Starker Saisonstart: Werder: "Weniger geredet, mehr gearbeitet"
zuletzt aktualisiert: 29.08.2011 - 18:33Sinsheim (RPO). Neun Tore, neun Punkte: Werder Bremen feiert nach den Querelen in der Sommerpause völlig überraschend ein Comeback als Jäger von Rekordmeister Bayern München. Unschön war nur das Verhalten der Bremer Fans.
Erst prügelten sich die Fans im Gäste-Block mit den Ordnern, dann schlugen die schon fast aussortierten Stürmer zu: Bundesligist Werder Bremen feiert dank der beiden Torjäger Markus Rosenberg und Marko Arnautovic nach dem vierten Spieltag völlig überraschend das Comeback als Jäger von Rekordmeister Bayern München. Und am nächsten Wochenende kommt ausgerechnet der taumelnde Hamburger SV zum Derby ins Weserstadion.
"Wir sind mit dem Saisonstart sehr zufrieden. Jetzt wollen wir oben dranbleiben und auch nächste Woche das Derby gegen den HSV gewinnen. Die stehen ja nun mit dem Rücken zur Wand", sagte Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs, der die heftigen Prügelszenen im Bremer Block in der Halbzeitpause jedoch nicht mitbekommen hatte: "Ich muss erstmal mit unseren Fanbeauftragten sprechen. Aber schön ist sowas sicher nicht."
Bremer Fans hatten sich vom Sicherheitsdienst provozieren lassen und dann wie wild mit Fahnenstangen auf die 1899-Ordner eingeprügelt. Zudem wurden die Ordner mit Bierbechern beworfen. Die Polizei setzte daraufhin Pfefferspray gegen die Werder-Anhänger ein. Verletzt wurde aber nach Hoffenheimer Angaben niemand. Mit Unverständnis reagierten die Bremer auf den Einsatz der Polizei und bezeichneten das Vorgehen der Ordner und Beamten als "unverhältnismäßig."
Schön war für die Norddeutschen zumindest, dass nach den Querelen in der Sommerpause zwischen Allofs und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke mittlerweile nur noch der sportliche Erfolg Thema ist. "Das war alles ein bisschen schlecht moderiert", sagte Allofs zu dem Streit mit einem Zwinkern: "Aber es zeigt sich im Moment eben, dass wir einen viel größeren Konkurrenzkampf haben als im vergangenen Jahr, als wir teilweise nur mit 15 Spielern zu den Auswärtsspielen gefahren sind. Und die Siege geben natürlich Selbstvertrauen."
So sah es auch Bremens launiger Trainer Thomas Schaaf, der nach dem dritten Sieg im vierten Saisonspiel vor allem der Mannschaft ein großes Lob aussprach. "Wir haben in der Sommerpause weniger geredet, dafür mehr gearbeitet. Das zahlt sich jetzt aus. Wir haben viel mehr Selbstvertrauen, das hat sich auch beim Torabschluss gezeigt", sagte Schaaf, der mit der Hereinnahme des Siegtorschützen Rosenberg neun Minuten vor dessen 2:1 einmal mehr ein glückliches Händchen hatte.
Vor 28.750 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena hatte zunächst der Österreicher Arnautovic (38.) die Führung von 1899-Regisseur Roberto Firmino (37.) ausgeglichen. Dann wechselte Coach Schaaf für Arnautovic den schon zum Saisonauftakt gegen Kaiserslautern zweimal erfolgreichen Rosenberg ein, der nach Vorlage von Claudio Pizarro in der 83. Minute erneut den Siegtreffer erzielte. "Wir sind im Moment da vorne gut drauf. So kann es ruhig weitergehen", sagte Arnautovic. Dank seiner zwei Saisontreffer wurde der 22-Jährige sogar von Österreichs Nationalcoach Dietmar Constantini für das EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland am Freitag nachnominiert.
Die große Auswahl im Bremer Angriff könnte in den kommenden Tagen dazu führen, dass der U21-Europameister Sandro Wagner in die 2. Liga zu Aufstiegsaspirant Eintracht Frankfurt wechselt. Die Hessen haben offenbar Interesse. Dagegen werden Per Mertesacker und Marko Marin wohl bei Werder bleiben, obwohl Allofs betonte: "In den letzten Tagen bis zum Ende der Transferperiode passieren bestimmt noch ein paar verrückte Sachen. Aber es liegen uns noch keine konkreten Angebote vor."
Während die Norddeutschen vor Beginn der Länderspielpause mit nun neun Punkten in der Tabelle hervorragend dastehen, herrschte in Hoffenheim Frust pur. Erst die Lärmattacke beim Heimspiel gegen den deutschen Meister Borussia Dortmund, nun die völlig unnötige Pleite gegen die Bremer. "In der zweiten Halbzeit haben wir alles vermissen lassen, was wir in der ersten Hälfte gezeigt haben. Deshalb sind wir selber schuld und haben das Spiel auch verdient verloren", sagte Hoffenheims Trainer Holer Stanislawski.
Abseits der eigenen Schwächen konnte sich "Stani" aber auch einen Seitenhieb gegen den "Greenkeeper" wegen des furchtbar schlechten Rasens nicht verkneifen: "Da sind Stücke rausgeflogen, die waren so groß wie Australien!"
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