Kuriose Rauswürfe im Profi-Fußball: Wenn Trainer in der Halbzeit fliegen
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 06.08.2009 - 07:42Düsseldorf (RP). Im September 1991 wurde Jörn Andersen von einer mächtigen Heimweh-Attacke ereilt. Dankbar floh er aus dem ungeliebten Düsseldorf zurück zu Eintracht Frankfurt und ging dort fortan seinem Beruf als Torjäger wieder mit deutlich höherem Erfolg als bei der Fortuna nach. Damit ersparte er sich allerdings eine historische Erfahrung. Denn er hätte dabei sein können, wie die Düsseldorfer im Trainingslager auf Gran Canaria ihren Trainer Rolf Schafstall zwischen Swimmingpool und Tür zur Hotel-Lobby feuerten.
Maßgeblich beteiligt an der bis dahin beispiellosen Aktion war Fortunas Vizepräsident, der Rechtsanwalt Axel Gärtner. Er wurde später im Nebenberuf als Anlagebetrüger noch berühmter. Fahnder erwischten ihn in Hamburg, weil er mit dem fantasievollen Namen Axel Obst in ein Flugzeug eingestiegen war.
Schafstall hatte immerhin Gelegenheit, sich noch von der staunenden Mannschaft zu verabschieden, die nun ganz beruhigt weiter dem Abstieg entgegenkickte. Kollegen war das nicht vergönnt. Toni Schumacher ist einer dieser bedauernswerten Zeitgenossen. Die lebende Torwartlegende verlor 1999 den Job als Trainer von Fortuna Köln in einer denkwürdigen Halbzeitpause. Sein Team lag gegen Waldhof Mannheim mit 0:2 zurück, und der Klub-Mäzen Jean Löring rauschte mit wehenden Rockschössen in die Kabine. "Raus hier! Du hast hier nichts mehr zu sagen", brüllte Löring. Schumacher soll tatsächlich nichts mehr eingefallen sein. Löring schon. "Ich als Verein musste doch reagieren", sagte er beim anschließenden Umtrunk in der Vereinsgaststätte.
Managerspiel: Der Teamchef startet in eine neuen Saison!
Start frei für die neue Saison. Ab sofort können unsere Teamchefs an ihren neuen Mannschaften basteln. Die Kader wurden aktualisiertr und neu bewertet. Freie Auswahl unter rd. 450 Spielern. Beim Budget haben wir den Gürtel etwas enger geschnallt: 25 statt 27 Millionen bisher. Bis 6. August kann nun unbegrenzt experimentiert und gewechselt werden. Das Kontingent zählt erst vom 1. Spieltag an. Es gibt viel zu tun. Packen Sie's an!!! Hier geht's zum Teamchef.
Ob Stanislaw Bernikow ein Anhänger hochprozentiger Getränke war, ist nicht überliefert. Immerhin hatte er sich 2006 bereits als strammer Verfechter von Disziplin und Ordnung bei Metallurg Lipezk in der dritten Liga Russlands einen zweifelhaften Ruf erworben. Höhepunkt seiner Laufbahn war ein Trainingstag, zu dem er in Begleitung eines Schlägertrupps erschien, der wiederum seine säumigen Spieler handfest auf deren Pflichten hinwies. Es kamen sogar Hartgummi-Geschosse zum Einsatz. Derartige Methoden fand nicht einmal die Klubführung leistungsfördernd. Sie schickte Bernikow ohne Umwege in den einstweiligen Ruhestand.
Noch zielstrebiger reagierte die Führung des spanischen Drittligisten CD Benidorm im gleichen Jahr. Der Präsident fand die vom Trainer Angel Pedraza gewählte Aufstellung im Ligaspiel gegen die Zweitvertretung des FC Barcelona nicht unbedingt unterstützenswert. Das teilte er dem Übungsleiter natürlich auch mit. Der aber entdeckte einen unvorteilhaften Hang zur Standhaftigkeit und wollte seine Formation aufs Feld schicken. Daraufhin entließ ihn der Klub-Präsident vor dem Anpfiff.
Und das war gut so. Denn die tapfere Mannschaft von Benidorm besiegte Barcelona anschließend mit 2:0 und stieg in die Zweite Liga auf.
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