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Panorama 446er Klinsmann raus bayern fans ddp 2009
  Foto: DDP, AFP
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Champions-League-Aus: Bayern-Fans skandieren: "Klinsmann raus!"

VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 15.04.2009 - 10:53

München (RPO). Die Bayern-Fans zeigten sich vor und zu Beginn des Viertelfinal-Rückspiels der Champions League sensibel. Sie unterstützten ihr Team, als hätte es die Schmach gegen den FC Barcelona eine Woche zuvor nicht gegeben. Doch nach dem 1:1-Ausgleich der Katalanen ließen sie ihren wahren Gefühlen freien Lauf. "Klinsmann raus!", hallte es von der Südtribüne.

Und dann folgten böse Ohrfeigen gegen den Noch-Bayern-Trainer Jürgen K.: Die Fans skandierten "Ottmar Hitzfeld, Ottmar Hitzfeld" und wenig später "Udo Lattek, Udo Lattek". Wie vergiftet das Verhältnis zwischen der Anhängerschaft und dem blonden Übungsleiter ist, wurde spätestens deutlich, als die Ovationen Klinsmanns Dauerfeind Lothar Matthäus galten.

Klinsmann bewahrte anschließend die Fassung. Nach dem 1:5 in Wolfsburg und dem 0:4 in Barcelona sei es verständlich, dass die Fans sauer seien. Doch dann wurde es ein wenig abstrus. "Uns fehlte heute das Quäntchen Glück", sagte der Schwabe. Dabei hätte selbst ein ganzer Haufen Glück gegen die katalanische Übermacht wenig geholfen.

Schließlich wollte Klinsmann den TV-Zuschauern noch die große Zufriedenheit vorgaukeln. "Unser Ziel war das Achtelfinale, wir haben das Viertelfinale erreicht." Bayern-Manager Uli Hoeneß dürfte das ein wenig anders sehen. Unserer Redaktion sagt er vor kurzem: "Wir haben in der Champions League einiges vor." Damit meinte er wohl kaum das Überstehen des Achtelfinals gegen das international zweitklassige Sporting Lissabon.

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Der Kommentar
von Robert Peters

Das Wunder von München ist ausgeblieben. Davon geträumt haben ohnehin nur die ganz blauäugigen Fußball-Fans des Rekordmeisters. Der FC Barcelona war eindeutig eine Nummer zu groß für die Bayern. Sie erlebten im Viertelfinale der Champions League eine Standortbestimmung. Sie tut besonders denen weh, die sich für diese Saison in offensichtlicher Verkennung der Realität die großen Ziele in Europa auf die Fahnen geschrieben haben. Es ist eine bittere Niederlage für Manager Uli Hoeneß und vor allem für Trainer Jürgen Klinsmann.

Der hat nun nur noch eine Chance, sich selbst den attraktivsten Arbeitsplatz seiner Branche in Deutschland zu erhalten: Er muss den Meistertitel in der Bundesliga holen. Und nicht einmal der garantiert ihm, dass er seinen Vertrag erfüllen kann. Denn er hat bis jetzt nicht bewiesen, dass er jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen kann. Auch das hat er versprochen. Leichtfertig.

Und genau da liegt das Problem. Anspruch und Wirklichkeit liegen beim Rekordmeister gehörig auseinander. Das wurde auch im zweiten Versuch, Barca Paroli zu bieten, deutlich. Trotz eines feinen Treffers des diesmal ausgezeichneten Franck Ribery (47.) reichte es für die Münchner nach Seydou Keitas Ausgleich (73.) nur zum 1:1-Unentschieden. Zu wenig, um sich den in Barcelona verlorenen gegangenen Stolz zurückzuholen.

"Das Team hat sich trotzdem hervorragend verkauft gegen die Mannschaft, die Favorit auf den Champions-League-Titel ist", meinte Klinsmann. Nationalspieler Philipp Lahm sah im Vergleich zum Hinspiel eine deutliche Qualitätssteigerung: "Wir sind viel besser in die Zweikämpfe gekommen, sind geordneter aufgetreten als im Hinspiel - so muss man gegen so eine Spitzenmannschaft spielen. Leider haben wir trotzdem nicht gewonnen."

Präsident Franz Beckenbauer, nach dem Desaster in Barcelona einer der schärfsten Kritiker, war besänftigt. "Ich denke, die Mannschaft hat sich rehabilitiert, obwohl das Gegentor überflüssig war. Das 1:1 ging in Ordnung", sagte der "Kaiser".

Stürmischer Beginn

Tatsächlich begannen die Münchner derart energisch, als wollten sie ein historisches Wunder vollbringen: Es waren gerade einmal fünf Minuten gespielt, als die Bayern schon in Führung hätten liegen können: Nach einer Flanke von Jose Ernesto Sosa kam Luca Toni völlig frei aus kurzer Distanz zum Kopfball, traf jedoch das Spielgerät nur ungenügend.

Zehn Minuten später zielte der stark verbesserte Franck Ribery knapp über die Latte. Barca schien etwas beeindruckt zu sein, verlegte sich zunächst auf die Ballsicherung und nahm den Bayern damit prompt den Wind aus den Segeln, weshalb die Begegnung bis zu Riberys Treffer eher dahinplätscherte.

Der FC Barcelona nahm die Begegnung trotz des beruhigenden Polsters aus dem Hinspiel offensichtlich dermaßen ernst, dass der gesperrte Trainer Josep Guardiola nahezu die Bestbesetzung für das Rückspiel aufgeboten hatte: Allein Thierry Henry saß wegen Fiebers zunächst auf der Bank, Sturmpartner Lionel Messi dagegen besetzte wie üblich die rechte Seite. Dort traf er diesmal auf erheblichen Widerstand in Person von Lahm, der den zweifachen Torschützen des Hinspiels zumeist sehr gut unter Kontrolle hatte.

Der Tabellenführer der spanischen Primiera Division wirkte gegen die einsatz- und spielfreudigen Bayern in der Tat sehr konzentriert und darauf bedacht, die Gastgeber vor 66.000 Besuchern nicht allzu sehr Fahrt aufnehmen zu lassen. Dies gelang zunächst nur bis zur 47. Minute, als der gute Andreas Ottl einen Steilpass auf Ribery spielte und der im Hinspiel untergetauchte Franzose mit einem Kabinettstückchen seinen vierten Champions-League-Treffer erzielte. Danach drehte Barca prompt ein wenig auf und kam durch Keita zum verdienten Ausgleich.

Seit dem Titelgewinn 2001 ist der FC Bayern zum vierten Mal im Viertelfinale der Champions League gescheitert. Zweimal war bereits im Achtelfinale Schluss gewesen, einmal in der Vorrunde. Im Vorjahr waren die Münchner unter Trainer Ottmar Hitzfeld dagegen im Uefa-Cup böse unter die Räder gekommen und nach einem 0:4 bei Zenit St. Petersburg im Halbfinale gescheitert.

Barca ist derweil auf dem besten Wege, die Landesmeister-Trophäe zum dritten Mal nach 1992 und 2006 zu gewinnen, zunächst aber wartet im Halbfinale der FC Chelsea mit Michael Ballack.

Davon ist Jürgen Klinsmann weit entfernt. Nicht nur die Fans haben mit dem Ex-Bundestrainer abgeschlossen. Daran wird vermutlich auch der Gewinn der Meisterschaft nichts mehr ändern. Auch die Bayern-Bosse werden sich so ihre Gedanken machen. Am Saisonende könnte Klinsmann raus sein.


 
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