Der Bundesliga-Check - Teil 2: Wolfsburg: viele Könner, aber noch kein Team
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 28.07.2010 - 07:41Wolfsburg/Düsseldorf (RP). Edin Dzekos Gemütsverfassung hat schon die Sprachgiganten auf den Plan gerufen. "Das Herzblut für seinen Arbeitgeber schien Dzeko endgültig in den Adern gefroren zu sein", schrieben die Dichterfürsten eines großen Sportnachrichtendienstes. Das ein wenig turbulente Sprachbild sollte illustrieren, dass der Bosnier nicht unbedingt mehr in großer Liebe zum VfL Wolfsburg entflammt ist.
Die Zuneigung ist deutlich abgekühlt, weil sich der Werksklub herausgenommen hat, auf Vertragserfüllung zu pochen. Er hat seinem besten Stürmer einen Wechsel verboten. Ob dieses Verbot durchgehalten wird, wenn bis Ende der Transferfrist am 31. August noch ein großer Verein mit einem Scheck in Höhe von vielleicht 40 Millionen Euro winkt, ist aber nicht heraus.
Dzeko ist nicht der einzige Athlet im Aufgebot des neuen Trainers Steve McClaren, um den sich sportlich hochmögende Mitbewerber bemühen. Auch Zvjezdan Misimovic hat durch sein Talent, überraschende Pässe spielen zu können, das Interesse der Konkurrenz geweckt. Schalke hat besonders hartnäckig am ehemaligen Bochumer und Nürnberger gebaggert. Auch für seinen Fall hat Wolfsburgs Geschäftsführer Dieter Hoeneß zunächst mal ein Exportverbot verhängt. Aber wie bei Dzeko ist das sicher preisabhängig.
Zugänge: Cicero, Friedrich (Hertha), Kjaer (Palermo), Mandzukic (Zagreb).
Abgänge: Gentner (Stuttgart), Santana (Kayserispor), Obafemi (Kasan), Simunek (Kaiserslautern)
Der Meister von 2009 steht vor einem schwierigen Jahr. Wolfsburg hat in der vergangenen Saison, im Jahr eins nach Meistermacher Felix Magath, die Form der besten Saison in der Vereinsgeschichte nicht bestätigen können. Aus der wiederum nahezu unveränderten Mannschaft soll nun McClaren das überdurchschnittliche Potenzial herausholen, denn mit einem Platz außerhalb der Ränge, die für die europäischen Wettbewerbe qualifizieren, wird sich die Unternehmensleitung sicher nicht zufrieden geben.
Auf dem Papier hat McClaren beste Voraussetzungen. Als Vereinstrainer hat er zuletzt Twente Enschede in Holland zum Titel geführt, und er findet in Wolfsburg ein Team mit außerordentlichen Einzelkönnern vor. Die Abwehr ist durch den WM-Senkrechtstarter Arne Friedrich verstärkt worden, das Mittelfeld ist extrem spielstark, und die Stürmer gehören zur Bundesliga-Spitzenklasse.
Das war allerdings schon in der vergangenen Saison so. Trotzdem kam der VfL nie ernsthaft in die Nähe der eigenen Saisonziele. Und es ist überaus fraglich, ob die Mannschaft noch einmal den inneren Zusammenhalt findet, der sie in der Spielzeit 2008/09 unter der gnadenlosen Magath-Knute auf den Gipfel führte. Vielleicht wird das Team auch durch den noch möglichen Abgang von Dzeko und Misimovic zusätzlich geschwächt. Deshalb wird es wohl nur zu einer Rolle im Verfolgerfeld reichen.
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