Hertha-Trainer Favre vor dem Aus: Wenn nichts mehr geht...
VON TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 28.09.2009 - 12:10Berlin (RPO). Wenn nichts mehr geht, dann geht's dem Trainer an den Kragen. So ist das im Fußball-Geschäft. Die Entscheidungsträger von Hertha BSC wollen in der aktuellen Krise eigentlich nicht nach branchenüblichen Prinzipien handeln. Mittlerweile erscheint der Rauswurf von Lucien Favre aber unumgänglich.
Das 1:5 bei der TSG Hoffenheim war die sechste Niederlage in der Bundesliga in Folge, und vor allem die Art und Weise, wie sie zustande kam, löst in der Hauptstadt Angst und Schrecken aus. In dieser Verfassung stürzt die "alte Dame" ungebremst in Liga zwei.
Kopflos, verunsichert, ohne die nötige Leidenschaft - so präsentierte sich die Hertha am Sonntagabend in der Rhein-Neckar-Arena. Schon nach 44 Sekunden zappelte der Ball zum ersten Mal im Hertha-Netz, fünf Minuten später erzielte Vedad Ibisevic seinen zweiten Treffer. Danach ergaben sich die Gäste um Arne Friedrich ihrem Schicksal. Auch der Kapitän ist nicht in der Lage, die Talfahrt aufzuhalten.
Hertha aktuell
Am Montagvormittag leitete Lucien Favre wie üblich das Training der Bundesliga-Mannschaft. Danach traf sich die sportliche Führung zu einem Krisengespräch, in dem auch über die Zukunft des Trainers gesprochen wird. Manager Michael Preetz ist derzeit nicht zu erreichen.
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Und Favre? Der wirkte nach dem Schlusspfiff in Hoffenheim hilflos und resigniert. Er wolle so kurz nach dem Spiel nichts sagen, ließ er in der Pressekonferenz verlauten. Aber nein, an Rücktritt denke er nicht. Wie er den Karren aus dem Dreck ziehen wolle, ließ er offen.
Manager Michael Preetz kämpft seit Wochen öffentlich für Favre, jetzt rückte auch er zum ersten Mal von ihm ab. "Lucien Favre ist ein hervorragender Trainer. Wir müssen uns jetzt an einen Tisch setzen und die Situation analysieren. Nichts von dem, was wir uns vorgenommen haben, wurde gegen Hoffenheim umgesetzt. Wir müssen Wege aus der Krise finden", erklärte er.
Gut möglich, dass diese Wege mit einem neuen Trainer beschritten werden. Berliner Medien bringen Jürgen Röber, Hans Meyer und Kjetil Rekdal als mögliche Kandidaten ins Gespräch. Dabei genießt Favre trotz des derzeitigen Misserfolgs ein hohes Ansehen in Berlin.
Völlig überraschend führte der Taktik-Fuchs Hertha in der vergangenen Saison auf den vierten Tabellenplatz, zwischenzeitlich träumte die Hauptstadt von der Meisterschaft. Das haben sie dem symphatischen Schweizer nicht vergessen. Viele sagen: Mit diesem Kader kann das Ziel eben nur Klassenerhalt heißen. Pantelic weg, Woronin weg, Simunic weg - diese vor allem finanziell bedingten Abgänge kann der Klub nicht kompensieren. Armer Favre.
Und so halten die Hertha-Bosse so lange an Favre fest, bis es nicht mehr geht. Dieser Zeitpunkt scheint jetzt gekommen zu sein. Am Donnerstag muss in der Europa League bei Sporting Lissabon ein Erfolgserlebnis her, sonst droht das Aus. In der Bundesliga steht am Sonntag die Mammutaufgabe gegen Spitzenreiter Hamburg auf dem Programm.
Neue Impulse durch einen Trainerwechsel sind in der Krise fast immer gut. Kein Stammplatz ist dann mehr sicher, jeder will sich beweisen, Höchstleistungen sind die Folge. Nicht unwahrscheinlich, dass die Hertha unter einem neuen Trainer kurzfristig in die Erfolgsspur zurückfindet.
Ob sie auf Dauer aber mehr Erfolg hat als unter Lucien Favre, das darf bezweifelt werden.
Die Bilder vom Montagstraining der Berliner finden Sie hier.
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