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  Foto: dapd, dapd
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Mit Vorschusslorbeeren zum FC-Sportdirektor: Volker Finke – das bewährte Experiment

VON BENJAMIN TONN - zuletzt aktualisiert: 22.12.2010 - 10:20

Düsseldorf (RPO). Ausnahmsweise waren sich Kritiker und Freunde des 1. FC Köln einig: Mit Volker Finke als Sportdirektor ab den 1. Februar 2011 hat der stark abstiegsbedrohte Bundesligist einen überraschenden, guten Fang gemacht. Vieles spricht dafür, dass die Geißböcke Freude am 62-Jährigen haben werden – aber Köln ist nicht Freiburg.

Volker Finke ist in der Bundesliga seit vielen Jahren ein Inbegriff der Kontinuität. Zwischen 1991 und 2007 machte der gebürtige Niedersachse in Freiburg aus dem Strandkorb heraus einen prima Job und formte aus einem ewigen Zweitligisten einen gerngesehenen Dauergast im Oberhaus, der sogar zweimal in den Uefa-Cup vorstieß. Nach einer zweijährigen Auszeit betreute er die Urawa Red Diamonds in der japanischen J-League.

Stars wurden in Freiburg unter Finke nicht geholt, Stars wurden gemacht. Rodolfo Esteban Cardoso und Lewan Kobiaschwili haben sich auch dank Finke in der Bundesliga etabliert; Jörg Heinrich, Jens Todt und Sebastian Kehl wurden von Nobodys zu Nationalspielern. Unter Finke wurde der Begriff "Breisgau-Brasilianer" geprägt.

Von Iaschwili bis Sellimi

Finke hat seit jeher sein gutes Händchen für Exoten bewiesen. Egal ob bei der "Wili"-Connection (Iaschwili, Kobiaschwili, Tzkitischwili) aus Georgien oder bei den Ballkünstlern aus Nordafrika (Slimane, Sellimi, Baya, Ramdane, Matmour): Finke ist ein Fachmann mit überragendem Auge für Talente.

Gerade das alles hat dem 1. FC Köln in den vergangenen Jahren gefehlt. Mit Ausnahme von Podolski und Helmes wurden Stars nicht gemacht, sondern "Pseudo-Stars" geholt, die entweder über dem Zenit waren oder den prophezeiten Leistungsgipfel nie erklimmen sollten. Am Geißbockheim gaben sich die Fehleinkäufe zuletzt die Klinke in die Hand. Management sowie Präsidium agierten zunehmend planlos. Eine logische Konsequenz eigentlich, dass der Vater des Konzeptfußballs nun geholt wurde.

Doch funktioniert das Modell Finke auch in der Medienstadt Köln? Aus dem beschaulichen Breisgau ist Finke Ruhe gewohnt, nur selten wurde ihm in sein Aufgabengebiet, welches weit über die Betreuung der Mannschaft hinaus ging, hineingeredet. Bislang unvorstellbar beim FC, wo jeder mit ansatzweise Machtbefugnis im Verein seinen Senf zu allem gibt. In Köln bauen sie darauf, dass Finke abgehärtet aus der noch viel größeren Stadt Tokio an den Rhein kommt.

Keine Zeit in Köln

In Freiburg hatte Finke alle Zeit der Welt, dem Klub seinen Stempel aufzudrücken. Zwei Abstiege wurden in Kauf genommen. Das er diese in Köln nicht hat, ist dem Stoiker bewusst. "Daran gibt es keinen Zweifel: Der Erhalt der Erstliga-Zugehörigkeit hat absolute Priorität", erklärte der 62-Jährige den Kölner Journalisten in einer Telefonkonferenz aus dem fernen Japan.

Obwohl er offiziell erst im Febraur mit seinem ersten Job als Sportdirektor los legt, kümmert sich Finke bereits um potenzielle Winterzugänge, die der FC auch bitter nötig hat. "Seitdem ich mich für Köln entschieden habe, bin ich gedanklich schon mit dem Thema beschäftigt", sagte Finke und kündigte Verstärkungen an. "Ich spreche mit Trainer Frank Schaefer darüber, welche zwei oder drei Spieler man im Januar holen kann und wer eine echte Hilfe sein könnte", sagte der Fußball-Lehrer.

Der erste neue Spieler wurde im bislang vereinslosen Torhüter Michael Rensing bereits verpflichtet. Die Gerüchte verdichten sich zudem, dass Linksverteidiger Christian Eichner von 1899 Hoffenheim zu den Geißböcken wechselt.

Ein Neuer aus Japan wäre nach dem jüngsten Asia-Boom in der Bundesliga und den guten Verbindungen Finkes ins Land der aufgehenden Sonne ebenfalls "keine Überraschung". Der Dortmunder Shootingstar Shinji Kagawa wurde dem Tabellen-16. vor der Saison angeboten – der FC lehnte ab. Wenn Finke ein Jahr eher gekommen wäre, hätte der quirlige Japaner vielleicht in rot und weiß gejubelt.

Quelle: bto

 
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