Nach Verwicklung in Sex-Skandal: Will Real Madrid Ribery überhaupt noch?
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 20.04.2010 - 12:19München (RPO). Während Arjen Robben bei Bayern München derzeit für die sportlichen Schlagzeilen sorgt, beherrscht Franck Ribery mit seinem Privatleben und seiner ungeklärten Zukunft die Titelseiten. Real Madrid scheint von einer Verpflichtung Abstand zu nehmen.
Das spekulieren sowohl spanische, als auch deutsche Medien. Die spanische Sport-Tageszeitung "Marca" berichtet, dass sich die "Königlichen" aufgrund der Anschuldigungen gegen Ribery nach anderen Spielern umschauen. Die "Süddeutsche Zeitung" bewertet die Situation ähnlich und bringt David Silva vom FC Valencia in Madrid ins Gespräch. Der spanische Nationalspieler spielt wie Ribery im linken Mittelfeld und ist ein ähnlicher Spielertyp.
Reals Umgang mit Nachtschwärmern
Real Madrids mächtiger Präsident Fiorentino Perez ist sehr auf das Image der Madrilenen in der Öffentlichkeit bedacht. Die Brasilianer Ronaldo und Roberto Carlos sowie der Italiener Antonio Cassano mussten aufgrund von ausschweifenden Ausflügen ins Nachtleben ihre Zelte in der spanischen Hauptstadt abbrechen. Keine guten Vorzeichen für Ribery, der augenscheinlich liebend gerne das weiße Trikot der "Königlichen" in Zukunft tragen würde.
Der 27 Jahre alte Franzose, der in den Sex-Skandal im Umfeld der französischen Nationalmannschaft verwickelt sein soll, wollte sich ursprünglich nach eigener Aussage bis Ende der Woche entscheiden, ob er seinen bis 2011 laufenden Vertrag bei den Bayern erfüllen oder sogar verlängern wird. Doch es kommt keine Bewegung in den Vertragspoker mit dem FC Bayern. Hat sich Ribery mit seiner Hinhalte-Taktik etwa verzockt? Lockrufe von anderen Interessenten wie dem FC Barcelona, dem FC Chelsea und Manchester United waren schon vor dem Skandal abseits des Platzes deutlich seltener zu vernehmen.
Die Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters rechnen jedenfalls nicht mit einer baldigen Entscheidung ihres Superstars. Angesprochen auf die Ankündigung des französischen Nationalspielers, sich in diesen Tagen bekennen zu wollen, sagte Präsident Uli Hoeneß in der "Münchner tz": "Das glaube ich nicht. Wir haben klar gesagt, dass wir zu gegebener Zeit reden werden. Und da lassen wir uns keine Frist aufdrängen."
"Das Murmeltier schläft noch bei Franck"
Auch Sportdirektor Christian Nerlinger stützt diese Ansicht. "Wann es zu Gesprächen über den Vertrag kommt, wissen wir noch nicht", sagte er der "SZ". Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ergänzt: "Das Murmeltier schläft doch noch bei Franck Ribery."
Die Bayern bleiben bei der Personalie Ribery ruhig. Sie wissen, dass die sportliche Entwicklung unter Trainer Louis van Gaal, der mit den Münchenern noch das historische Triple (Meisterschaft, Pokal und Champions League) erreichen kann, ihnen in die Karten spielt. Der Franzose hatte immer wieder betont, seinen Verbleib an der Säbener Straße von der sportlichen Perspektive in München abhängig zu machen.
Die Perspektive stimmt, nun ist der Tempodribbler am Zug. Die Verwicklung in den Sex-Skandal und die mögliche, daraus resultierende Ablehnung anderer Klubs schadet den Bayern bei den anstehenden Verhandlungen mit Ribery und Berater Alain Migliaccio ebenfalls nicht.
Konzentration auf das Sportliche
Doch zunächst steht auch für Ribery das Sportliche im Mittelpunkt. Am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) steht das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Olympique Lyon an. Eigentlich sollte der Franzose vor dem Spiel gegen seine Landsleute auf der offiziellen Pressekonferenz den Journalisten Rede und Antwort stehen, doch nach den Veröffentlichungen am Montag, nahmen die Bayern ihren Star aus der Schusslinie. Die Konzentration auf das wichtige Spiel in der Allianz-Arena soll nicht gestört werden.
Bayern Münchens Ehrenpräsident Franz Beckenbauer glaubt indes nicht, dass Ribery die Vorwürfe zu sehr belasten. "Ich habe auch davon gelesen, dass er von der Polizei verhört wurde, aber er ist ja offenbar in der Sache nur als Zeuge befragt worden. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass ihn das mit Blick auf Lyon irgendwie aus der Ruhe bringt. Er wird seinen Kopf sicher ganz beim Spiel haben", sagte der "Kaiser".
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