Bayern München: Van Gaals Baustellen
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 19.08.2009 - 13:04Düsseldorf (RPO). Louis van Gaals Startbilanz als Trainer bei Rekordmeister Bayern München ist alles andere als perfekt. In zwei Bundesligaspielen blieb der Niederländer mit seinem Team ohne Sieg, nur im DFB-Pokal wurde Sechstligist SpVgg Neckarelz mühsam besiegt. Viel Arbeit für den neuen Coach - wir zeigen van Gaals Baustellen auf.
DAS SYSTEM
Van Gaal lässt in München bislang ein 4-4-2 praktizieren, setzt dabei im Gegensatz zu seinen Vorgängern Ottmar Hitzfeld, Jürgen Klinsmann und Jupp Heynckes auf die Raute. Der Spielmacher hinter den zwei Sturmspitzen ist jedoch noch längst nicht gefunden. Im Pokal durfte sich Youngster Thomas Müller auf der "Zehn" versuchen, in der Liga waren Alexander Baumjohann und Jose Sosa an der Reihe. Keiner überzeugte, doch die Kandidaten waren sowieso nur Platzhalter für Franck Ribery. Doch der will lieber auf dem linken Fügel wirbeln.
DER RIBERY-ÄRGER
Die Sommerpause stand ganz im Zeichen eines möglichen Wechsels des kleinen Franzosen. Mal buhlte der FC Chelsea, mal Manchester United, mal der FC Barcelona um seine Dienste, doch die meisten Beobachter vermuteten einen Transfer zu Real Madrid. Doch am Ende blieb er in München, verletzte sich in der Vorbereitung und sorgte bei seinem Debüt gegen Bremen für Ärger, weil er van Gaals taktische Anweisungen boykottierte und sich eigenmächtig auf die linke Seite begab, anstatt in der Mitte das Spiel zu lenken.
DIE VERLETZUNGEN
Beim Saisonstart in Hoffenheim fehlten in Ribery, Martin Demichelis und Luca Toni gleich drei Leistungsträger aus allen Mannschaftsteilen verletzungsbedingt. Nach dem Spiel reihte sich der im Amt als Kapitän bestätigte Mark van Bommel in das Lazarett ein. Ribery feierte schon sein Comeback, Toni steht vor der Rückkehr, jedoch wohl auch auf dem Abstellgleis. Momentan dürfte er nur die Nummer vier im Bayern-Sturm hinter Mario Gomez, Miroslav Klose und Ivica Olic sein.
DIE HIERARCHIE
Van Gaal hat die Strukturen im Kader aufgeweicht, will eine neue schaffen. Führungsspieler Lucio wurde kurz vor Saisonstart an Inter Mailand verkauft, Michael Rensing löste wieder Jörg Butt im Tor ab. Demichelis wurde der junge Holger Badstuber vorgesetzt, Toni droht im Sturm nach der Gomez-Verpflichtung die Bank, auf der Elf-Millionen-Mann Anatoli Timoschtschuk schon saß, ehe sich van Bommel verletzte. Noch fehlt eine klare Hierarchie, die sieben Neuzugänge müssen noch integriert werden.
FEHLENDES BAYERN-GEN
Die Spieler verkörpern derzeit nicht das "Mia san mia"-Gefühl des Rekordmeisters. Das Auftreten, die Körpersprache - irgendetwas fehlt der Mannschaft noch. Nach dem Ausgleich in Hoffenheim und dem Rückstand gegen Bremen wirkte das Team verunsichert, statt wie in der Vergangenheit selbstsicher. Einige Spieler müssen sich noch an den Druck in München gewöhnen.
DIE KONKURRENZ
Die Konkurrenten der Bayern erstarren nicht mehr in Ehrfurcht vor dem Rekordmeister. Die anderen Klubs - angeführt von Meister VfL Wolfsburg - haben Blut geleckt und registriert, dass die Bayern verwundbar sind. Die Werder-Verantwortlichen wollten nach dem Punktgewinn in der Allianz-Arena nicht von einem Erfolg sprechen. Die Brust der Bayern ist schmaler geworden, die der Konkurrenten wächst von Spieltag zu Spieltag.
DAS FAZIT
Bayern-Trainer Louis van Gaal ist nun gefordert. Der Niederländer muss die Renovierungsmaßnahmen am FC Bayern schnellstens abschließen und braucht sofort Erfolgserlebnisse. Denn die Bayern hecheln der Spitze schon um vier Punkte hinterher. Ein auf Dauer nicht tragbarer Zustand an der Säbener Straße.
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