Bayerns WM-Block: Van Gaal sorgt sich um seine Stars
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 06.07.2010 - 16:06Pretoria (RP). Münchens Trainer Louis van Gaal sieht den Siegeszug seiner Spieler bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika auch mit einem weinenden Auge. Die Vorbereitung auf die Saison ist durch den späten Trainingsbeginn der Stars empfindlich gestört. Psychologen glauben, dass die Spieler nach der WM in ein psychisches Tief fallen.
Der FC Bayern im Jahr 2010, das ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie nur noch von den goldenen Siebzigerjahren und der Saison des Champions-League-Triumphs 2001 übertroffen worden sind. Die Münchner gewannen ihren 22. deutschen Meistertitel, mit dem DFB-Pokalsieg glückte ihnen wieder einmal das Double, und in Europas Königsklasse erreichten sie das Finale gegen Inter Mailand (0:2). Spiegelbild der bayerischen Domäne ist das Kontingent der "Roten" im deutschen WM-Aufgebot.
In Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Thomas Müller, Holger Badstuber, Mario Gomez, Hans-Jörg Butt und Toni Kroos, der aus Leverkusen an die Isar zurückkehrt, stellen sie acht Spieler in der DFB-Auswahl. Kein anderer Klub der Bundesliga ist derzeit in Südafrika mit so vielen Profis vertreten.
Butt
Braafheid, Badstuber, van Bommel, Lahm
Robben, Schweinsteiger, Kroos, Müller
Klose, Gomez
Doch der FC Bayern muss für diese Ausnahmestellung, die seinen ohnehin einzigartigen Ruhm in Deutschland weiter stärkt, auch einen schwerwiegenden Nachteil in Kauf nehmen. Denn dadurch, dass so viele seiner Stars nach dem Einzug der Nationalmannschaft ins WM-Halbfinale erst Mitte nächster Woche ihren Urlaub antreten können, wird die Vorbereitung des Meisters für die neue Saison erheblich beeinträchtigt.
Die hat Trainer Louis van Gaal längst wieder aufgenommen, ohne seine WM-Fahrer, die erst am 2. August ins Training einsteigen können und dann einen immensen Rückstand aufholen müssen. Bis zum Ligastart am 20. August mit dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg haben die WM-Heimkehrer nur zweieinhalb Wochen Zeit. "Das ist nicht gut", betont van Gaal, "das ist ein großes Problem." Um wenigstens vernünftig arbeiten zu können, trainierten die Profis zwei Wochen lang mit der zweiten Mannschaft. Das soll in Kürze wiederholt werden.
Es sind nicht nur die acht deutschen Bayernprofis, die so spät nach München zurückkehren, sondern auch noch die niederländischen Stars, die am Kap mit ihrer "Elftal" die Vorschlussrunde erreicht haben: Münchens Kapitän Mark van Bommel, Arjen Robben und Edson Braafheid, der zuletzt an Celtic Glasgow ausgeliehen war.
Insgesamt ist also für elf Akteure des Rekordmeisters, eine komplette Mannschaft, die durch die Dreifachbelastung mit dem Klub ohnehin äußerst strapaziöse Saison immer noch nicht zu Ende. Lediglich Franck Ribéry hat nach dem unrühmlichen Scheitern der Franzosen in den Gruppenspielen ebenso schon das Kapitel WM beendet wie Abwehrspieler Martin Demichelis durch die 0:4-Niederlage Argentiniens gegen die deutsche Nationalelf in Kapstadt. Ribéry unterzog sich Ende Juni in einer Münchner Klinik einer Leistenoperation.
Folge der Extrembelastung seiner besten Akteure und des Handikaps bei der Vorbereitung auf das Spieljahr 2010/11 könnte sein, dass der Titelverteidiger in der Hinrunde der Bundesliga gegenüber der Konkurrenz im Meisterschaftskampf mehr oder weniger viel an Boden verliert.
Da ist es aus Münchner Sicht nur ein kleiner Trost, dass auch die Bremer (Per Mertesacker, Mesut Özil, Marko Marin, Tim Wiese), Hamburger (Jerome Boateng, Marcell Jansen, Piotr Trochowski, Dennis Aogo) und Stuttgarter (Sami Khedira, Cacau, Serdar Tasci) noch lange auf eine Reihe von Südafrikafahrern verzichten müssen.
Psychologen glauben, dass jeder Spieler, der bei der WM unter großem Druck Erfolge feiern kann (das ist den Deutschen ja unabhängig vom Ausgang des Halbfinales bereits gelungen), nach dem Turnier in ein psychisches Loch fallen wird. Es ist daher für ihre "Heimtrainer" nicht nur schwierig, die körperliche Aufbauarbeit zu leisten. Viel anstrengender ist es, die Motivation wieder aufzubauen. Nicht zufällig haben die meisten Teilnehmer an großen Titelkämpfen in der folgenden Saison Probleme, sich im vergleichsweise grauen Alltag einer nationalen Liga wieder zurechtzufinden. Deshalb sind die Sorgen von Louis van Gaal durchaus berechtigt. Andererseits geben Erfolge auf längere Sicht entschieden mehr Selbstbewusstsein.
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