Bayern-Coach fordert Trainer-Transferfenster: Van Gaal: "Das ist ja Wettbewerbsverzerrung!"
zuletzt aktualisiert: 18.03.2011 - 13:54München (RPO). Bayern Münchens Trainer Louis van Gaal hat die jüngsten Trainer-Rochaden in der Fußball-Bundesliga heftig kritisiert. "Die Welt ist verrückt! Es kann doch nicht sein, dass das passieren kann", sagte der Niederländer über die Wechsel von Ralf Rangnick zu Schalke 04 und Felix Magath zum VfL Wolfsburg - und bekam Zustimmung von höchster Stelle. "Was im Moment in der Bundesliga passiert, ist verrückt. Der Fußball ist irrational, aber zur Zeit ist da wirklich sehr viel Bewegung, das ist ja fast ein Zirkus", ergänzte "Kaiser" Franz Beckenbauer.
"Es gibt auch ein Transferfenster für Spieler, ich denke, dass das auch für Trainer gelten müsste. Es ist doch nicht normal, dass Magath erst bei Schalke war und jetzt in Wolfsburg ist, und Rangnick bei Hoffenheim und jetzt bei Schalke. Das ist ja Wettbewerbsverzerrung", sagte van Gaal am Freitag weiter: "Wir haben gegen Wolfsburg gespielt, und da war noch ein anderer Trainer. Ein Trainer ist auch bestimmend für eine Mannschaft."
Labbadia und Heynckes gleicher Meinung
Ähnlich sieht es Bruno Labbadia, Trainer des abstiegsbedrohten VfB Stuttgart. "Das Geschäft hat sich verändert. Das ist für die Vereine nicht optimal. Der Druck wird immer größer", sagte er mit Blick auf die Wechsel von Magath nach Wolfsburg und Ralf Rangnick zu Schalke 04. Er selbst wäre "auch mal gerne eine längere Zeit bei einem Verein - natürlich beim VfB", sagte der frühere Torjäger, der zuletzt in Leverkusen und Hamburg vorzeitig entlassen worden war.
Auch Leverkusen-Trainer Jupp Heynckes zeigt wenig Verständnis. "Die Klubs machen das ja mit", sagte Heynckes, der am kommenden Montag über seine Zukunft entscheiden soll. Ein fliegender Wechsel wie Magaths Rückkehr von Schalke nach Wolfsburg käme für ihn nicht infrage: "Ich würde es nicht machen, in einer Saison bei zwei Klubs zu arbeiten." Heynckes wird als neuer Trainer in der nächsten Spielzeit in München gehandelt.
Van Gaal selbst schloss eine derartige Vorgehensweise aus. "Magath macht das, Rangnick macht das. Es ist doch verrückt. Ich habe das noch nie gemacht", betonte der 59-Jährige und verwies auf seine Entlassungen beim FC Barcelona und bei der niederländischen Nationalelf. Danach habe er jeweils eine mehrmonatige Pause eingelegt.
Van Gaal habe schon Angebote
Van Gaal und die Bayern werden am Saisonende getrennte Wege gehen. Der Trainer will danach ein "Sabbat-Jahr" nehmen. Er habe zwar schon seit November einige Angebote erhalten, "aber die Vereine können sich 2012 wieder melden". Bei der derzeitigen Entwicklung stelle er sich die Frage, "ob das gut für den Fußball ist".
Viel mehr Gedanken macht sich van Gaal derzeit aber, wie er seine Mannschaft nach dem bitteren Champions-League-Aus gegen Inter Mailand vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) beim SC Freiburg aufrichten kann. Er hoffe, dass die Spieler nach vielen Gesprächen und leicht veränderten Trainingseinheiten "wieder da sind. Wir haben noch ein großes Ziel: Wir wollen nicht in der Euro League spielen, wir wollen in die Champions League. Wenn das Finale in München ist, dann müssen wir eine Chance haben, um den Titel zu streiten. Wir müssen die Qualifikation erzwingen."
"Ein verlorenes Jahr"
Beckenbauer klagte einmal mehr über "ein verlorenes Jahr. Man hat sicherlich Fehler gemacht. Einer war, sich in der Winterpause nicht weiter zu verstärken", monierte der Ehrenpräsident des FC Bayern: "Realistischerweise kann es nur noch um den dritten Platz gehen, aber das ist machbar."
Derzeit liegen die Münchner noch zwei Punkte hinter Platz drei bei acht ausstehenden Spielen. Für van Gaal ist es "ein bisschen utopisch", jedes Spiel zu gewinnen, "aber wir werden es versuchen". Nach dem 2:3 gegen Inter waren Arjen Robben und Daniel van Buyten angeschlagen. Der Bayern-Coach rechnet aber in Freiburg mit beiden Spielern.
Für Schlagzeilen hatte Robben in den letzten Tagen gesorgt, als er erklärte, auf die Europa League keine Lust zu haben. Während Sportdirektor Christian Nerlinger den Superstar als "unverkäuflich" bezeichnete, äußerte Beckenbauer durchaus Verständnis für den Niederländer: "Wenn Arjen Robben darüber nachdenkt, den Verein zu verlassen, wenn die Champions League verpasst wird, dann ist das verständlich. Robben ist schließlich ein Weltklasse-Mann."
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