Champions League ab 20.45 Uhr LIVE: BVB braucht ein "Wunder von der Weser"
zuletzt aktualisiert: 06.12.2011 - 07:44Dortmund (RPO). Aussichtsloser könnte die Lage für Borussia Dortmund auf der großen europäischen Fußball-Bühne nicht sein. Nur mit einem Kantersieg im Gruppen-Finale der Champions League gegen Olympique Marseille oder fremder Hilfe kann der deutsche Meister überhaupt im Europacup überwintern.
"Man braucht ein keines Wunder", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc zum Duell mit dem französischen Ex-Meister am Dienstagabend im ausverkauften Dortmunder WM-Stadion. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte nach dem 1:2 beim FC Arsenal die Restchancen auf "drei Prozent" beziffert. "Die Ausgangsposition ist relativ einfach. Wir müssen das Spiel gewinnen, wie hoch, das werden wir dann sehen", sagte Watzke.
Kantersieg nötig
Mit vier Punkten ist die Borussia Tabellenletzter - das würde das internationale Aus bedeuten. Aus eigener Kraft kann der Meister nach dem 0:3 in Frankreich nur durch einen Sieg mit mindestens vier Toren Differenz gegen "OM" (7 Punkte) aufgrund des direkten Vergleichs Rang drei erreichen - was die Teilnahme an der Zwischenrunde der Europa League garantieren würde. Sollte der als Gruppensieger feststehende FC Arsenal dann noch mit einer zu erwartenden B-Elf bei Olympiakos Piräus (6) gewinnen, stünde Dortmund sogar im Achtelfinale der Königsklasse.
"Wenn uns in der ersten Halbzeit das eine oder andere Tor gelingt und wir in Führung gehen, dann ist alles möglich. Das hat es oft gegeben. Wenn man es realistisch betrachtet, wird es sehr schwer", sagte Zorc. Dazu braucht die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp aber das in Deutschland so berüchtigte "Wunder von der Weser".
Der BVB hat jedoch die schlechteste Ausgangsposition und kann sich nur noch durch die Schützenhilfe von Arsenal in Piräus dennoch für die K.o.-Runde qualifizieren, wenn...
- die Borussia gegen Marseille aufgrund des direkten Vergleichs (Hinspiel 0:3) mit mindestens vier Toren Unterschied gewinnt und gleichzeitig Piräus gegen Arsenal verliert
- wenn Dortmund mit fünf Toren Unterschied gewinnt, Piräus und Arsenal unentschieden spielen und somit der BVB, Marseille sowie die Griechen jeweils sieben Punkte aufweisen (Vergleich der drei Teams untereinander)
Der BVB sichert den Verbleib in der Europa League, wenn...
- Dortmund gegen Marseille mit weniger als drei Toren Unterschied gewinnt und Piräus gegen Arsenal verliert
die Borussia gegen Marseille mit mindestens vier Toren Unterschied gewinnt und Piräus gegen Arsenal siegt
Auf Teufel komm raus will BVB-Trainer Jürgen Klopp aber nicht agieren lassen. "Man kann nicht über ein 3:0 oder 4:0 reden, bevor man nicht das 1:0 erzielt hat", sagte Klopp. "Wir brauchen grundsätzlich 90 Minuten den Glauben daran, dass das gelingen kann." Das wäre dann ein in Deutschland so berüchtigtes "Wunder von der Weser". Werder Bremen hat bei Aufholjagden im Europapokal Standards gesetzt. 1987/88 gewann das Team von Otto Rehhagel nach einem 1:4 mit 6:2 nach Verlängerung gegen Spartak Moskau. 1988/1989 gelang Werder nach einem 0:3 ein 5:0 im Rückspiel gegen Dynamo Ostberlin.
Und 1999/2000 glückte nach einem 0:3 bei Olympique Lyon im Rückspiel ein 4:0. Alles K.o.-Spiele, so wie es für den BVB gegen Marseille sein wird.
"Wenn uns in der ersten Halbzeit das eine oder andere Tor gelingt und wir in Führung gehen, dann ist alles möglich. Das hat es oft gegeben. Wenn man es realistisch betrachtet, wird es sehr schwer", sagte Zorc. Deswegen will Jürgen Klopp erstmal den Sieg. "Dass wir ein höheres Risiko eingehen, ist klar. Das aber mit einem Maß an Defensive und nicht zu wild", sagte der 44-Jährige, der auch auf den Großteil der 65.590 Zuschauer im ausverkauften WM-Stadion setzt:
"Ich erwarte eine Atmosphäre, über die in Marseille irgendwann noch gesprochen wird."
"Wir wollen Powerfußball spielen, um das Unmögliche noch möglich machen. Ich denke, dass wir auch ein bisschen befreit aufspielen können, weil wir nichts mehr zu verlieren haben", sagte Kapitän Sebastian Kehl. "Wir haben zuhause schon 4:0 und 5:0 gewonnen. Aber es wird sehr schwer", erklärte Robert Lewandowski. Der Torjäger erinnert an die Kantersiege in der Bundesliga gegen den FC Augsburg (4:0), den 1. FC Köln (5:0) und den VfL Wolfsburg (5:1).
Kehl und Leitner angeschlagen
Doch Kapitän ist angeschlagen. Der 31-Jährige hat beim 1:2 in London einen Schlag aufs Kreuzbein bekommen und musste sich mit Tabletten und Spritzen behandeln lassen. Beim 1:1 in Mönchengladbach gab es noch einen drauf. "Das war ein sehr schmerzhafter Moment. Wir werden ein paar Spritzen reinpfeffern und versuchen, dass es wieder funktioniert", sagte er. Fraglich ist auch Moritz Leitner wegen Beschwerden im Brustwirbelbereich.
Fehlen wird auf jeden Fall Nationalspieler Marcel Schmelzer wegen der dritten Gelben Karte. Für den Linksverteidiger spielt Chris Löwe. Sieht man von den Langzeitverletzten Neven Subotic und Sven Bender ab, sind ansonsten alle an Bord.
Marseille stürzte nach Siegen in den ersten beiden Gruppenspielen ebenfalls ein wenig ab. Die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps zeigte aber in der Ligue 1 zuletzt aufsteigende Tendenz. Genauso wie die Dortmunder mit der Serie von sieben Siegen in neun Spielen ohne Niederlage. Deswegen glaubt der BVB an die Minimalchance und daran, dass man sich nicht wie der VfB Stuttgart blamiert: Der schied 2007 als bisher einziger deutscher Meister als Gruppenletzter in der Königsklasse aus.
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