Norderney (RPO). Diego ist enttäuscht über die verweigerte Olympia-Freigabe durch seinen Verein Werder Bremen. Für den sensiblen Brasilianer heißt es derzeit offenbar Zaudern statt Zaubern, denn verbal ist er im Trainingslager auf Norderney kaum wahrzunehmen.
Diego ist wegen der nicht erteilten Olympia-Freigabe enttäuscht. Foto: ddp
"Natürlich darf Diego enttäuscht sein und das auch zeigen. Aber er muss es dann nach ein paar Tagen auch ablegen und sich neuen Sachen zuwenden. Bisher hat er sich in solchen Situationen immer sehr professionell verhalten", meint Werder-Sportdirektor Klaus Allofs, der sich bereits beim DFB rückversicherte, dass auch der Verband keine Abstellungspflicht sehe. Man beruft sich darauf, dass die Olympischen Spiele keine Aufnahme in den offiziellen Terminkalender des Fußball-Weltverbandes Fifa gefunden haben.
Von Diego ist derweil in dieses Tagen zumindest verbal nicht viel zu vernehmen. Er wolle keine Probleme machen und respektiere die Entscheidung des Vereins, ließ der Mittelfeldspieler einzig wissen. Doch seine Körpersprache sagt dafür umso mehr aus. Scheinbar lustlos und ohne Esprit quält sich der sonst so spielfreudige Ballkünstler durch die Trainingseinheiten auf der Nordseeinsel.
Müde Bremer schlagen Köln
Am Donnerstagabend im Testspiel gegen die fünftklassige Fortuna aus Köln blieben Glanzlichter des Regisseurs Mangelware. Allerdings präsentierte sich die gesamte Mannschaft nach dem anstrengenden Programm der bisherigen Vorbereitung besonders beim Abschluss müde, so dass es am Ende nur zu einem 3:1 reichte. Doch selbst Diegos Teamkollegen ist dessen Wandel vom Spaßvogel zum Brummbär nicht entgangen.
"Wenn er sagt, dass er unbedingt nach Peking will, kann das auch Einfluss auf seine Arbeit bei uns haben. Der Verein und Diego müssen die Situation noch einmal besprechen", fordert Mittelfeldspieler Daniel Jensen. Auch Allofs sieht weiteren Gesprächsbedarf: "Wir werden uns noch einmal mit Diego zusammensetzen und die Sachlage erklären." Seinen Standpunkt wird der Manager allerdings nicht verändern - außer es sollte doch noch zu einer verbindlichen Fifa-Vorgabe kommen.
"Wenn sich die Sachlage in so eine Richtung verändern würde, wäre es eine neue Situation, die wir akzeptieren würden. Bisher ist das aber nicht absehbar", sagt Allofs und unterstreicht die Bedeutung Diegos für die Mannschaft: "Diego ist einer unserer Schlüsselspieler und ganz nebenbei auch kein billiger Profi. Ich kann seinen persönlichen Wunsch verstehen. Aber wir betreiben professionellen Fußball, für den es Statuten gibt, die man akzeptieren muss."
Im Falle seiner Olympia-Teilnahme hätte Diego den Bremern in der ersten DFB-Pokalrunde beim Oberligisten Eintracht Nordhorn sowie in den ersten beiden Bundesligaspielen bei Arminia Bielefeld und gegen Schalke 04 gefehlt. Bremen will Meister werden, da wäre der Ausfall des Taktgebers besonders gegen die "Königsblauen" schmerzhaft gewesen.
Quelle: sid