Schaaf und Hunt noch nicht verlängert: Werder droht der nächste Ausverkauf
VON ROLAND LEROI - zuletzt aktualisiert: 24.11.2009 - 16:38Bremen (RPO). Durch bezaubernden Kombinationsfußball ist Werder Bremen wieder in aller Munde und hat gute Chancen, erstmals nach 2004 wieder die deutsche Fußball-Meisterschaft zu gewinnen. Doch ebenso wie fast immer, droht den Norddeutschen auch nach dieser Saison der Ausverkauf. Werder zittert wieder um seine Stars.
Einige Verträge laufen zum Saisonende an der Weser aus. Allen voran sind die Arbeitspapiere von Trainer Thomas Schaaf und Stürmer Aaron Hunt nur noch bis zum 30. Juni 2010 gültig. Beide haben bis jetzt noch nicht verlängert. Auch Offensivstar Mesut Özil, einer der Motoren des Werder-Spiels, ist begehrt (Vertrag bis 2011). Für den Nationalspieler dürften die Bremer spätestens im Frühjahr einige lukrative Angebote erhalten.
In Bremen hat es Tradition, dass die besten Profis von der zahlungskräftigeren Konkurrenz aus Bayern oder Italien weggeschnappt werden. Den Brasilianer Diego zog es erst im vergangenen Sommer zu Juventus Turin. Ailton ging einst als Top-Torjäger nach Schalke. Miro Klose wanderte ebenso schon zum FC Bayern ab, wie zuvor Tim Borowski oder Torsten Frings, der über die Zwischenstation Borussia Dortmund nach München wechselte.
Der Erfolgslauf in dieser Saison weckt erneut Begehrlichkeiten in halb Europa. Und diesmal ist auch Trainer Schaaf auf dem Markt. Gespräche über eine Verlängerung wurden bereits geführt, ein Ergebnis gab es aber noch nicht. "Mal abwarten, was passiert", lautet der Allgemeinspruch des Gemütsmenschen Schaaf.
Zwar kann sich niemand einen Wechsel des Werder-Urgesteins (seit 1978 im Profi-Team) vorstellen, doch ausgeschlossen ist das nicht. "Thomas Schaaf würde auch bei anderen Vereinen gute Arbeit leisten. Davon bin ich überzeugt", meint Sportdirektor Klaus Allofs, der sich wünscht, weiter mit Schaaf arbeiten zu können.
Warum aber verlängert der Coach nicht? Die plausibelste Erklärung wäre, dass der Coach angesichts des Stresses mit "englischen Wochen" am Fließband einfach noch keine Zeit hatte, zu unterschreiben. Er sieht andere Pioritäten, wie etwa die nächsten Spiele. Für detaillierte Verhandlungen ist in der Weihnachtspause immer noch Zeit.
Oder plant er doch einen Neubeginn bei einem anderen Verein? Auch Trainer-Ikone Otto Rehhagel verließ Werder nach über einem Dutzend Jahren und versuchte sich in München.
Wenn der Trainer geht, dürften auch die von ihm stark gemachten Spieler wie Özil oder Hunt nachdenklich werden. Hunt hat wie seine Kollegen momentan einen Lauf und ist Nationalspieler geworden. Ganz zu schweigen von Özil, der mit seinen starken Szenen bei Fußball-Genießern die Zungen schnalzen lässt. Führt er die deutsche Nationalelf 2010 zum WM-Titel, kann Werder für Özil nahezu jeden Preis verlangen - und bekommt das Geld auch.
In den vorherigen Jahren haben die Norddeutschen nach dem Abgang ihrer besten Spieler stets neue Stars entwickelt. Dies allerdings auch dank der Arbeit von Thomas Schaaf. Sollte der Coach beim nächsten Ausverkauf ebenfalls gehen, dürfte es für Werder schwierig werden, dieses Niveau zu halten.
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