Uhr

Ultras gegen DFB
Der weite Weg zum Dialog

Fans protestieren weiterhin gegen den DFB
Fans protestieren weiterhin gegen den DFB FOTO: dpa, pst kno
Meinung | Düsseldorf. Die Hoffnung stirbt bekanntlich auch im Fußball zuletzt. Aber die Hoffnung auf einen fruchtbaren Dialog zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Ultras zum Verhalten auf den Rängen musste schon am ersten Spieltag der neuen Saison auf die Intensivstation verlegt werden. Von Stefan Klüttermann

Wer immer gehofft hatte, im Sinne des Fußballs würden beide Seiten dann doch über ihren großen Schatten springen und im Rahmen mitteleuropäischer Umgangsformen den Weg zurück zu einem Miteinander suchen, wurde jedenfalls enttäuscht. Die Ultras selbst hatten jedenfalls für alle hörbar und sichtbar keine Lust, auf den in den Tagen vorher vom DFB lancierten Vorstoß zum Verzicht auf Kollektivstrafen zu reagieren. In einer verabredeten Aktion hingen in den Fankurven der Stadien Plakate, die den Verband in unmissverständlicher Form dazu aufforderten, doch lieber Geschlechtsverkehr mit sich selbst zu praktizieren, als ein Entgegenkommen zu erwarten. Nur begeisterte Zyniker stellten danach heraus, im Vergleich mit den Plakaten "Krieg dem DFB!" vom Ende der Vorsaison sei der Vorschlag mit dem Geschlechtsverkehr doch nachweislich ein Akt der Deeskalation.

Und was macht der DFB? Er gibt ausgerechnet in Person seines Präsidenten Reinhard Grindel direkt beim Saisoneröffnungsspiel am Freitagabend in München eine denkbar schlechte Figur ab. Denn Grindel erklärte in der Halbzeit im ZDF-Studio auf die Feststellung, er sei ja trotz des draußen tobenden Unwetters trocken: "Das sind die Vorzüge einer VIP Loge." Es ist ein Satz, mit dem die Ultras kaum besser hätten zusammenfassen können, warum ihnen der heutige Fußball so verhasst ist.

Apropos Hass. Timo Werners Auftritt mit RB Leipzig war für Schalkes Fans ein erwartbar rotes Tuch und die 90 Minuten für den Nationalspieler ein Spießrutenlauf. Dass Schalker Verantwortliche diese Atmosphäre vor Spielbeginn noch befeuerten, indem sie bei der Leipziger Aufstellung Werner ohne Foto zeigen, weil es – Begründung – kein aktuelles gebe, ist lächerlich, ja fahrlässig. Denn eines braucht der Fußball dieser Tage ganz sicher nicht: noch mehr Schärfe.

 
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