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Bayern München zittert um Superstar
Bekommt der "Doc" Robben rechtzeitig hin?

Bayern München zittert um Superstar: Bekommt der "Doc" Robben rechtzeitig hin?
FOTO: AFP, AFP
Düsseldorf (RPO). Arjen Robben ist schnell, doch darum geht es bei diesem speziellen Wettlauf nicht. Die Gegner des Niederländers sind in diesem Duell keine Abwehrspieler, sondern eine Wadenverletzung und die fehlende Zeit, die Blessur vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester United auszukurieren. Jetzt ist Bayerns medizinische Abteilung gefordert. Von Denis Canalp

Am Samstag gegen den VfB Stuttgart zog sich Robben in der Schlussphase eine Wadenzerrung zu, die seinen Einsatz in der Königsklasse gegen ManU (Dienstag, 20.45 Uhr im Live-Ticker) fraglich macht. Trainer Louis van Gaal wollte seinen Landsmann eigentlich vor den entscheidenen Spielen gegen Manchester und in der Bundesliga gegen Schalke eine Pause gönnen, wechselte ihn aber dennoch zur Halbzeit ein – und hat nun ein Problem.

"Da reichen 80 Prozent nicht"

Es besteht noch eine winzige Chance, dass Robben doch gegen Wayne Rooney und Co. aufläuft. Er selbst sagt: "Ich weiß noch nicht, ob es für Manchester reicht. Ich denke, dass es ganz eng wird." Van Gaal will "kein Risiko eingehen" und Robben nur bringen, wenn er völlig fit ist. "Wir brauchen einen Spieler wie Robben gegen einen Gegner wie Manchester. Aber es ist ein großes Spiel, da reichen 80 Prozent nicht."

Doch wenn einer den Einsatz von Robben möglich machen kann, dann ist das Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Bayerns früherer Teamarzt, der den Klub aber weiterhin aktiv begleitet, hat alle Hände voll zu tun mit dem niederländischen Patienten, behandelt die lädierte Wade praktisch Tag und Nacht. Eine Entscheidung soll erst unmittelbar vor dem Anpfiff fallen. Die Zeit wird knapp, aber der "Doc", wie er von den Spielern nur gerufen wird, ist ein Experte auf diesem Gebiet. Seit 1977 ist er für die Gesundheit der Akteure des Rekordmeisters zuständig, zudem betreut er seit 1996 auch die deutsche Nationalmannschaft.

Vorhang auf für den "Doc"

Sowohl vor dem WM-Eröffnungsspiel 2006, als auch vor dem EM-Endspiel 2008 bangten die deutschen Fußball-Fans um den Einsatz von Michael Ballack und dessen "Wade der Nation". 2006 schaffte es der "Doc", den Kapitän der DFB-Elf rechtzeitig zum Match gegen Costa Rica fit zu bekommen, doch Bundestrainer Jürgen Klinsmann entschied sich gegen Ballacks Einsatz. 2008 gewann Müller-Wohlfahrt den Wettlauf gegen die Zeit und Ballack spielte gegen Spanien.

Ex-Bayern-Profi Mehmet Scholl schildert in seiner Kino-Dokumentation "Frei:Gespielt – Mehmet Scholl: Über das Spiel hinaus" (auf DVD erhältlich) eindrücklich Müller-Wohlfahrts Fähigkeiten. Am Abend vor dem Champions-League-Endspiel 2001 gegen den FC Valencia wollte der Mittelfeldspieler zum damaligen Trainer Ottmar Hitzfeld gehen und ihm sagen, dass er gegen die Spanier aufgrund von Schmerzen, hervorgerufen durch etwaige Bänderverletzungen in Sprunggelenk und Knie, nicht auflaufen könne.

"Ich kann dafür sorgen, dass du spielen kannst"

Doch er traf nach eigener Aussage den "Doc" auf dem Hotel-Flur und der sorgte dann doch noch dafür, dass Scholl am kommenden Abend in der Startformation stand. Nachdem der Mittelfeldspieler ihm von seinen Problemen erzählt hatte, sagte der Mediziner laut Scholl damals: "Ich kann dafür sorgen, dass du morgen schmerzfrei spielen kannst." Und er hielt Wort – Scholl lief auf und verspürte während der Partie keinerlei Beeinträchtigungen.

Auch zwei andere Ex-Profis der Bayern können von derlei Wunderheilungen berichten. Jens Jeremies und Giovane Elber unterzogen sich in der gleichen Spielzeit jeweils Knie-Operationen und liefen gemeinsam zwölf Tage später im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid wieder auf. Die drei Treffer in den siegreichen Duellen mit Real (1:0, 2:1) gingen allesamt auf die Konten des brasilianischen Ballzauberers und des deutschen Mittelfeldzerstörers. Elber, der regelmäßig für kreative Torjubel sorgte, küsste damals nach einem seiner Treffer sein Knie. Ein Gruß an Professor Dr. Hertel, der das Gelenk in Berlin operiert hatte. Und an den "Doc", der nach der OP in München für den optimalen Heilungsverlauf gesorgt hatte.

Jeremies musste seinen Einsatz damals teuer bezahlen. Schon im Finale fiel der Kämpfer aufgrund von anhaltenden Knieschmerzen, wahrscheinlich hervorgerufen durch die zu frühe Belastung in den Partien gegen Real, aus, spielte noch fünf Jahre bei den Bayern, konnte aber nie mehr an seine alte Leistungsstärke anknüpfen. Der FC Bayern gewann aber das Finale im Mailänder Guiseppe-Meazza-Stadion schließlich im Elfmeterschießen – mit Scholl und Elber. Auch ein Triumph des "Docs", der sich nun um Robben kümmern muss.

 
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