1. Bundesliga 16/17
| 10.25 Uhr

Frankfurt, Bremen und Stuttgart zittern
Bundesliga-Abstieg kostet Klubs Millionen

Das Restprogramm der Abstiegskandidaten
Das Restprogramm der Abstiegskandidaten FOTO: dpa, ade hpl
Stuttgart. Ein Abstieg in die 2. Liga schmerzt die Fans, für Manager und Vorstände ist das aber vor allem ein wirtschaftliches Problem. Gerade für Traditionsvereine mit erfolgreicher Vergangenheit und großen Stadien wäre der (Rück-)Schritt in die 2. Liga teuer.

Drei Fußball-Bundesligisten zittern noch - und rechnen vorsichtshalber schon jetzt genau nach. Ein Absturz in die Zweitklassigkeit kostet zig Millionen Euro. Je glorreicher die Vergangenheit, desto teuerer wird es. Und das große Loch in der Kasse macht den angestrebten Wiederaufstieg dann noch schwerer.

Die Lage beim VfB Stuttgart:

Die Schwaben sind schuldenfrei. Im vergangenen Sommer meldete der Klub ein Vereinsvermögen in Höhe von 9,6 Millionen Euro. Bei einem Absturz in die Zweite Liga müsste der Verein seine Reserven aber angreifen. TV-Geld, Zuschauereinnahmen, Zahlungen von Sponsoren - alles würde abnehmen.

Schon im vergangenen Geschäftsjahr waren die TV-Einnahmen um 8,6 Millionen Euro niedriger als im Vorjahr, in der Zweiten Liga würden aus zuletzt 32,5 Millionen Euro wohl nur noch rund ein Drittel davon. In der Bundesliga nimmt Stuttgart pro Spieltag etwa eine Million Euro durch verkaufte Tickets ein. In Liga 2 könnte diese Summe auf nur noch 350 000 Euro je Heimspiel sinken.

Als Bundesligist generierte der VfB zuletzt rund 35 Millionen Euro Sponsoring- und Marketingeinnahmen. Der Hauptsponsor hat seinen Vertrag zwar erst bis 2019 verlängert. Doch als Zweitligist ist der Werbewert des Traditionsvereins deutlich geringer.

Die Lage bei Werder Bremen:

Die soliden Hanseaten waren lange Zeit auch finanziell ein Vorbild, doch zuletzt schloss der Klub das vierte Geschäftsjahr in Serie mit einem deutlichen Minus ab. Zum Ende dieser Saison soll es erstmals wieder eine schwarze Null geben. Im Falle eines Abstiegs wird der Konsolidierungskurs unmöglich. Der Klub rechnet beim Absturz mit rund 40 Millionen weniger Umsatz.

Den größten Verlust macht auch Werder bei den TV-Einnahmen, die vergangene Saison noch 30,6 Millionen Euro betrugen und auch in dieser Spielzeit in einer ähnlichen Größenordnung liegen dürften. In der 2. Liga wäre es ungefähr ein Drittel.

Der Vertrag mit Trikotsponsor Wiesenhof läuft noch bis Sommer 2017 und bringt ungefähr ein Drittel der Sponsoring-Einnahmen von rund 22 Millionen. Die für den Sommer geplanten Verhandlungen über eine weitere Zusammenarbeit würden bei einem Abstieg schwierig, weil der Werbewert als Zweitligist deutlich abnimmt. Schwer kalkulierbar ist, wie sich die Zuschauereinnahmen von zuletzt rund 23 Millionen pro Saison entwickeln. Sicher aber werden sie weniger.

Die Lage bei Eintracht Frankfurt:

"Mit einem Umsatz von 103 Millionen, einem Eigenkapital von 8,8 Millionen und Bankverbindlichkeiten von null Euro" - so wird der langjährige Vorstandschef Heribert Bruchhagen die Eintracht am Ende dieser Saison an seine Nachfolger übergeben. Der Verein ist kerngesund. Und trotzdem weiß jeder: Ein Abstieg in diesem Jahr wäre sogar noch teurer als jener nach der Saison 2010/11. Die DFL hat dem Verein bereits signalisiert, in diesem Fall Transfererlöse von mehr als zehn Millionen Euro erwirtschaften zu müssen. Insider rechnen mit einer Reduzierung des Spieleretats um etwa 30 Prozent.

Deutlich weniger TV-Gelder, deutlich weniger Zuschauereinnahmen - die Grundprobleme eines Absteigers träfen auch die Eintracht. In ihrem Fall kommt aber noch hinzu, dass der Vertrag mit Hauptsponsor Alfa Romeo ausläuft und ein neuer Geldgeber erst noch gesucht werden muss.
Der würde in der 2. Liga natürlich deutlich weniger zahlen - genauso wie der neue TV-Vertrag den 18 Erstliga-Klubs einen deutlich größeren Zuwachs beschert als den Vereinen der Zweiten Liga. Drinbleiben oder absteigen - das macht in diesem Jahr einen noch größeren Unterschied als je zuvor.

(spol/dpa)
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