Bayern-Krise in der Fußball-Bundesliga: Van Gaals Fehlerliste wird immer länger
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 22.11.2009 - 21:36Düsseldorf (RPO). Nein, zu einem Lachen war Louis van Gaal nicht mehr aufgelegt. Weder während der zweiten Halbzeit des Top-Spiels der Fußball-Bundesliga, in welchem van Gaals FC Bayern München nicht über ein Unentschieden gegen Spitzenreiter Bayer Leverkusen hinaus kam, noch anschließend vor den Fernsehkameras auf der Pressekonferenz.
Denn Louis van Gaal ist seit Wochen nicht mehr nach Lachen zumute. Das 1:1 gegen Leverkusen war bereits das dritte Unentschieden in Serie, der Rückstand auf die Tabellenspitze beträgt sechs Punkte – der FC Bayern, der Rekordmeister, das Aushängeschild des deutschen Fußballs, hat das Siegen verlernt.
Denn auch in der Champions League droht den Münchnern das Aus. Nach zuletzt zwei Pleiten in der Vorrunde gegen Girondins Bordeaux können die Bayern das Achtelfinale nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. Selbst ein Sieg im Heimspiel gegen Maccabi Haifa (Mittwoch ab 20.45 Uhr im Live-Ticker) nutzt nur dann etwas, wenn Juventus Turin nicht in Bordeaux gewinnt.
An der derzeitigen Situation ist van Gaal aber nicht ganz unschuldig. Denn die Fehlerliste des Niederländers, immerhin Champions-League-Sieger mit Ajax Amsterdam vor 14 Jahren, ist lang.
Pranjic und Braafheid schwach
Es fing schon im Sommer an. In Daniel Pranjic und Edson Braafheid wurden zwei Defensiv-Spieler geholt, die nur Insidern was sagten. Zusammen kosteten der Kroate und der Niederländer, beide Wunschspieler von van Gaal, neun Millionen Euro. Von 13 Bundesliga-Spieltagen machte Pranjic nur sieben Partien, Braafheid immerhin acht. Überzeugt hat bislang keiner.
Doch nicht nur mit "seinen" Spielern hat der Trainer Probleme, sondern auch mit denen, die bereits vor ihm da waren. Die Fehde zwischen van Gaal und Luca Toni wird zur Posse. Nachdem der italienische Weltmeister seinen Coach unter der Woche erneut kritisierte, fand er sich nur auf der Tribüne wieder. Offizielle Begründung: eine Verletzung.
Anhand der Personale Toni lässt sich zudem ablesen, wie wirr van Gaal seine Startaufstellung immer wieder zusammenstellt. Mal ist Toni gar nicht dabei, dann erste Wahl. Ebenso wie Mario Gomez. Wochenlang spricht ihm der Trainer beinahe das Zeug zum Bayern-Stürmer ab, dann bringt er ihn gegen Leverkusen von Beginn an – und lobt ihn plötzlich über den grünen Klee. "Das Tor hat er fantastisch gemacht", sagte der kurz angebundene Trainer vor den TV-Kameras. "Wenn er weiter diese Tore schießt, hat er mein Vertrauen."
Nächstes Beispiel: Alexander Baumjohann. Am ersten Spieltag in Hoffenheim war er von Anfang an dabei. In den folgenden dreieinhalb Monaten pendelte der offensive Mittelfeldspieler zwischen Reserve-Mannschaft und Tribüne. Gegen Leverkusen wurde er ur-plötzlich wieder ins Team geworfen – in der Schlussphase für Stürmer Miroslav Klose, als unbedingt der Siegtreffer gelingen sollte.
Mal Bank, mal erste Wahl
Nächster Kritikpunkt: das System. Ein Stürmer, zwei Stürmer (wie gegen Leverkusen) oder drei Stürmer, zwei offensive Außenbahn-Spieler oder eine Doppel-Sechs – die einzige Handschrift, die bei van Gaal zu erkennen ist, ist die des inkonsequenten Trainers. Anatoli Timoschtschuk, als Führungspieler und zentraler Mittelfeldspieler verpflichtet, ist ebenso wie Toni und Gomez mal erste Wahl, mal auf der Bank, oder er spielt im rechten Mittelfeld.
Einzig bei Arjen Robben und Franck Ribery ist das Wechselspiel zu verstehen. Denn die beiden Superstars sind ständig verletzt, kommen nie richtig auf die Beine und können dem FC Bayern nicht helfen. Dabei hätte das lahme Offensivspiel die beiden vielleicht kreativsten Bundesliga-Spieler so dringend nötig, damit es wieder aufwärts geht. Ein Rezept, wie man ohne sie gewinnen kann, hat der Trainer nicht.
Doch ebenso wie das Star-Ensemble scheint mittlerweile auch van Gaal zu sehr abhängig von der Flügel-Zange zu sein. Es sieht so aus, als würde folgende Gleichung schon bald aufgehen. Werden Robben und Ribery schnell wieder fit, geht es mit dem FC Bayern aufwärts. Werden sie es nicht, wird Louis van Gaal bald nicht mehr Trainer in München sein.
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