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Unglücklicher BVB-Abend
Bus-Schrecken und Tuchels Fehler besiegeln das Aus

Tuchel beschreibt die Schrecksekunde im BVB-Bus
Monaco/Düsseldorf. Der Fußball-Abend von Borussia Dortmund begann bereits mit einem erneuten Schrecken. Ohne Angaben von Gründen wurde der BVB-Bus angehalten. Im Spiel war das Team von Thomas Tuchel mit der starken Monaco-Offensive überfordert. Die Aufstellung Tuchels erwies sich als Fehler. Von Emmanuel Schneider

Die Umstände für Borussia Dortmund beim Viertelfinal-Rückspiel in Monaco waren äußerst schwierig, insbesondere nach einem erneuten Schrecken im Bus auf der Anreise zum Stadion Louis II. Der BVB-Tross wurde an der Abfahrt in Richtung Stadion gehindert, ohne dabei über die genauen Hintergründe aufgeklärt zu werden. "Das was passiert ist, war extrem unglücklich. Wir standen 15 Minuten mit dem Bus, ohne zu wissen, was los ist. Wir waren gut vorbereitet und die Stimmung war gut. Aber die Viertelstunde hat dafür gesorgt, dass keiner mehr an Fußball gedacht hat. Eine genaue Erklärung, warum wir nicht losfahren konnten, gab es nicht – es hieß nur, dass es um die Sicherheit geht," sagte ein verärgerter Tuchel bereits vor der Partie. Aussagen, die eine rein sportliche Analyse noch schwieriger machen, als sie nach dem Anschlag auf den BVB-Bus vor gut einer Woche ohnehin schon ist.

Pressestimmen: "MonaK.o." FOTO: ap, BC

Als das Viertelfinal-Rückspiel angepfiffen wurde, wirkte der BVB überrumpelt von der Offensivpower der Monegassen. Statt Dortmund schaltete Monaco früh in den Angriffsmodus. Die BVB-Defensive war von Beginn an mit den offensivstarken Monegassen um Top-Talent Kylian Mbappé überfordert. Die Zuordnung in der neu formierten Abwehr fehlte und so stand es bereits nach drei Minuten 1:0 für die Hausherren. Benjamin Mendys Lauf durch die BVB-Reihen wurde nicht unterbunden, sein Schuss ließ Roman Bürki zu Mbappé abklatschen, der so eiskalt einschob, das man dessen 18 Jahre anzweifeln möchte.

Tuchel korrigiert nach 27 Minuten

Der BVB antwortete in Person von Nuri Sahin und einem satten Freistoßknaller an den Innenpfosten (14.). Doch die Gastgeber nutzten die Räume und konnten immer wieder gefährliche Konter fahren, vor allem über die linke Angriffsseite. Eine Viertelstunde später machte Radamel Falcao dann den Doppelschlag perfekt – wieder sah die Dortmunder Defensive dabei nicht gut aus. Nach Flanke von Thomas Lemar nickte Falcao unbedrängt ein, weil Matthias Ginter einfach falsch stand.

Kurz darauf reagierte Tuchel und holte bereits in der 27. Minute Erik Durm vom Platz, für ihn sollte Offensivmann Ousmane Dembélé dem Dortmunder Angriffsspiel mehr Schwung verleihen. Tuchel stellte mit der Auswechslung vom 3-4-2-1 in ein 4-2-3-1-System um. 

Nach dem Spiel räumte Trainer Tuchel Fehler in der Startaufstellung ein. Für Kapitän Marcel Schmelzer, Christian Pulisic und Sven Bender waren überraschend Durm, Ginter und Raphael Guerreiro in die Aufstellung gerückt, Wirbelwind Dembélé blieb zunächst auf der Bank.Tuchel schickte sein Team in einer Dreierkette auf das Feld, die bei den Gegentoren nicht gut aussah. "Dass Erik Durm der Leidtragende war, nehme ich auf mich. Ich habe ihm das zugetraut. Er hat nach der Verletzung gut trainiert und einen guten Eindruck gemacht", sagte Tuchel nach dem Spiel selbstkritisch. Durm war zuletzt Mitte März gegen Ingolstadt in einem Pflichtspiel aufgelaufen, danach zwangen ihn muskuläre Probleme zu einer längeren Pause.

Kein Fehler im System

Am Startelf-System wollte Tuchel das unglückliche Auftreten nicht festmachen. Der BVB habe in diesem System "sehr gute Spiele auswärts und in der Champions League gemacht". Zur Pause holte der BVB-Coach den starken Sahin aus "taktischen Gründen" vom Platz, Schmelzer wurde für den Mittelfeldspieler einwechselt. Guerreiro spielte fortan auf der Sahin-Position. Nach dem Wiederanpfiff sorgte der frühe Treffer von Marco Reus (48.) nach starker Vorarbeit des eingewechselten Dembélé für neue schwarz-gelbe Hoffnung. Der BVB präsentierte sich wiedererstarkt, schlussendlich war die Offensivpotenz des AS Monaco allerdings zu groß. Die starke Phase der Dortmunder in der zweiten Halbzeit reichte am Ende nicht. Valère Germain setzte mit seinem Treffer in der 81. Minute den Schlussstrich unter den traurigen BVB-Abend. Auch dieser Treffer wurde durch einen schwerwiegenden Patzer der Dortmunder Defensive eingeleitet.

Durch das BVB-Aus ist die Bundesliga erstmals seit 2009 nicht mehr im Halbfnale der Königsklasse vertreten. Von 2010 an hatten entweder der FC Bayern, Schalke oder Borussia Dortmund mindestens die Runde der letzten vier in der Champions League erreicht. Dafür schaffte Monaco als erstes Team aus der französischen Liga seit sieben Jahren den Einzug in die Runde der letzten Vier. 2010 hatte Olympique Lyon zuletzt das Halbfinale erreicht.

Statistiken, die angesichts der Vorfälle rund um das Hinspiel fast schon irrelevant scheinen. In den Gesichtern und den Aussagen der Spieler war zu erkennen, dass die vergangenen Tage nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen ist. Bürki drückte es nach dem Anpfiff vor dem Sky-Mikro passend aus: "Natürlich ist Enttäuschung da, das wir nicht weitergekommen sind. Aber wir alle haben gelernt, dass es Wichtigeres gibt als Fußball".

Auch Wichtigeres als ein unglückliches Aus im Champions-League-Viertelfinale.

(ems)
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