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Dortmund gegen Madrid
Wird die BVB-Tormaschine in der Champions League entzaubert?

Pressestimmen: "BOAH, BOAH, BOAHrussia!"
Pressestimmen: "BOAH, BOAH, BOAHrussia!" FOTO: dpa, bt hak
Düsseldorf. Borussia Dortmund verzaubert mit Offensivfußball die Bundesliga. Doch in der Champions League steht der BVB im Spiel gegen Real Madrid nach der Auftaktniederlage in London schon gehörig unter Druck. Und hinter der Tormaschine wackelt die Defensive. Von Antje Rehse

16 Punkte, 19:1 Tore und Tabellenplatz eins: In der Meisterschaft hat Borussia Dortmund einen Sahnestart hingelegt. Und weil außerdem die Bayern schwächeln ist der BVB ein klarer Titelkandidat. Doch wie stark ist das Team von Trainer Peter Bosz wirklich? Wird der Tabellenführer der Bundesliga in der Champions League entzaubert? Das Spiel am Dienstagabend gegen Real Madrid (20.45 Uhr/Live-Ticker) wird zum Prüfstein – vor allem für die Abwehr, die trotz nur einem Gegentor in der heimischen Liga anfällig ist.

Das zeigte sich am Samstag auch gegen Borussia Mönchengladbach. Vorne wurde der BVB zum Toreschießen eingeladen und hätte beim 6:1-Sieg sogar noch mehr als das halbe Dutzend machen können. Doch in der Defensive hatten die Dortmunder Glück, dass die Namenscousine vom Niederrhein ihre Chancen nicht nutzte. "Madrid wird unsere Fehler ganz anders bestrafen", sagte Sportdirektor Michael Zorc vor dem zweiten Gruppenspiel gegen den amtierenden Champions-League-Sieger.

Alles auf Offensive?

Die Frage in Dortmund lautet: Wie viel Offensive ist gegen die Spanier erlaubt? Denn allzu viele Räume zum Kontern darf der BVB der Real-Offensive um den pfeilschnellen Gareth Bale, Superstar Cristiano Ronaldo, die Kreativposten Isco und Marco Asensio und den deutschen Regisseur Toni Kroos nicht geben. Nach der Auftaktniederlage bei Tottenham Hotspur steht der BVB in der bärenstarken Gruppe schon unter Druck. "Die Champions League ist eigentlich einfach. Du musst deine Heimspiele gewinnen, dann hast du eine gute Chance", sagte Trainer Bosz. Andererseits darf man sich Niederlagen im heimischen Stadion bei der Konkurrenz nicht leisten. Und so wird das Spiel für die Dortmunder zum Balanceakt.

Im Londoner Wembley-Stadion hatte des junge, offensivhungrige Team zum Auftakt in der Königsklasse noch etwas Lehrgeld bezahlt. "Wenn man so spielt, sind die Räume hinter der Verteidigung riesengroß. Das haben wir nicht gut gemacht. Bei den Gegentoren waren wir zu lieb", sagte Bosz nach dem ernüchternden 1:3 gegen die Spurs, bei dem die Dortmunder zudem Pech mit der ein oder anderen Schiedsrichterentscheidung hatten. Die Ergebnisse seitdem: 5:0 gegen den 1. FC Köln, 3:0 beim Hamburger SV, 6:1 gegen Borussia Mönchengladbach. "Du brauchst gegen Madrid viel Selbstbewusstsein", betonte Zorc, "und das können wir haben nach den vergangenen Wochen."

Vor allem Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang strotzt nur so davon. Der Gabuner macht in dieser Saison da weiter, wo er in der vergangenen Spielzeit aufgehört hat. Mit sieben Treffern führt Aubameyang schon wieder die Torschützenliste an – gemeinsam mit Bayern-Star Robert Lewandowski. Vor dem Spiel gegen Madrid postete Aubameyang bei Instagram ein Protz-Foto, für das er auf einem Luxus-Sportwagen posierte. Eine Anspielung auf Real-Stürmer Ronaldo, der in dem sozialen Netzwerk ebenfalls gerne mit seinen Luxus-Karossen angibt?

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Gegen Real dürfte Aubameyang jedenfalls besonders motiviert sein. Schließlich wurde er in der Vergangenheit immer wieder mit den Königlichen in Verbindung gebracht. Doch sein Kindheitstraum platzte."Ich werde nicht mehr von Madrid sprechen. Sie wollen mich nicht", sagte Aubameyang in der vergangenen Woche in einem Interview mit "Radio Monte Carlo". Nur zu gerne würde er Real-Trainer Zinédine Zidane zeigen, dass der Franzose mit seinem Desinteresse falsch liegt.

Bilanz und Form sprechen für den BVB

Nicht nur die Superform von Aubameyang, der gegen Gladbach dreimal traf, macht den Dortmundern Hoffnung. Auch die Bilanz gegen Real gibt Grund zu Optimismus. Es ist bereits das neunte Mal seit Dezember 2012, dass die beiden Teams in der Champions League aufeinandertreffen. Die Bilanz des BVB in diesem Zeitraum ist mit drei Siegen, drei Unentschieden und zwei Niederlagen positiv. Insgesamt verlor der BVB in sechs Heimspielen noch nie gegen die Königlichen. Zudem sind die Madrilenen – anders als Dortmund – gar nicht gut in die Liga gestartet. In der Primera División liegt das Starensemble mit elf Punkten aus sechs Spielen lediglich auf Platz sechs.

"Ich traue Dortmund auch gegen Real einen Sieg zu, zumal die noch Probleme haben zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison", schreibt der frühere Bundestrainer Berti Vogts in seiner Kolumne bei t-online. "Aber klar ist auch: Das ist ein ganz anderes Kaliber als Gladbach. Sie werden nicht so naiv ins Spiel gehen." Kann der Bundesliga-Spitzenreiter in der Champions League bestehen? Auch für die Liga, die in der Fünf-Jahres-Wertung der Uefa zuletzt immer mehr an Boden verlor, wird die Antwort darauf richtungsweisend sein.

 
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