Bundesliga-Finale: Wosz kämpft mit Bochum gegen den Abstieg
VON FRIEDHELM KÖRNER UND STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 08.05.2010 - 13:17Düsseldorf (RP). Seit fast 22 Jahren triumphiert der Underdog neben dem Bochumer Stadion. Rusty ist sein Name, und jeden Tag aufs Neue gewinnt die alte und scheinbar chancenlose Dampflok bei der Weltmeisterschaft der Züge gegen die moderne E-Lok Electra und die Diesellok Greaseball.
Schon mehr als 13 Millionen Freunde der Musik und des rassigen Rollschuhlaufens haben "Starlight Express" besucht, das erfolgreichste Musical der Welt an einem Standort.
Vor 22 Jahren, als der Zug ins Rollen kam an der B1, war der VfL Bochum noch nie aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen, das Wort von den "Unabsteigbaren" machte zu dieser Zeit die Runde. Ein Underdog in der Konkurrenz mit den Großen der Branche war der Verein auch immer, anders als bei Rusty ist die Zahl seiner Triumphe indes begrenzt.
Jetzt kämpft er wieder ums Überleben in der Bundesliga. Der sechste Abstieg nach 1993, 1995, 1999, 2001, 2005 droht, wenn die Westfalen heute die Mannschaft von Hannover 96 erwarten. Auch der VfL hat nun also ein Endspiel. Muss er in die Relegation gegen den Zweitligadritten, folgen noch zwei weitere Partien mit Finalcharakter.
Die Zaubermaus soll's richten im Abstiegskampf der grauen Maus, wie der VfL Bochum oft tituliert wird. Als virtuoser Ballverteiler im Mittelfeld hat Dariusz Wosz früher den einen oder anderen kräftigen Farbtupfer in die Aktionen des Revierklubs gebracht. Der 24-malige Nationalspieler ist nach Marcel Koller, Frank Heinemann und Heiko Herrlich bereits der vierte Trainer der Bochumer Profis in dieser Saison.
Gezaubert wie einst in der aktiven Laufbahn hat er bei seiner jetzigen Arbeit noch nicht. Beim Spitzenreiter in München holte sich die Mannschaft am vergangenen Samstag eine standesgemäße Niederlage ab (1:3). Angeblich ist es Wosz aber gelungen, das Betriebsklima zu verbessern.
Eine gute Stimmung soll dazu beitragen, dass der Verein für Leibesübungen den abermaligen Sturz in die Zweitklassigkeit abwenden kann. "Die Mannschaft wird sich zerreißen, damit der VfL die Klasse hält", sagt das für den Bereich Sport verantwortliche Vorstandsmitglied Thomas Ernst.
Hannovers Mannschaft, betreut vom früheren Schalker Trainer Mirko Slomka, will den Schwung vom 6:1-Heimsieg gegen Mönchengladbach ins Kellerduell der Liga mitnehmen. Rund 10 000 Fans werden das Team in den Westen begleiten. Bochums Heimvorteil beim vielleicht wichtigsten Saisonspiel dürfte sich damit in Grenzen halten.
Leverkusen kämpft um die Champions League
Am Tag nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Absteiger Hertha BSC Berlin schaute Stefan Kießling beim Kinder- und Familienkonzert von Bayers Philharmonikern vorbei. Als Schirmherr der Veranstaltung bekannte der 26-Jährige auf der Bühne freimütig, dass seine Sangeskünste nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien.
Auf welcher Bühne des europäischen Vereinsfußballs sich Kießling und seine Mitspieler von Bayer 04 in der kommenden Saison präsentieren dürfen, entscheidet sich im Fernduell mit Werder Bremen.
Es geht um Platz drei, die Qualifikation zur Champions League. Die Teilnahme an der Königsklasse, rechnete Bremens Manager Klaus Allofs jüngst vor, garantiere Einnahmen in Höhe von 15 Millionen Euro. Was Platz vier oder fünf und damit der Start in der Europa League bringen, kann nicht mal die Uefa voraussagen.
Man müsse auf jeden Fall weit kommen, um etwas zu verdienen, sagte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Zwei Punkte und fünf Tore muss Bayer (in Gladbach) auf Werder (gegen Hamburg) aufholen, um die Saison als Dritter abzuschließen – was nebenbei auch ein größeres Kuchenstück der nationalen Fernseherlöse einbringt, die nach Tabellenplatz gestaffelt werden.
Bayers Trainer Jupp Heynckes tritt in diesen Tagen als einsamer Mahner im Werksklub auf, der nicht müde wird, darauf zu pochen, sich bitteschön an vormals gesteckte Ziele zu erinnern: "Vor der Saison haben wir klar und deutlich artikuliert, dass wir in den internationalen Wettbewerb wollen. Das haben wir erreicht", sagt er.
Dass das Umfeld nun andere Ziele verwirklicht haben möchte, sei verständlich. Aber Heynckes wehrt sich vehement gegen Stimmen, die eine mögliche Teilnahme an der Europa League abwerten: "Wir müssen realistisch sein. Und ich bin realistisch und sehe das als ganz großen Erfolg an. Wenn andere das anders meinen, dann hoffe ich nicht, dass wir nächstes Jahr wieder über etwas anderes sprechen", sagte Heynckes. Im Moment sprechen sie in der BayArena vor allem über Verstärkungen. Die hat Heynckes nämlich ebenfalls wiederholt eingefordert.
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