Borussia Mönchengladbach: Wird Raffael der neue Reus?
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 08:16Mönchengladbach (RP). Mönchengladbachs Trainer Favre holte den Brasilianer einst nach Berlin. Jetzt ist er als Ersatz für den im Sommer zu Dortmund wechselnden Reus im Gespräch. Am Mittwoch spielt er für die Hertha im DFB-Pokal gegen Borussia.
Für Max Eberl könnte es das dritte Mal sein. Als Spieler schaffte er es mit Borussia Mönchengladbach zweimal ins Halbfinale des DFB-Pokals, 2001 und 2004. Nun ist er Sportdirektor, und Gladbach hat morgen in Berlin die Chance (19 Uhr/Live-Ticker), wieder in die Vorschlussrunde einziehen. Für Trainer Lucien Favre ist es eine erneute Rückkehr nach Berlin, für seinen Kollegen Michael Skibbe ein Spiel, das aus der Krise helfen soll. "Es kann einen Schub für die Bundesliga geben", sagt Skibbe für den Fall eines Sieges.
Einer, der Hertha Hoffnung auf einen dringend nötigen Aufschwung macht, ist der Brasilianer Raffael Caetano de Araújo, kurz: Raffael. Wochenlang hat er wegen Rotsperren gefehlt, morgen kehrt er in die Mannschaft zurück. "Das bedeutet enorm viel für die Berliner", sagt Lucien Favre. Er kennt Raffaels Qualitäten. Beim FC Zürich wurden Favre und der Offensivmann zweimal gemeinsam Meister, im Januar 2008 holte Favre seinen Musterschüler für 4,3 Millionen Euro nach Berlin. Raffael war ein Schlüsselspieler in Favres Hertha-Team, das in der Saison 2008/2009 um den Titel mitspielte.
Raffael ist ein Mann, der alles hat, was Favre schätzt: Er ist schnell, ballsicher, technisch gut, hat die nötige Spielintelligenz und ist trotz seiner schmächtigen Statur stark in der Balleroberung. Fünf Tore hat Raffael erzielt und sechs vorbereitet. Er ist einer, der für Hertha den Unterschied ausmachen kann, heute im Pokal und im Abstiegskampf. Das weiß allerdings nicht nur Favre. Deshalb steht Raffael auf der langen Liste derer, die zu Borussia kommen könnten, wenn Marco Reus im Sommer zu Borussia Dortmund wechselt. Zumindest wird, was Raffael angeht, viel getuschelt in Mönchengladbach. Rund acht Millionen Euro dürfte der Südamerikaner, dessen Vertrag in Berlin bis 2014 läuft, im Sommer kosten. Es sei denn, Hertha steigt ab. Dann dürfte der wichtigste Spieler im Berliner Aufgebot zu einem deutlich geringeren Preis auf den Markt gelangen.
Ein 1:1-Ersatz für Reus wäre er allerdings nicht, denn er interpretiert das Spiel anders. Raffael ist zwar sehr schnell auf den Beinen, aber mehr Spielmacher als ein Stürmer, der wie Reus in die Tiefe geht. Favre nannte Raffael in Berlin "eine Neueinhalb". Solche Spieler haben etwas vom klassischen Spielmacher, der Nummer 10, und vom Torjäger, der Nummer 9. Im aktuellen Team der Borussia spielt Mike Hanke so eine Rolle.
Max Eberl will Personal-Spekulationen nicht kommentieren. Auch, um die Mannschaft nicht in ihrer Vorbereitung auf das Spiel in Berlin zu stören. Gerüchte indes kann er nicht verhindern, und davon gibt es reichlich, seit Reus seine Entscheidung bekanntgab, im Sommer Dortmunder zu werden. Seit gestern ist auch der belgische Nationalstürmer Jelle Vossen im Gespräch bei der Elf vom Niederrhein. Die Borussen lassen sich von solchen Nebengeräuschen nicht ablenken, sie haben in Ruhe Erfolg. "Wir haben unser Saisonziel, die 40 Punkte, erreicht und wollen darüber hinaus möglichst erfolgreich sein. Wir haben jetzt das Pokal-Viertelfinale in Berlin, danach ist das Topspiel gegen Schalke. Aber erst mal konzentrieren wir uns nur auf Berlin", sagt der Manager.
Das Spiel bei Hertha ist nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich interessant. Rund 1,5 Millionen Euro haben die Borussen bislang im Pokal eingenommen, schaffen sie es ins Halbfinale, käme in etwa diese Summer noch mal dazu. Zunächst muss Borussia aber in Berlin gewinnen. Der Bundesliga-Vierte ist Favorit beim Abstiegskandidaten. Doch hofft der Berliner Fabian Lustenberger, dass gerade die Außenseiterrolle Hertha helfen könnte. Im November gab es ein 2:1 der Gladbacher im Olympiastadion. Raffael bereitete Herthas 1:0 durch Adrian Ramos vor, Marco Reus drehte mit zwei Treffern das Spiel. "Der Pokal ist aber anders als die Meisterschaft", warnt Favre.
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